Hochrechnungen: Meloni mit Justizreform gescheitert

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Italien,

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ist nach übereinstimmenden Hochrechnungen mit ihren Plänen für einen grundlegenden Umbau der Justiz klar gescheitert.

Giorgia Meloni gibt ihre Stimme bei der Volksabstimmung über eine Justizreform ab. Foto: Valentina Stefanelli/LaPresse/AP/dpa
Giorgia Meloni gibt ihre Stimme bei der Volksabstimmung über eine Justizreform ab. Foto: Valentina Stefanelli/LaPresse/AP/dpa - Keystone/LaPresse/AP/Valentina Stefanelli

In einer Volksabstimmung lehnten nach einer neuen Hochrechnung des Fernsehsenders Rai 53,9 Prozent der Italienerinnen und Italiener das Vorhaben von Melonis rechter Koalition ab. Dafür stimmten lediglich 46,1 Prozent. Andere Institute sahen das Nein-Lager ebenfalls deutlich vorn.

Für die Vorsitzende der Rechtspartei Fratelli d'Italia (Brüder Italiens) wäre dies anderthalb Jahre vor der nächsten regulären Parlamentswahl eine schwere Niederlage. Vor dem Referendum hatte Meloni ausgeschlossen, bei einem Nein persönliche Konsequenzen zu ziehen. In allen Umfragen liegt sie mit den Fratelli bislang weit vor allen anderen Parteien. Die 49-Jährige regiert jetzt schon länger als fast alle anderen bisherigen italienischen Regierungschefs.

Melonis Koalition aus drei rechten und konservativen Parteien hatte sich zum Ziel gesetzt, das Justizsystem in entscheidenden Punkten umbauen. Kritiker sehen dadurch die Unabhängigkeit von Richtern und Staatsanwälten in Gefahr.

Sowohl der öffentlich-rechtliche Sender Rai als auch andere Medien sahen das Nein-Lager nach Schliessung der Wahllokale um 15.00 Uhr mit mehreren Prozentpunkten vorn. Das endgültige Ergebnis wird noch im Laufe des Montags erwartet.

Die beiden Kammern des Parlaments hatten dem Vorhaben bereits zugestimmt. Weil für die Justizreform jedoch die Verfassung geändert werden muss, kam es am Sonntag und Montag auch noch zu einem Referendum.

Die Wahlbeteiligung war mit etwa 58 Prozent für eine Volksabstimmung sehr hoch. Das Referendum galt auch als Stimmungstest vor der nächsten Parlamentswahl, die für Herbst 2027 geplant ist. Wahlberechtigt waren mehr als 46 Millionen Bürger.

Italiens Rechte klagt seit Jahrzehnten darüber, dass grosse Teile der Justiz aufseiten der Linken stünden. Bereits der frühere Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der auch selbst mehrfach vor Gericht musste, beschwerte sich immer wieder über «rote Roben». Die Opposition und auch mehrere Organisationen von Richtern und Staatsanwälten werfen der Ministerpräsidentin hingegen vor, sich die Justiz gefällig machen zu wollen.

Kern von Melonis Plänen war, die Laufbahnen von Richtern und Staatsanwälten zu trennen, so wie das in den meisten europäische Ländern üblich ist. Zudem sollte es neue Selbstverwaltungsorgane für Richter und Staatsanwälte geben. An deren Besetzung soll das Parlament beteiligt werden. Damit bekäme die Politik mehr Einfluss auf Personalentscheidungen.

Bei allem Streit sind sich die meisten einig darin, dass es im italienischen Justizsystem tatsächlich Reformbedarf gibt. Dort dauert es deutlich länger als in vielen anderen Ländern, bis Recht gesprochen wird. Nach einer Umfrage vertrauen nur vier von zehn Italienern ihrer Justiz.

Kommentare

User #2599 (nicht angemeldet)

Wo das hinführt mit den rechten Spiessgesellen sieht man bei Trump.

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