OCHA-Chef: Brauchen klare Vision für Zukunft des Sudans
Der UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher bezeichnet die dritte internationale Sudan-Konferenz in Berlin als Bewährungsprobe für die internationale Gemeinschaft.

«Wenn wir eine vierte Konferenz abhalten, auf der wir nur weitere Worte und Erklärungen abgeben, werden wir das sudanesische Volk weiterhin im Stich lassen», sagte er am dritten Jahrestag des Bürgerkrieges in dem nordostafrikanischen Land. «Was wir brauchen, ist eine klare Vision für die Zukunft des Sudans.»
Er bringe nach Berlin «die Frustration, die Wut und die Verzweiflung einer Bevölkerung mit, die so viel Leid erfahren hat», sagte Fletcher. «Zu viel sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen, zu viele Tote durch Drohnenangriffe internationaler Akteure, zu viel Vernachlässigung und Apathie seitens der internationalen Gemeinschaft.» Notwendig sei ein Ende der Waffen- und Drohnenlieferungen, die so viele Menschen im Sudan, aber auch humanitäre Helfer töteten.
Der Berater der US-Regierung für die afrikanischen und arabischen Länder, Massad Boulos, bekräftigte vor der Konferenz die Notwendigkeit einer sofortigen humanitären Waffenruhe. «Wir wünschen uns, dass sie von beiden Seiten ohne Vorbedingungen sofort akzeptiert wird», damit man Zeit gewinne, am politischen Übergang zu arbeiten, sagte er. «Selbstverständlich werden wir in der Zwischenzeit an einem dauerhaften Waffenstillstand arbeiten. Die Menschen im Sudan haben genug gelitten.»
Aus Sicht der USA müsse im Rahmen einer humanitären Waffenruhe unverzüglich damit begonnen werden, bewaffnete Einheiten aus Städten wie beispielsweise Al-Faschir, der Hauptstadt von Nord-Darfur, abzuziehen und so den Zugang für Hilfslieferungen zu ermöglichen.
Die Miliz RSF, die in dem seit drei Jahre andauernden Bürgerkrieg im Sudan gegen die Regierungsarmee SAF kämpft, hatte Al-Faschir im vergangenen Oktober nach monatelanger Belagerung erobert. Dabei kam es nach Berichten von geflüchteten Überlebenden wie schon zuvor bei der Eroberung eines nahe gelegenen Flüchtlingslagers zu Massakern. Aus Sicht der USA sei dort Völkermord begangen worden, betonte Boulos. «Das ist unsere offizielle Position.»










