Kanzleramtschef soll deutsche Christdemokraten-Fraktion führen
Der bisherige deutsche Kanzleramtschef Thorsten Frei soll neuer Vorsitzender der Fraktion der regierenden Christdemokraten im Bundestag werden.

Darauf verständigten sich die Parteichefs der christdemokratischen Union (CDU und CSU), Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) aus Kreisen der Union erfuhr.
Vorangegangen waren zudem Gespräche in den Parteigremien der Union und in der Fraktion im Bundestag, Deutschlands Parlament. Nach Spahns Rückzug am Samstag hatte Merz – zugleich Regierungs- und CDU-Chef – angekündigt, in Abstimmung mit der bayerischen Schwesterpartei CSU «relativ bald» einen Personalvorschlag zu machen.
Offiziell ins Amt kommt der Nachfolger erst durch Wahl in der Fraktion, die dafür am kommenden Mittwoch in Berlin zu einer Sondersitzung zusammenkommen soll. Dem Vernehmen nach soll dann auch erst in der kommenden Woche die Nachfolge von Frei verkündet werden. Unklar ist bisher, ob es neben der Nachbesetzung im Kanzleramt auch noch zu weiteren Änderungen im Kabinett kommen wird.
Frei kehrt damit in seinen angestammten Bereich in der deutschen Politik zurück. Er war in der vergangenen Legislaturperiode Parlamentarischer Geschäftsführer unter dem damaligen Fraktionschef und Oppositionsführer Merz und kennt die Arbeit an der Spitze der Unions-Abgeordneten bestens. Der 52-jährige CDU-Politiker aus dem Schwarzwald war schon nach der Bundestagswahl 2025 für den Fraktionsvorsitz im Gespräch. Merz holte seinen engen Vertrauten dann aber doch ins Kanzleramt.
Dort hat er nur schwer Fuss gefasst. Frei wurde von einigen in der Union vorgeworfen, lieber Interviews zu geben, als die Arbeit mit der Koalitionspartnerin, der sozialdemokratischen SPD, zu koordinieren. Beim am 2. Juli beschlossenen Reformpaket übernahmen dann die Fraktionsspitzen selbst diese Aufgabe. Die Fraktionsarbeit passe besser zu Frei, meinen viele. Mit ihm bekommt der seit Mai 2025 regierende Merz einen loyalen Vertrauten an der Fraktionsspitze.
Spahn war am Wochenende nach wachsendem parteiinternem Druck von seinem Amt zurückgetreten. Er und sein Mann Daniel Funke hatten bekanntgegeben, mit Hilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden zu sein. Das wurde kritisiert, weil Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist und sich Spahns Partei klar gegen eine Legalisierung ausspricht. Er selbst hatte das in der Vergangenheit auch getan.
Nach Gesprächen mit Merz hatte der 46-Jährige seinen Rücktritt per Schreiben an die Bundestagsabgeordneten von CDU und CSU erklärt. Der Spagat zwischen seiner privaten Entscheidung zu einem Kind durch Leihmutterschaft und der nachvollziehbaren Erwartung an ihn als Fraktionschef sei grösser geworden, als von ihm erwartet. Bis zur offiziellen Neuwahl des Nachfolgers führt Spahns bisheriger Stellvertreter, der Chef der sogenannten Landesgruppe der CSU im Bundestag, Alexander Hoffmann, die Amtsgeschäfte an der Spitze der Unionsfraktion.










