Reitschule

Aufregung um abgesagte Podiumsdiskussion in der Reitschule

Matthias Bärlocher
Matthias Bärlocher

Bern,

Ein Teilnehmer einer externen Veranstaltung passte der Berner Reitschule nicht. Nun muss der Gemeinderat Fragen beantworten.

Berner Reitschule
Die Berner Reitschule liess einen Podiumsteilnehmer bei einem Filmfestival aus politischen Gründen nicht auftreten. Darauf wurde der Anlass abgesagt. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Reitschule liess einen Diskussionsteilnehmer aus politischen Gründen nicht auftreten.
  • Der Veranstalter strich daraufhin gleich den ganzen Anlass und spricht von Zensur.
  • Bürgerliche Stadträte nehmen nun den Gemeinderat in die Pflicht.

Es wäre ziemlich sicher eine kontroverse Diskussion geworden: Der ehemalige Leiter der Fremdenpolizei der Stadt Bern, Alexander Ott, war zu einer Podiumsveranstaltung geladen. Um mit anderen Gästen im Anschluss an einen Film über Palästina-Flüchtlinge das soeben Gesehene zu diskutieren.

Doch die Diskussion fand nie statt. Eingeladen hatte das «Orient Express Film Festival», ausgeladen hatte der Ort der Veranstaltung: die Berner Reitschule. Der Festival-Leitung wurden die «Hausregeln der Reitschule gegenüber Polizeivertretern» mitgeteilt und auf die politischen Werte der Reitschule verwiesen.

Film Festival Reitschule Podium
Das «Orient Express Film Festival» zog nach dem Rausschmiss eines Podiumsteilnehmers durch die Berner Reitschule die Konsequenzen und spricht von Zensur. - Screenshot Instagram

Das Filmfestival versuchte zu klären, sah sich dann aber gezwungen, die Veranstaltung abzusagen: «Da wir keine Einschränkung oder Zensur akzeptieren möchten», wurde nicht nur das Podiumsgespräch, sondern auch die Filmvorführung gestrichen.

In der Mitteilung der Festival-Leitung dringt Frustration durch: Man sei davon ausgegangen, dass ein offener und kritischer Dialog grundsätzlich im Sinne des Reitschule-Manifests sei. «Als migrantische Organisation mit einem Team, in dem auch viele Menschen mit Flucht und Migrationserfahrung mitarbeiten, sind wir für diese Themen besonders sensibilisiert.»

Reitschule-Rausschmiss: SVP will Antworten vom Gemeinderat

Nun soll der Berner Gemeinderat Stellung nehmen: War das antidemokratische Zensur? Eine von der SVP beantragte aktuelle Debatte im Stadtrat wurde zwar abgelehnt. Doch nun folgen Vorstösse von bürgerlicher Seite, die das Verständnis von Meinungsfreiheit und Demokratie in der Reitschule hinterfragen.

Feuz Glauser Bernhard Hess
Die SVP-Stadträte Alexander Feuz, Thomas Glauser und Bernhard Hess. - stadtrat.bern.ch

Allen voran wiederum die SVP: In einer Anfrage will sie wissen, wie sich der Vorfall «in einem mit Leistungsvertrag subventionierten Kulturbetrieb» mit verschiedenen Grundsätzen vereinbare. Das Leitbild der Stadt Bern wird dabei ebenso genannt wie die Meinungsäusserungsfreiheit, das Diskriminierungsverbot oder auch der Bildungsauftrag.

Gehst du gerne in die Reitschule?

In scharfer Rhetorik fragen sich die Erstunterzeichnenden Alexander Feuz, Thomas Glauser und Bernhard Hess (alle SVP): «Dürfen in der Reithalle an Podien und Veranstaltungen auch in Zukunft nur noch Meinungen vertreten werden, die in das Weltbild der links-grün-woken Exponenten passen?» Mitunterzeichnet haben den Vorstoss auch Vertreterinnen und Vertreter der FDP.

In einem Postulat fordern die gleichen drei SVPler einen Prüfbericht: «Ab sofort keine Zensur, Ausgrenzungen und die Beschimpfung durch die Exponenten der Reithalle mehr!»

Reto Nause
Mitte-Nationalrat Reto Nause galt schon zu Zeiten als Berner Sicherheitsdirektor in der Reitschule als «Persona non grata». - Nau.ch

Massnahmen und Reglemente sollen aufgezeigt werden, die künftig «Diskriminierung und Ausgrenzungen verhindern». Gleichzeitig soll der Gemeinderat aber auch abklären, welche Personen aus politischen Gründen in der Reitschule Hausverbot haben. Bekannt sei etwa, dass der ehemalige städtische Sicherheitsdirektor und Mitte-Nationalrat Reto Nause betroffen sei.

Aber auch alle aktiven SVP-Politiker oder Angehörige der Kantonspolizei: Sie dürften in ihrer Freizeit in der Reitschule weder an Podien noch an Kochshows teilnehmen, heisst es im Postulat.

Geld von der Stadt, aber schimpfen über Polizisten

Nicht nur die SVP, auch «Die Mitte» hat Fragen. Zum Teil geht der Vorstoss von Mitte-Stadträtin Michelle Steinemann und Parteikollege Nicolas Lutz in eine ähnliche Richtung. Er legt aber auch den Finger auf einen wunden Punkt: So soll die Reitschule die Absage unter anderem mit dem Kürzel «ACAB» kommentiert haben.

Mitte-Stadträtin Michelle Steinemann
Mitte-Stadträtin Michelle Steinemann. - stadtrat.bern.ch

Die in der Antifa-Szene verbreitete Abkürzung steht für «All Cops Are Bastards», also: Alle Polizisten sind Bastarde. «Die Reitschule wird von der Stadt Bern über einen Leistungsvertrag mit öffentlichen Mitteln unterstützt», hält Steinemann fest. Die gleiche Stadt Bern, bei der auch Alexander Ott als Leiter der Fremdenpolizei angestellt war.

Das passt für Steinemann nicht zusammen. Sie will vom Gemeinderat wissen, ob das Verhalten der Reitschule nicht den Leistungsvertrag verletze und ob dies Konsequenzen habe.

Kommentare

User #4610 (nicht angemeldet)

Das war einmal eine edle Reitschule, fragt Christine Stückelberger.

User #4281 (nicht angemeldet)

Die Reitschüler sollen mit eigenen Mitteln ein Lokal kaufen oder mieten und dort ohne Subventionen ihren bescheidenen ideologischen Traum und Lebenstil bestreiten und Hausverbot erteilen, wem sie wollen.

Weiterlesen

reitschule
384 Interaktionen
Gewalt eskalierte
Reto Nause
786 Interaktionen
Berner Reitschule
polizei beleidigung acab
233 Interaktionen
«Bastarde»

MEHR REITSCHULE

Reitschule Bern
Vor Berner Reitschule
Polizei Reitschule
34 Interaktionen
Bern
reitschule
36 Interaktionen
Platz bei Reitschule
reitschule
47 Interaktionen
«Ein Unort»

MEHR AUS STADT BERN

St. Gallen / Chur / Frauenfeld / Glarus
Bern
Burgergemeinde Bern