«Prämiendebatte führt am Kern des Problems vorbei»

Keystone-SDA
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Bern,

Quote: Thomas Harnischberg, CEO der Krankenkasse KPT, forderte am HZ Health Summit mehr Ehrlichkeit in der Prämiendebatte. Er sagte: «Die jährliche Prämiendebatte führt am Kern des Problems vorbei. Die Prämie ist sichtbar, aber sie ist nicht der Ursprung der Kosten. Wir Krankenkassen bringen wie ein Kellner die Rechnung – gekocht wird anderswo im Gesundheitswesen. Manchmal auch Gerichte, die niemand bestellt hat.»

Thomas Harnischberg, CEO KPT
Thomas Harnischberg, CEO KPT - Keystone/KPT

Weiter führte Thomas Harnischberg aus: «Wer das ganze Jahr über neue Leistungen fordert und neue Erwartungen formuliert, darf sich im Herbst nicht über steigende Kosten und Prämien wundern. Die Grundversicherung wird immer mehr zu einem «all-you-can-eat»-Buffet – die Speisekarte wird laufend erweitert, auf Kosten der Allgemeinheit. Wir wollen maximale Qualität, maximale Nähe, maximale Freiheit und minimale Prämien. Das ist politisch bequem, aber sachlich unehrlich. Wenn wir ein starkes Gesundheitswesen erhalten wollen, müssen wir stattdessen über Fehlanreize, Überkapazitäten, Daten, Digitalisierung und Verantwortung sprechen – nicht nur über den Kassenzettel.»

Thomas Harnischberg forderte: «Neben den Kosten sollten wir uns verstärkt mit der Qualität und Verfügbarkeit von medizinischen Leistungen auseinandersetzen. Was nützt es mir, wenn ich das Geld habe, aber kein Pflegepersonal oder kein Kinderarzt da ist? Ein reifes Gesundheitssystem muss auch unbequeme Fragen stellen: Welche Versorgung wollen wir – und was darf sie kosten? Ich nehme alle in die Pflicht – die Kantone, die Ärzte und Spitäler, die Pharmaindustrie und auch uns Krankenkassen. Und natürlich alle Menschen, denn sie stehen im Zentrum – nicht nur als Prämien- und Steuerzahler, sondern als Patienten und Stimmbürger. Wir sitzen nicht alle im gleichen Boot, aber wir fahren auf der gleichen See. Ein zukunftsfähiges System braucht Verantwortung von allen Akteuren.»

Kontext: Thomas Harnischberg hat heute Donnerstag, 2. Juli 2026, am HZ Insurance Health Summit in Zürich am Panel «Gemeinsame Sicherung eines zukunftsfähigen Gesundheitssystems: Stimmen Ziele, Richtung und Geschwindigkeit?» teilgenommen. Der Summit bringt Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus Gesundheitswesen, Versicherungen, Medizin und Politik zusammen. Harnischberg rückte in seinem Beitrag den ständigen Kostenfokus ins Zentrum und plädierte für eine ehrlichere, mutige Diskussion über die Ursachen: Fehlanreize, Überkapazitäten, fehlende Datenflüsse, schleppende Digitalisierung und zu viel Bürokratie.

Kontakt: Thomas Harnischberg, CEO KPT / Beni Meier, Mediensprecher KPT, Telefon: 079 778 44 35, [email protected]

Kommentare

User #3810 (nicht angemeldet)

Da hat der gute Mann absolut recht. Das gesammte Gesundheitssystem muss überarbetet werden. Fangen wir doch einmal bei den über 100 unnötigen KKs an...

User #1646 (nicht angemeldet)

Assura sendet Dutzende Briefe über Kostenbeteiligung, auch wenn der Selbstbehalt und die Franchise längst abgehakt sind? 1 Rechnung pro Halbjahr würde genügen. Wahrscheinlich ist der Computer schuld am Leerlauf?

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