Bernmobil: Fahrgäste zählen für 1 Mio. Franken – macht das Sinn?
Für knapp 1 Million Franken bestellt Bernmobil ein neues Fahrgastzählsystem. Das klingt nach viel Geld, doch auch der Nutzen ist gross.

Das Wichtigste in Kürze
- Bernmobil bestellt für knapp 1 Million Franken ein neues System für die Erhebung der Fahrgastzahlen.
- Die Investition soll sich durch eine optimale Dimensionierung des Bernmobil-Angebots bezahlt machen.
- Mit dem System können alle Zu- und Aussteigenden pro Haltestelle erfasst werden.
Bernmobil kauft für 920'000 Franken ein neues System zur Fahrgastzählung. Dies geht aus der Publikation auf der Beschaffungsplattform Simap hervor.
Den Zuschlag erhält das auf Fahrgastzahlen spezialisierte Unternehmen Dilax mit Sitz in Kreuzlingen TG und Berlin (D). Der Vertrag läuft über fünf Jahre und ist verlängerbar, vorbehalten ist noch die Zustimmung zum Budget durch die zuständigen Gremien.
Fast eine Million Franken, um zu wissen, wie viele Personen auf den einzelnen Linien durch Bern gekarrt werden: Macht das Sinn?
Keine Option ist jedenfalls, auf die Fahrgastzählung ganz zu verzichten, stellt Bernmobil-Sprecher Rolf Meyer gegenüber dem BärnerBär klar: Diese sei zwingend und werde auch von Bund und Kanton verlangt.
So profitieren Fahrgäste und Bernmobil
«Grundsätzlich gehören die Fahrgastzahlen zu den zentralen Kennzahlen eines Transportunternehmens im öffentlichen Verkehr», so Meyer.
Sie dienen der Hochrechnung der jährlichen Fahrgastzahlen oder der Abrechnung innerhalb des Libero-Tarifverbunds. «Oder die detaillierten Fahrgastzahlen bilden die Grundlage für die Dimensionierung des Fahrplanangebots oder zur Festlegung der Haltestellenausrüstung», so Meyer.

Letzteres kommt eher dem Komfort Berner ÖV-Nutzerinnen und Nutzer zugute: Bei welchen Haltestellen macht eine elektronische Abfahrtsanzeige und/oder ein Ticketautomat Sinn? Braucht es ein Wartehäuschen, und wenn ja, wie gross sollte es sein?
Bei der Dimensionierung des Angebots kann es um relevante Beträge gehen, womit der Nutzen die Kosten der Fahrgastzählung wieder aufwiegt. Fährt ein Tram alle sechs oder alle zehn Minuten und von wann bis wann? Je nachdem braucht es dann mehr oder weniger Fahrzeuge.

Auch die Fahrzeuggrösse ist entscheidend: Reicht ein 12 Meter langer Bus oder braucht es einen Gelenkbus? Oder macht es Sinn, einzelne Streckenabschnitte anderen Linien zuzuordnen?
Zählen und vor allem auswerten
Denn die Fahrgastzahlen werden mit hoher Detailtiefe erhoben. So soll bei jeder Haltestelle registriert werden, wie viele Personen ein- und wie viele aussteigen.
So lässt sich nicht nur die «Beliebtheit» einer Haltestelle messen, sondern auch die exakte Belegung jedes Fahrzeugs zwischen den Haltestellen. Dabei dürfte die reine Messung mit Sensoren noch der trivialere Teil des Systems sein.
Was mit den Daten danach passiert, ist mindestens so relevant. Entsprechend liefert Dilax auch gleich die Software zur Auswertung, Ortung der Fahrzeuge und für das Reporting.

Hier liegt auch der Grund, warum Bernmobil ein neues System für die Fahrgastzählung beschafft. Das bestehende Fahrgastzählsystem sei zwar zuverlässig, sagt Bernmobil-Sprecher Rolf Meyer zum BärnerBär. «Es entspricht aber insbesondere bei den Auswertungen nicht mehr unseren Anforderungen.»
Datenschutz und Billettpreise
Wenn auf allen Linien in allen Einzelheiten die Fahrgastbewegungen erhoben werden – was ist dann mit dem Datenschutz? Schliesslich geht es niemanden etwas an, dass ich zu faul war, um vom Bärenplatz zum Zytglogge zu laufen. Und deshalb um 10:58 in den zwei Minuten verspäteten 12er-Bus gestiegen bin.
Datenschutz sei kein Thema, sagt dazu Meyer. Nicht, weil dieser Bernmobil egal wäre, sondern weil es keine Daten zu schützen gibt: «Das Fahrgastzählsystem misst mit Sensoren die Bewegungen der ein- und aussteigenden Fahrgäste. Es können weder Rückschlüsse auf Personen noch auf eine einzelne Fahrt einer Person gemacht werden.»
Auch werden die Tickets allein wegen der Fahrgastzählung kaum teurer werden. Bernmobil transportiert pro Jahr fast 100 Millionen Menschen. Die Millioneninvestition macht also verteilt auf fünf Jahre pro Fahrgast lediglich einen kleinen Bruchteil eines Rappens aus.











