Lohnungleichheit: Ruedi Noser vermisst eine sachliche Diskussion

    Christoph Krummenacher
    Christoph Krummenacher

    Zürich,

    Der Bund verteidigt seine Methode zur Erhebung der Lohnungleichheit als geeignet. Das sehen nicht alle so. FDP-Ständerat Ruedi Noser ist unzufrieden.

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    Männer und Frauen verdienen in der Schweiz nicht gleich viel. Das hat verschiedene, zum Teil erklärbare, Gründe. - Keystone/Pixabay

    Das Wichtigste in Kürze

    • Der Lohnunterschied zwischen Mann und Frau beträgt gut 18 Prozent, teils unerklärbar.
    • Wie gross der unerklärte Anteil ist, hängt von den gemessenen Faktoren und der Methode ab.
    • Ruedi Noser glaubt, dass sich derzeit niemand für eine sachliche Diskussion interessiert.

    Ob Frauen bezüglich Lohn diskriminiert werden, scheint weniger klar als gemeinhin angenommen. Die Kritik lautet kurz zusammengefasst: Die vom Bund gemachte Lohnanalyse berücksichtigt zu wenige Faktoren.

    Würden etwa tatsächliche Berufserfahrung, Weiterbildungen oder Anzahl Jobwechsel berücksichtigt, könne mehr als die gut siebeneinhalb Prozent unerklärter Lohndifferenz begründet werden.

    Das sieht auch Ruedi Noser so. Der FDP-Ständerat stellte bereits 2014 einen Antrag beim Bundesrat: Die Erhebungsmethode bei der Lohnanalyse müsse überprüft werden.

    Welche Faktoren braucht es für die Analyse der Lohnungleichheit?

    Nach externer Analyse kam der Bundesrat jedoch zum Schluss: «Die vom Bund angewandten statistischen Modelle sind aus wissenschaftlicher Sicht anerkannt und geeignet, um Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern zu messen.»

    Damit war die Kritik vom Tisch. Auch Ruedi Noser akzeptierte die Beurteilung. Dennoch: angesprochen auf das Thema Lohnanalyse sagt der Unternehmer zu Nau: «Ich bin mit der Diskussion sehr unzufrieden.»

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    FDP-Ständerat Ruedi Noser forderte 2014 eine Überprüfung der Methode zur Messung der Lohnungleichheit. - Keystone

    Das Bundesamt für Statistik BFS entgegnet, dass die von Noser vorgeschlagenen zusätzlichen Variablen auf ihre Realisierbarkeit geprüft worden seien. Resultat: «Die verwendeten Faktoren zur Erklärung von Lohnunterschieden entsprechen dem Stand der Wissenschaft und sollten beibehalten werden.»

    Branchenanalysen können ungleiche Löhne besser erklären

    Die von Noser vorgeschlagenen Faktoren Weiterbildungen, Sprachkenntnisse und Führungserfahrung empfiehlt der Bericht zwar nicht, da sie wenig zusätzliche Erklärungen liefern würden.

    Allerdings: «Für die Faktoren effektive Berufserfahrung und Arbeitszeitmodelle sowie physische/psychische Belastungen soll geprüft werden, ob die notwendigen Informationen sinnvoll erhoben werden könnten.»

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    Väter arbeiten weiterhin grösstenteils Vollzeit. Mehr als jede zweite Mutter arbeitete 1992 nicht, solange das Kind unter sechs Jahre alt war. 20 Jahre später liegt der Anteil der nichterwerbstätigen Mütter unter 30 Prozent. - BFS

    Branchenspezifische Lohnvergleiche können lediglich zwei Prozent – statt wie der Bund 7,7 Prozent – der Lohndifferenzen nicht erklären. Dies, weil sie zusätzliche Faktoren seit Jahren miterheben.

    Zum Beispiel die tatsächliche Erwerbserfahrung. Branchenanalysen berücksichtigen Unterbrüche oder Teilzeitarbeit in der jeweiligen Berufskarriere einer Person. Der Bund erhebt hingegen nur die «potenzielle Erwerbserfahrung»: Das Lebensalter minus 15 Jahre.

    Ruedi Noser: Politischer Wille fehlt

    Arbeitgeberverband-Sprecher Fredy Greuter und Ruedi Noser sind deshalb einig: «Von einer systematischen Lohndiskriminierung kann in einer ernsthaften Diskussion keine Rede sein.» Die siebeneinhalb Prozent unerklärte Lohndifferenz seien eindeutig zu hoch.

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    Fredy Greuter, Kommunikation und Geschäftsleitung Schweizerischer Arbeitgeberverband. - zvg

    Noser vermutet, dass derzeit kein Interesse daran bestehe, sich mit dem Thema Lohn sachlich auseinanderzusetzen. «Offenbar ist der politische Wille nicht vorhanden, den Tatsachen in die Augen zu sehen.»

    Die Statistiker des Bundes weichen aus und wiederholen: «Das BFS veröffentlicht die Ergebnisse einer Analyse, die sich auf eine anerkannte Methode stützt», heisst es auf Anfrage.

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