Umfrage rechnet Volksinitiativen klares Nein aus

    Keystone-SDA
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    Bern,

    Die Neutralitätsinitiative und die Ernährungsinitiative haben gut einen Monat vor dem Urnengang vom 27. September einen schweren Stand.

    Neutralitätsinitiative
    Die Neutralitätsinitiative hat bei der Bevölkerung einen schweren Stand. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Laut einer Umfrage lehnen 62 Prozent die Neutralitätsinitiative ab.
    • Mit 65 Prozent Nein-Stimmen prognostizierte die Umfrage der Ernährungsinitiative eine noch deutlichere Ablehnung.
    • Am 27. September 2026 wird über die beiden Vorlagen abgestimmt.

    Gut einen Monat vor dem Urnengang vom 27. September lehnt eine Mehrheit der Befragten die nationalen Abstimmungsvorlagen ab. Beide Initiativen hatten die Wählerschaft einer einzigen Partei hinter sich.

    62 Prozent der befragten Stimmberechtigten lehnten die Volksinitiative «Wahrung der schweizerischen Neutralität (Neutralitätsinitiative)» ab. Dies ging aus der am Mittwoch veröffentlichten Umfrage von Leewas hervor. Das Forschungsinstitut hatte die Studie im Auftrag von Tamedia und «20 Minuten» durchgeführt.

    Soll die Schweiz die Neutralitätsinitiative annehmen?

    Demnach waren 57 Prozent der Befragten dediziert gegen die Vorlage, während fünf Prozent «eher Nein» stimmen wollten. Auf der anderen Seite waren 30 Prozent dafür und sechs Prozent «eher» dafür. Zwei Prozent der Teilnehmenden waren noch unentschlossen.

    Die Gegnerschaft hat ihren Vorsprung seit der ersten Leewas-Umfrage von Mitte Juni somit ausgebaut. Damals lehnten insgesamt 54 Prozent der Befragten die Vorlage ab. Während 34 Prozent sie befürworteten und zwölf Prozent noch unentschieden waren.

    Schweiz soll «immerwährend und bewaffnet» sein

    Die deutlichsten Meinungsunterschiede zeigten sich nun bei der Parteizugehörigkeit der Befragten. Eine grosse Mehrheit von 82 Prozent der SVP-Anhängerschaft unterstützte die Initiative. Die Vorlage will in der Verfassung festschreiben, dass die Neutralität der Schweiz «immerwährend und bewaffnet» sein soll. Unter den grossen Parteien steht einzig die SVP hinter dieser Idee.

    Bei den Wählerinnen und Wählern aller anderen grossen Parteien fiel die Vorlage hingegen klar durch. Bei der SP und der GLP war die Ablehnung mit 91 Prozent am stärksten. Gefolgt von den Grünen mit 82 Prozent. Auch bei der Mitte (79 Prozent Nein) und der FDP (72 Prozent Nein) war der Widerstand gross.

    Neutralitätsinitiative
    Unter den grossen Parteien steht einzig die SVP hinter der Neutralitätsinitiative. - keystone

    Die Zustimmung zur Initiative sank, je älter, gebildeter und einkommensstärker die Teilnehmenden waren. Auf dem Land und in der italienischsprachigen Schweiz war die Unterstützung höher als in Städten und in den anderen Sprachregionen.

    Für die Befürwortenden war das Hauptargument, dass eine Verfassungsänderung die Neutralität vor einer Aufweichung durch die Politik schützen würde. Die Gegnerschaft befürchtete wiederum eine massive Einschränkung der Handlungsfähigkeit der Schweiz. Zudem einen Ansehensverlust durch den Verzicht auf Sanktionen und eine Schwächung der Verteidigungsfähigkeit.

    65 Prozent gegen die Ernährungsinitiative

    Mit 65 Prozent Nein-Stimmen prognostizierte die Umfrage der Ernährungsinitiative eine noch deutlichere Ablehnung. Diese verlangt unter anderem einen Netto-Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent.

    55 Prozent der Befragten wollten ein Nein in die Urne legen, weitere zehn Prozent stimmten «eher Nein». Lediglich 18 Prozent unterstützten das Anliegen entschieden, 13 Prozent waren eher dafür. Vier Prozent waren unentschieden.

    Soll die Ernährungsinitiative angenommen werden?

    Eine Mehrheit fand die Vorlage nur bei der Wählerschaft der Grünen mit 69 Prozent Ja-Stimmen. Die SP-Basis war gespalten, hier hielten sich Befürworter und Gegnerinnen die Waage. Die Anhängerschaft der FDP lehnte die Initiative mit 83 Prozent am deutlichsten ab. Gefolgt von Mitte (75 Prozent), SVP (74 Prozent) und GLP (66 Prozent).

    Auch bei dieser Vorlage war die Ablehnung in der Deutschschweiz und der Romandie stärker als in der italienischsprachigen Schweiz. Und die deutlichste Ablehnung kam von Pensionierten. Männer lehnten die Initiative zudem mit 70 Prozent Nein-Stimmen klarer ab als Frauen mit 59 Prozent.

    Gegnerschaft befürchtet Menüplan mit veganen Produkten

    Die Befürwortenden nannten als wichtigstes Argument die Sicherstellung der Ernährung in Krisenzeiten durch einen höheren Selbstversorgungsgrad. Das Hauptargument der Gegnerschaft war die Befürchtung, die Forderung laufe auf einen Menüplan mit kaum tierischen Produkten hinaus.

    Die Umfrage wurde am 12. und 13. August online bei 13'154 Personen durchgeführt. Der statistische Fehlerbereich lag bei rund 1,5 Prozentpunkten.

    Landwirtschaft
    Die Ernährungsinitiative verlangt, die Lebensmittelproduktion vermehrt auf pflanzliche Kost auszurichten. - keystone

    Etwas weniger entschlossen zeigten sich die Befragten im zweiten Stimmungsbarometer von Yougov Schweiz, das bereits am Dienstag veröffentlicht wurde. Für die Umfrage befragte das Forschungsinstitut zwischen dem 3. und 17. August 3080 Personen.

    Demnach lehnten 50 Prozent der Befragten die Neutralitätsinitiative ab. Während der Ja-Anteil bei 41 Prozent lag und neun Prozent noch unentschlossen waren. Die Vorlage fand einzig im Kanton Tessin eine klare Mehrheit. Seit einer ersten Erhebung im Juli ist die Ablehnung um rund zwölf Prozent gewachsen.

    Bei der Ernährungsinitiative betrug das Verhältnis laut der Umfrage 52 Prozent Nein- zu 37 Prozent Ja-Stimmen. Elf Prozent der Befragten waren noch unentschlossen. Verglichen mit dem Vormonat nahm die Ablehnung um neun Prozentpunkte zu.

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    Kommentare

    User #1646 (nicht angemeldet)

    Tiefe Politwunde, wenn man gegen 90 geht und immer noch gegen den Bundesrat kämpft.

    User #1646 (nicht angemeldet)

    Die Strategie der SVP ist, die Beziehungen zur EU zu verschlechtern, im Hinblick auf den Widerstand gegen die Bilateralen III. Die Initiative ist das zweite Schlachtrösslein dazu, nach 10 Mio.

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