Kanton Zürich verbietet Konversionstherapien vorerst nicht
Der Kanton Zürich verbietet Konversionstherapien für Homosexuelle bis auf Weiteres nicht. Die Geschäftsleitung des Kantonsrats hat das Geschäft auf Eis gelegt. Linke Parteien sind empört.

Eigentlich war das Verbot von «Umpolungstherapien» im Kanton Zürich bereits ausgearbeitet. Das Geschäft stand kurz vor dem Abschluss und sollte demnächst ins Parlament kommen. Doch nun hat die Geschäftsleitung das Anliegen sistiert.
Grund für die Ablehnung: In der Geschäftsleitung war man sich nicht einig, ob Zürich ein eigenes Verbot braucht oder ob es nicht reichen würde, auf das nationale Verbot zu warten. Die bürgerlichen Vertreterinnen und Vertreter wollten abwarten und setzten die Sistierung durch. Diese dauert ein Jahr, kann aber verlängert werden.
Die linken Parteien sind empört. Die Grünen zeigten in einer Mitteilung «keinerlei Verständnis für die durchsichtige Verzögerungstaktik der konservativen Parteien». Ohne die Sistierung in der Geschäftsleitung wäre das Geschäft noch vor den Zürcher Kantonswahlen im April 2027 ins Parlament gekommen.
Für sie ist klar, dass die Bürgerlichen einer Debatte aus dem Weg gehen wollen und das Geschäft deshalb «hinter verschlossener Tür» ausbremsten. Auch für die SP ist der Entscheid «unverständlich und inakzeptabel». Damit verzögere sich ein breit abgestützter Auftrag des Kantonsrats auf unbestimmte Zeit, so die SP.
Der Regierungsrat war eigentlich für ein Verbot. «Wer eine solche Therapie durchführt oder bewirbt, wird mit Busse bestraft», hiess es in der regierungsrätlichen Vorlage, die nun auf Eis gelegt wurde.
In mehreren Kantonen sind Verbote von «Umpolungstherapien» bereits in Kraft, etwa im Wallis, in Neuenburg und im Kanton Waadt. Andere wie etwa der Kanton Aargau oder der Kanton Luzern warten – wie nun auch Zürich – auf eine nationale Lösung. Ob und wann ein landesweites Verbot kommt, ist jedoch offen.
Wie häufig Konversionstherapien in der Schweiz durchgeführt werden, ist nicht bekannt. Immer wieder gelangen jedoch Einzelfälle an die Öffentlichkeit. 2018 hatte ein homöopathischer Arzt in der Westschweiz angeboten, «Homosexualität zu heilen». 2020 empfahl sich ein Psychiater in Schwyz für solche «Therapien».






