Ukraine: Staatsbegräbnis für umstrittenen Nationalistenchef
Die Gebeine des 1938 ermordeten umstrittenen ukrainischen Nationalistenführers Jewhen Konowalez sind in die Ukraine überführt und mit einem Staatsbegräbnis beigesetzt worden. «Wir bringen einen herausragenden Sohn des ukrainischen Volkes nach Hause zurück», sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj bei der Zeremonie auf einem Militärfriedhof unweit der Hauptstadt Kiew. Mit Konowalez habe die Ukraine einen Teil ihrer selbst, ihrer Erinnerung und ihrer nationalen Geschichte zurückgeholt.

An der feierlichen Beisetzung mit militärischen Ehren nahmen auch Ministerpräsident Serhij Korezkyj, Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk, Armeechef Mychajlo Drapatyj und weitere ukrainische Politiker teil.
Konowalez wurde 1891 in Österreich-Ungarn in der heutigen Westukraine geboren. Als österreichischer Soldat kämpfte er im Ersten Weltkrieg und beteiligte sich nach seiner russischen Kriegsgefangenschaft am Aufbau des 1920 gescheiterten ersten ukrainischen Staats. Ab 1929 führte er die neu gegründete Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), die sich am Faschismus in Italien und dem Nationalsozialismus in Deutschland orientierte. Die OUN war für terroristische Anschläge wie die Ermordung des polnischen Innenministers 1934 verantwortlich. Konowalez wurde 1938 von einem sowjetischen Agenten in Rotterdam getötet und dort zunächst begraben.
Vor der Umbettung von Konowalez wurde bereits sein Nachfolger bei der OUN, Andrij Melnyk, in die Ukraine überführt. Weitere im Ausland bestattete Ukrainer sollen folgen. Kiew plant dabei die Neubestattung der sterblichen Überreste von «Unabhängigkeitskämpfern» in einer «Pantheon» genannten Gedenkstätte.










