Berner Stadtrat: Klassenlager für alle!
Schulen werden die Skilager zu teuer: Jetzt fordert ein Vorstoss, dass Klassenlager finanziert bleiben sollen.

Das Wichtigste in Kürze
- Alle Stadtberner Schulklassen sollen von einem Klassenlager profitieren können.
- Dies fordert ein breit abgestützter Vorstoss, nachdem Skilager gestrichen wurden.
- «Das muss sich die Stadt leisten!», sagt GFL-Stadträtin Tanja Miljanović.
Klassenlager für alle: Allen Stadtberner Schulklassen soll zwischen dritter und neunter Klasse ein garantiertes Lagererlebnis ermöglicht werden, fordert ein breit abgestütztes Postulat.
Der Gemeinderat soll darlegen, was es dazu brauche – denn offenbar ist dies keine Selbstverständlichkeit mehr.
So sagt auch die Initiantin des Vorstosses, Stadträtin Tanja Miljanović (GFL) zum BärnerBär: «Mir war gar nicht bewusst, dass hier ein Problem besteht.» Bis es eines Tages bei der Schule ihrer Tochter hiess: Es gibt keine Schneesportlager mehr.

Es gebe immer mehr Schulen, die sich aus finanziellen Gründen überlegten, die Klassenlager zu streichen, erfuhr Miljanović. «Es gibt Schulen, die haben gar nichts: Weder Landschulwoche noch Skilager.»
Was kosten Klassenlager für alle Stadtberner Schulklassen?
Letzten Herbst fragte sie, unterstützt durch Stadtratsmitglieder anderer Parteien, deshalb nach: Was ist die Haltung des Gemeinderats – und was wären die Kosten für stadtweite Klassenlager?

Bei 60 Klassen rund 420'000 Franken für Schneesportlager, Landschulwochen deutlich weniger, war die Antwort.
«Wir hatten den Eindruck: Das ist gar nicht so wahnsinnig viel Geld. Deshalb haben wir das Postulat nachgereicht mit parteiübergreifender Unterstützung», erzählt Miljanović.
Früher immer Skilager: «Gar kein Thema»
Zum Beispiel auch durch SVP-Stadtrat Thomas Glauser, der findet: «Es ist wichtig, dass man – gerade mit den jungen Leuten – in einem alpinen Land den Skisport fördert.»
Das sei Tradition: «Zu meinen Zeiten ging man immer ins Skilager, das war gar kein Thema.»

Ein Lager habe nur Vorteile und sei mal etwas anderes, als «nur» mit den Geschwistern im Kinderzimmer zu spielen.
Auch Stadträtin Miljanović findet, Klassenlager seien schon immer wichtig gewesen für das Zusammenleben und den Zusammenhalt: «Es sind meine schönsten Erinnerungen an die Schulzeit.»
Wichtig seien sie aber gerade auch heute, mit der grossen Belastung durch die sozialen Medien.
Sportlager in Fiesch VS kein valabler Ersatz
35 Stadtratsmitglieder haben den Vorstoss unterschrieben, und wie der BärnerBär weiss: Es könnten noch einige mehr sein, denn das Anliegen stösst auf breite Sympathien. Doch der Gemeinderat ist etwas zurückhaltend.
So verweist er in seiner Antwort letzten Herbst etwa auf die Sportlager in Fiesch VS. Dort könnten Schülerinnen und Schüler in den Herbst- und Frühlingsferien teilnehmen.
Das sei kein valabler Ersatz, findet SVP-Stadtrat Glauser: «Denn das hat ja dann nichts mit dem Skisport zu tun.»
«Es ist sicher auch eine gute Möglichkeit zur sozialen Integration, aber es ist etwas ganz anderes», sagt Miljanović dazu. Es seien keine Klassenlager, sondern es gingen aus jeder Klasse vielleicht zwei-drei Kinder hin.
Zudem finde sie es wichtig, dass die Kinder den eigenen Kanton kennenlernten. «Es sind ja auch nicht riesige Distanzen bis ins Berner Oberland», merkt SVPler Glauser dazu an.
«Das muss sich die Stadt leisten!»
«Bei Schweizer Sportarten wie Ski ist es wichtig, dass man sie fördert», findet Thomas Glauser. Da sei man ja auch an Olympischen Spielen in den Medaillenrängen. Die Klassenlager aus Rücksicht auf die Stadtfinanzen zu streichen: «Das wäre am falschen Ort gespart.»
Ziel des Postulats sei: Alle Informationen bereit zu haben, so dass man in der Budgetdebatte im Herbst Anträge stellen könne, erklärt Tanja Miljanović. Klar müsse die Stadt auf ihre Finanzen schauen, aber Klassenlager? «Das muss sich die Stadt leisten!», ist für sie ebenso klar.
Es werde in der Budgetdebatte ein Seilziehen geben, wo Geld gestrichen oder Projekte verschoben werden könnten, prognostiziert die GFL-Politikerin.
Am liebsten wäre ihr, man würde den (höheren) Betrag für die Skilager sprechen. Dann könne jede Schule selber entscheiden, ob allenfalls eine Landschul- oder Wanderwoche mehr Sinn mache. «Dann kann man das gesparte Geld im nächsten Jahr einsetzen.»








