Bund stellt Marina-Projekt in aktueller Form infrage

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Uri,

Das Marina-Projekt auf der Urner Halbinsel Isleten stösst beim Bund auf Widerstand. In der aktuellen Form sei es nicht umsetzbar. Die Urner Regierung zeigt sich enttäuscht über den Entscheid.

Ein Seeansicht des ehemaligen Areal der Sprengstofffabrik Cheddite in Isleten zwischen Seedorf und Bauen am Urnersee.
Ein Seeansicht des ehemaligen Areal der Sprengstofffabrik Cheddite in Isleten zwischen Seedorf und Bauen am Urnersee. - Keystone/URS FLUEELER

Der Vorprüfungsbericht des Bundes hält fest, dass er der Aufwertung der Isleten «grundsätzlich positiv gegenübersteht». Die geplante Transformation mit Hotel, Bungalows, Bootsplätzen und Aufwertung des Seeufers sei in der «aktuellen Ausgestaltung» jedoch nicht umsetzbar, teilte der Urner Regierungsrat am Donnerstag in einem Communiqué mit.

Die Pläne der Isen AG des ägyptischen Investors Samih Sawiris sind unter dem Namen «Marina-Projekt» bekannt geworden. Der ägyptische Investor Samih Sawiris will auf der Halbinsel Isleten ein Hotel mit 50 Zimmern und 30 Hotelappartements im Drei- bis Viersternbereich sowie 70 Wohnungen und sieben Bungalows realisieren.

Der Kanton plante im Gebiet, das überwiegend in der Industriezone liegt, Altlasten zu sanieren und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Laut einer Studie würden Investitionen von 228 Millionen Franken rund 80 Arbeitsplätze schaffen und der Region «substanzielle wirtschaftliche Wertschöpfung» für Kanton und Gemeinden bringen.

Gefordert werden vom Bund laut Mitteilung unter anderem eine Reduktion der «baulichen Dichte», alternative Strassenführungen, der Verzicht auf den «landseitigen Bootshafen» sowie denkmalgerechte Neubauten. Die Umsetzung der Massnahmen würde dem Projekt die «wirtschaftliche Basis entziehen», so die Regierung.

Der Urner Regierungsrat zeigte sich enttäuscht über den Entscheid aus Bundesbern. Justizdirektor Daniel Furrer (Mitte) betonte, dass die geforderten Anpassungen weder die geplante Tourismusanlage noch die Revitalisierung der Gewässerraume oder die notwendige Verlegung der Kantonsstrassen erlauben würden. «Der volkswirtschaftliche Nutzen rund um den Urnersee würde unterbunden», wird er zitiert. Zudem würde der klar geäusserte Wille des Urner Volks übersteuert, hiess es weiter.

Die Urner Stimmberechtigten hatten im November 2024 eine Initiative der Grünen mit einem Nein-Stimmenanteil von über 66 Prozent abgelehnt. In dieser forderten sie, die Isleten als Naherholungsgebiet zu erhalten und zu schützen. Neue Hotels und Bootshäfen wären verboten gewesen.

Das betreffende Gebiet am Urnersee ist Teil des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN).

Das Projekt, so die Regierung, böte die Chance, rund 40 Prozent der bisher abgeschotteten Industriefläche für Naherholung und öffentliche Nutzung zu öffnen.

Enttäuscht zeigt sich auch Landammann Christian Arnold (SVP). Das geplante Vorhaben bringe nicht «nur wirtschaftlich, sondern auch landschaftlich, ökologisch und regionalpolitisch eine enorme Aufwertung für das Gebiet», so Arnold. Die Isleten könne und dürfe nicht auf Dauer so bleiben. «Das ist auch der klare Wille des Urner Volks.»

Laut der Mitteilung habe Bundesrat Albert Rösti zugesagt, gemeinsam mit «Bundesstellen» im Frühling eine Begehung vor Ort durchzuführen, um offene Fragen zu klären und Lösungen zu prüfen.

Weiter teilte die Regierung mit, der Kanton, Grundeigentümerschaft und die Gemeinden Seedorf und Isenthal würden in den nächsten Wochen eine «detaillierte Standortbestimmung» vornehmen.

Das Projekt von Samih Sawiris auf dem Gelände der ehemaligen Sprengstofffabrik Cheddite wurde mehrmals überarbeitet und verkleinert. Der Kanton passte 2025 den kantonalen Richtplan an und reichte im Sommer des letzten Jahres diesen zur Bundesvorprüfung ein.

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