Die Juso Vorlage «99-Prozent-Initiative» scheint keine Mehrheit zu finden. Dafür ist gemäss einer Umfrage ein Grossteil für die «Ehe für alle».
99-Prozent-Initiative Mattea Meyer
Mattea Meyer bei der Einreichung der 99-Prozent-Initiative im Jahr 2019. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Gemäss einer Umfrage würden 64 Prozent für die «Ehe für alle» abstimmen.
  • Die Wähler aller Parteien, ausser der SVP, sind für die Vorlage.
  • Die 99%-Initiative der Juso würde aktuell abgelehnt werden.

Sechs Wochen vor den nächsten Abstimmungen deutet die Umfrage von 20 Minuten und Tamedia auf ein Ja zur «Ehe für alle» hin. Der «99-Prozent-Initiative» der Juso droht aber ein Nein. Abgestimmt wird am 26. September.

Wäre Anfang dieser Woche abgestimmt worden, so hätten sich 64 Prozent der Befragten für die «Ehe für alle» ausgesprochen. Gegen die Vorlage waren 35 Prozent. Das Anliegen findet unter den Wählerinnen und Wählern aller Parteien Unterstützung – mit Ausnahme der SVP. Frauen sind deutlicher dafür als Männer und Jüngere eher als Ältere. Mit der Änderung des Zivilgesetzbuches soll gleichgeschlechtlichen Paaren die Ehe ermöglicht werden.

ehe für alle
Eine gestellte, gleichgeschlechtliche Trauung zwischen zwei Frauen vor dem Stadthaus in Zürich anlässlich des Starts der Ja-Kampagne von Operation Libero zur eidgenössischen Abstimmung «Ehe für alle». - sda - KEYSTONE/ALEXANDRA WEY

Auf beiden Seiten gibt es je zwei Hauptargumente, wie aus der Umfrage hervorgeht, die am Freitag publiziert wurde. Die Hälfte der Befürworterseite ist der Ansicht, Homo- und Bisexualität seien längst Normalität. Rund ein Drittel findet, der Staat dürfe nicht eine Lebensform einer anderen vorziehen.

In der Gegnerschaft herrscht zum einen die Haltung vor, für homosexuelle Paare bestehe bereits die Möglichkeit der eingetragenen Partnerschaft. Zum anderen wird die Ehe ausschliesslich als Verbindung von Mann und Frau gesehen.

Juso erreicht mit 99%-Initiative nur eigenes Lager

Die 99-Prozent-Initiative der Juso hingegen stösst auf wenig Akzeptanz. Frühere Initiativen waren jeweils mit viel Zuspruch gestartet und haben erst im Laufe der Zeit an Unterstützung verloren. 49 Prozent der Befragten lehnten die Initiative ab, 45 Prozent stimmten ihr zu, sechs Prozent waren noch unschlüssig. Die Vorlage geniesst nur im eigenen Lager – in der SP und bei den Grünen – Sympathie.

Juso 99%-Initiative
Schachteln mit Unterschriften bei der Einreichung der 99%-Initiative in Bern (Archivbild, 2019). - Keystone

Als wichtigstes Argument führen die Gegner an, eine stärkere Besteuerung der Kapitaleinkommen schade der Standortattraktivität der Schweiz. Und damit letztlich der ganzen Volkswirtschaft. Die Befürworter wiederum argumentieren damit, dass die Vermögensschere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgehe. Die 99-Prozent-Initiative sorge für mehr Verteilungsgerechtigkeit.

Die Resultate der Umfrage von 20 Minuten und Tamedia stützen sich auf die Onlineantworten von 17'784 Personen vom 9. und 10. August. Die Daten wurden von den Politologen der Leewas GmbH nach demografischen, geografischen und politischen Variablen modelliert.

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