Die Zecken als Spassbremsen im Ostschweizer Frühling
Die Zahl der gemeldeten Zeckenstiche nimmt seit Jahren zu – auch in der Ostschweiz und in höher gelegenen Regionen. 14'000 sind es pro Jahr in der Schweiz. Besonders betroffen sind alle, die häufig in der Natur unterwegs sind.

Der Frühling bringt ungebetene Gäste. «Mit steigenden Temperaturen beginnt in der Schweiz die Zeckenzeit», schreibt die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) in einer Medienmitteilung von Mitte April. «Die Daten der Schweizer Unfallversicherer zeigen einen klaren Trend: In den letzten Jahren wurden deutlich mehr Zeckenstiche gemeldet.» Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, um sich zu schützen.
Konkret spricht die Suva damit das Risiko einer Erkrankung infolge eines Zeckenstichs an. Die Zecke allein wäre nicht das Problem. Aber: Das kleine Tier ernährt sich von Tier- und Menschenblut. Beim Stich kann es Erreger von Krankheiten mit potenziell schwerem Verlauf übertragen, etwa die Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).
Mittlerweile wird laut Aufklärungskampagne zecken-stich.ch die gesamte Schweiz vom Bund als FSME-Risikogebiet eingestuft. Ausnahme ist der Kanton Tessin. Zecken fühlen sich an «mittelgradig feuchten Stellen, in Laub- und Mischwäldern mit üppigem Unterholz, Gärten oder Parks wohl», wie es auf der Seite weiter heisst. Mit dem FSME-Virus infizierte Zecken leben in der Schweiz bis in Höhen von rund 2000 Metern über Meer, wobei ungefähr 0,5 Prozent der Spinnentiere den FSME-Erreger in sich tragen.
Für die Ostschweiz heisst das: Auch höher gelegene Gebiete, in denen Zecken früher weniger häufig vorkamen, sind betroffen. «Zecken sind wieder aktiv – so schützen Sie sich», schreibt etwa das Gesundheitsamt von Appenzell Innerrhoden in einer fast zeitgleich eingetroffenen Mitteilung. Im Appenzellerland seien Zecken seit einigen Jahren auf dem Vormarsch.
Obwohl: Von «der» Zecke zu sprechen, ist genau genommen nicht richtig. zecken-stich.ch zufolge gibt es weltweit 850 Zeckenarten. In der Schweiz am häufigsten ist der «Ixodes ricinus», der Gemeine Holzbock. Er gehört zur Familie der Schildzecken und fühlt sich laut Kampagne in der Schweiz vollauf zu Hause.
In der Schweiz kommt es laut Angaben der Suva jährlich zu 14'000 Zeckenstichen. Und es werden immer mehr. Eine mögliche Erklärung ortet die Suva in der Klimaerwärmung. Zwischen 2009 und 2018 habe sich der für Zecken geeignete Lebensraum um fast zwei Drittel vergrössert – oder um über 4000 Quadratkilometer, was ungefähr der doppelten Fläche des Kantons St. Gallens entspricht.
Der Aufenthalt oder Sport in der Natur wird in unserer Gesellschaft eigentlich als wünschenswert eingestuft. Die Zecke – sie hält sich notabene dort auf, wo Menschen wandern, joggen und Kinder spielen, nämlich auf «niedrig wachsenden Pflanzen», wie es beim Appenzeller Gesundheitsamt heisst – spielt dabei die Rolle der Spassbremse.
Wie also sich schützen? Erst einmal präventiv: Beim Aufenthalt im Freien empfehlen sich lange Hosen und Ärmel von möglichst heller Farbe, auf der man Zecken erkennt. Dazu geschlossene Schuhe sowie Zeckensprays für Körper und Kleidung. Von Ämtern und Versicherern wird ausserdem zur Impfung gegen FSME geraten.
Eine Anfrage bei «Thurg Orienta», dem regionalen Orientierungslauf-Verein mit Sitz in Weinfelden, zeigt: Richtlinien für Mitglieder des Vereins oder die Aufforderung zur Impfung gibt es nicht. Aber: «Das Thema Zecken wird unter den Mitgliedern regelmässig thematisiert», schreibt Thurg-Orienta-Präsident Martin Wenk. Damit sei das Risiko allen hinlänglich bekannt. «Die Jugendtrainer weisen regelmässig darauf hin, dass sich nach einem Anlass im Wald alle nach Zecken absuchen (lassen) sollen.» Die OL-Kleidung sei zwar kurzärmelig, aber dann bis zu den Füssen geschlossen. Dies verhindere den meisten Zecken den Eintritt, biete aber keinen hundertprozentigen Schutz.
Stellt Wenk im Vergleich zu früher häufiger Zeckenstiche fest? Je nach Laufgebiet sei der Zeckenbefall sehr unterschiedlich, sagt er. Wovon die Zecken-Intensität abhänge, ob Wetter oder Art des Waldes, sei weitgehend unklar. «Eindeutig ist, dass gewisse Clubmitglieder wesentlich häufiger von Zecken befallen werden, obschon sich diese meist intensiver mit Antizeckenmittel einsprayen.»






