Trinkgeld wird steuerfrei: «Das ist Sozialabbau»
Das Parlament will keine Steuern auf Trinkgeld – auch keine Sozialabzüge. Das sei Sozialabbau, klagt die SP.
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Das Wichtigste in Kürze
- Das Parlament will steuerfreies Trinkgeld und damit mehr Geld in der Tasche der Angestellten.
- Das freut die Gastro-Branche, schliesslich seien Trinkgelder ein Geschenk der Gäste.
- Langfristig weiche die Freude aber den Sorgen um eine kleinere AHV-Rente, mahnt die SP.
Trinkgelder müssen nicht versteuert werden, hat das Parlament entschieden. Auch dann nicht, wenn sie etwa per Kreditkarte oder Twint bezahlt werden und leicht in der Buchhaltung zu erfassen wären.
SP-Gysi: «Klarer Sozialabbau»
Das freut die Gastrobranche und ärgert die Gewerkschaften. Hat denn das Parlament nicht etwa sein Herz für Tieflohn-Jobs entdeckt? Nein, sagt SP-Nationalrätin Barbara Gysi: «Das ist klarer Sozialabbau.»
Die Steuern seien das eine, aber so unterstehen Trinkgelder auch nicht der Sozialversicherungspflicht. Womit, so Gysi, auch Altersrenten, Krankentaggeld und schlimmstenfalls eine IV-Rente tiefer ausfallen.
Trinkgeld als freiwilliges Geschenk
Froh um den Entscheid ist dagegen SVP-Ständerätin Esther Friedli. Sie ist selbst Gastronomin und im Vorstand von GastroSuisse. Froh sei man, weil nun Rechtssicherheit bestehe: «Trinkgeld ist eine freiwillige Geste, ein freiwilliges Geschenk der Gäste, die überdurchschnittlich zufrieden sind mit der Dienstleistung.»
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Dass Angestellte, vor allem jüngere, lieber nichts versteuern und weniger den Blick für die soziale Absicherung haben, kann SP-Gysi nachvollziehen. «Aber man muss sehen: Es sind wenige Abzüge, die aber am Schluss sehr viel helfen, indem sie eben eine höhere AHV-Rente ergeben.» Im Service oder einem Coiffeur-Betrieb seien die Löhne nicht so hoch, dass sie für eine volle AHV-Rente reichen würden.
Die Löhne seien im Gastgewerbe aber im Gesamtarbeitsvertrag geregelt, wendet SVP-Friedli ein: Mit vielen Parametern, einem Dreizehnten und Löhnen, die sich entwickelten, mit Anreizen für Weiterbildung. «Wenn man nun das Trinkgeld besteuern wollte, nimmt man den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern etwas weg. Es ist ein Geschenk, das sie erhalten.»
Also kein Lohnbestandteil – eine schwierige Argumentation, findet SP-Nationalrätin Barbara Gysi. «Was sind denn die Boni bei den Bankern, ist das ein Lohnanteil oder nicht? Wenn so argumentiert wird, haben wir ganz andere Probleme.»
Sicher sei es eine Wertschätzung, ein gutes Trinkgeld zu geben. «Aber dort, wo die Löhne sehr tief sind, soll das eben auch zu einem gewissen Teil sozialversichert werden.»
Trinkgeld statt höhere Löhne?
Wäre die Diskussion anders, wenn Trinkgeld auch in anderen Berufen Sitte wäre? Schliesslich kann man auch mit Lehrerinnen, Kaminfegern oder medizinischem Personal mehr oder minder zufrieden sein.
Gut möglich. Das «System Trinkgeld» wird jedenfalls von den beiden Parlamentarierinnen auch ganz unterschiedlich angesehen. SP-Nationalrätin Gysi bedauert es etwas, dass sich das Trinkgeld im Service so eingebürgert hat.

Sie wäre dafür, dass möglichst viel via Lohn bezahlt würde. «Dass wir nicht ein System haben mit tiefen Löhnen und viel Trinkgeld erwarten.» Grundsätzlich erwarte sie überall eine gute und freundliche Arbeit und sei auch bereit, den Preis dafür zu zahlen.
Anders SP-Ständerätin Friedli: «Es ist wirklich ein Ausdruck der Zufriedenheit. Es soll Ansporn sein für die Mitarbeiterin, den Mitarbeiter, freundlich zu sein, eine extra Meile zu gehen.» Das werde dann auch honoriert.








