Funiciello: Bund soll Frauen & Kinder vor Kamerabrillen schützen
Tamara Funiciello (SP) sieht Handlungsbedarf bei den neuen Technologien. Es gebe eine ganze Reihe von problematischen Anwendungen solcher Smart Glasses.
00:00 / 00:00
Das Wichtigste in Kürze
- Kamerabrillen sind kaum als solche erkennbar, können aber jederzeit mitfilmen.
- Das sei insbesondere für Frauen, Kinder oder Gewaltopfer problematisch, sagt SP-Nationalrätin Tamara Funiciello.
- Es gebe Handlungsbedarf – doch Bundesrat und Parlament seien halt «ziemlich alt» und hinkten der Technik hinterher.
Kamerabrillen, die sogenannten «Smart Glasses», designt von bekannten Brillen-Herstellern, ausgestattet mit modernster Technik inklusive KI: Ihre Verwendung tangiere die Privatsphäre aller Bürgerinnen und Bürger, stellt die Berner SP-Nationalrätin Tamara Funiciello klar.
Sehr problematisch sei, dass man die Kamerabrillen nicht oder kaum als solche erkenne. «Man erkennt auch nicht, wenn man aufgezeichnet wird.»
In Echtzeit erkannt im Internet
Theoretisch kann alles sofort und live im Internet landen, inklusive Echtzeit-Gesichtserkennung. Auch wenn es nichts Geheimes ist: Es muss trotzdem nicht die halbe Welt wissen, mit wem und wann man unter Berns Lauben wandelt.

Erst recht problematisch werde es aber, wenn etwa Fotos oder Videos von Frauen und Kindern in einer Badi gemacht werden. «Hier besteht gesetzgeberischer Handlungsbedarf», ist für Funiciello klar.
In der Stadt Bern gibt es bereits entsprechende Bestrebungen. Nun will die SP-Nationalrätin vom Bundesrat in einem Vorstoss wissen, was gilt – und wo es noch Gesetzeslücken gibt.
Neue Technik, alte Politik
In ihren insgesamt acht Fragen scheint etwas der Unterton mitzuschwingen: Dem Bundesrat ist zu wenig bewusst, wie weit die Technologie schon ist und was dies für Probleme mit sich bringt. Das streitet Funiciello auch gar nicht ab.
Gerade bei den Kamerabrillen zeige sich sehr klar: Es kommen regelmässig neue Technologien auf den Markt und man sei immer einen Schritt hintendrein.

Dabei brauche es nicht sehr viel Fantasie, um zu merken, wofür man diese Brille auch noch benutzen könnte.
«Nichtsdestotrotz hat man keine Reglementierung, hat keine Vorsichtsmassnahmen getroffen», bedauert Funiciello.
Ende der Anonymität von Opfern
Man müsse sich bewusst sein, dass mit diesen Brillen auch Gesichtserkennung bei Gewaltopfern möglich sei.
«Hier verlässt man sich im Moment darauf, dass die Hersteller versprochen haben, dies in der Schweiz nicht zu tun», hält die SP-Nationalrätin fest. Doch Versprechen könne man brechen – und zu hinterfragen wäre auch, wie man solches überhaupt kontrollieren könne.
Denn bei Gewaltbetroffenen, die etwa in Frauenhäusern abgetaucht sind, werde es besonders problematisch.
«Wenn man diese mit solchen Brillen identifizieren kann, ohne dass sie es bemerken, in die sozialen Medien stellt, je nachdem taggt.» Das könne zu «schwierigen Situationen» führen, formuliert es Tamara Funiciello.








