Die Schweizerische Offiziersgesellschaft möchte auch eine Dienstpflicht für Frauen sehen. Linke und Armeegegner fordern zuerst gleiche Rechte.
Frauen Schweizer Armee
Viola Amherd will mehr Frauen in der Armee. Auch die Schweizerische Offiziersgesellschaft hat sich jetzt dafür ausgesprochen. Der Widerstand ist aber schon angekündigt. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Gemäss Bundesverfassung muss jeder Schweizer Mann in die Armee oder Zivildienst leisten.
  • Das soll auf Frauen ausgeweitet werden, findet die Schweizerische Offiziersgesellschaft.
  • Die GSoA kündigt ihr Nein an, Mitte-Nationalrätin Marianne Binder sieht Chancen.

Bundesrätin Viola Amherd will den Frauenanteil in der Schweizer Armee auf zehn Prozent erhöhen. Bisher liegt er, wohl aufgrund der Freiwilligkeit, nicht einmal bei einem Prozent. Die Schweizerische Offiziersgesellschaft (SOG) will das ändern.

Amherd Offiziersgesellschaft
Bundesrätin und Verteidigungsministerin Viola Amherd hält an der Delegiertenversammlung der Schweizerischen Offiziersgesellschaft eine Rede, 16. März 2019. - Keystone

Sie schlägt eine allgemeine Dienstpflicht vor. Das würde bedeuten, dass auch Schweizer Frauen entweder in die Armee, in den Zivilschutz oder in den Zivildienst müssen. Gemäss SOG ist das die einzige Lösung, um den Personalnotstand zu lindern. Und auch, um Amherds Ziel zu erreichen. Weil eine solche Ausweitung der Dienstpflicht eine Verfassungsänderung voraussetzt, käme es zu einer Volksabstimmung.

GSoA wird sich wehren

Der Widerstand kommt – wohlgemerkt nicht überraschend – von links, insbesondere von der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA). Saskia Rebsamen, Sekretärin der Gruppe, erklärt auf Anfrage: «Die GSoA wird sich gegen eine Wehrpflicht für Frauen sowie gegen einen Bürger*innendienst für alle wehren.»

GSoA Wehrpflicht
Schon 2013 versuchte die GSoA, die Wehrpflicht abzuschaffen, scheiterte jedoch. - Keystone

Also nicht nur der Militärdienst, sondern auch der Zivildienst und Zivilschutz «für alle» wird abgelehnt. Und das, obwohl diese beiden Bereiche «dem Schutz vor realen Bedrohungen» Rechnung trügen, wie Rebsamen sagt. Schon heute arbeiteten hauptsächlich Frauen in der Pflege und der Betreuung, «oft schlecht oder gar nicht bezahlt».

Solange diese Arbeit nicht besser anerkennt werde, wolle die GSoA auch nicht eine Dienstpflicht unterstützen. Schon gar nicht, fügt Rebsamen hinzu, solange auf Verfassungsstufe die Rechtsgleichheit von Frau und Mann nicht gewährleistet sei. Ganz nach dem Prinzip «gleiche Rechte gleiche Pflichten».

Chancen für Frauen im Militär

Das sieht Marianne Binder, Mitte-Nationalrätin aus dem Kanton Aargau, ein wenig anders. Zwar müssten die Details einer ausgeweiteten Dienstpflicht noch ausdiskutiert werden: Was ist beispielsweise, wenn beide Eltern gleichzeitig Dienst leisten müssen?», fragt Binder. Dennoch stehe sie der Idee «grundsätzlich positiv gegenüber».

Würden Sie eine Dienstpflicht für alle Bürgerinnen und Bürger befürworten?

Der Militärdienst insbesondere könne Frauen Chancen bieten, ist sich die Mitte-Politikerin sicher: «Das müsste besser kommunizieren werden.» Im Wehrdienst eigne man sich Führungskompetenzen an, könne sich über die Berufsgruppe hinaus vernetzen. Das sei doch nicht nur für Männer von Vorteil.

SOG Binder Kampfjets
Marianne Binder (Mitte/AG) am Abstimmungssonntag des 27. September 2020, als die Schweiz die Kampfjet-Vorlage befürwortete. Ganz links neben ihr steht Stefan Holenstein, Präsident der Schweizerischen Offiziersgesellschaft. - Keystone

Zur Kritik von links sagt Binder: «Gleiche Rechte und gleiche Pflichten gehen grundsätzlich einher.» Zudem könne man auch mal entgegenhalten: «Und überhaupt: Überall sollen Quoten her, aber Militär- und Zivildienst sollen dann bitteschön Männerdomäne bleiben!»

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