Campino

Tote-Hosen-Campino: «Ich kann gar nicht in Rente gehen»

Cheri Reinhardt
Cheri Reinhardt

Zürich,

Die Toten Hosen veröffentlichen ihr letztes Studioalbum. Bei Nau.ch spricht Campino über Rente, eine irre Nacht in Winterthur und stinkende Band-Wetten.

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Campino über das verrückte Konzert in Winterthur ZH - Nau.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Toten Hosen veröffentlichen am 29. Mai ihr letztes Studioalbum.
  • Campino sagt: «Ich kann gar nicht in Rente gehen.»
  • Früher machte die Band Wettbewerbe, wer am meisten stinkt.
  • In Winterthur stieg Campino einst in eine Pfarrerswohnung ein.

Die Toten Hosen ziehen die Reissleine. 44 Jahre nach ihrer Gründung erscheint am 29. Mai ihr letztes Studioalbum «Trinkt aus, wir müssen gehen!».

Auflösen will sich die Band nicht. Aber sie zieht sich Schritt für Schritt zurück.

Ganz vorbei ist es also noch nicht. In diesem und im nächsten Sommer stehen auch nochmals Konzerte in der Schweiz an.

Und zwar am 20. Juni 2026 im Zürcher Letzigrund, am 19. Juni 2027 auch in Bern.

Campino
Campino im Interview mit Nau.ch - Nau.ch

Aber Campino (63) und Pension? Das passt ungefähr so gut zusammen wie Punkrock und Bürostuhl.

Ruhe kriegt er sowieso nicht. Denn heute kommt raus: Der 63-Jährige ist noch einmal Papi geworden! Dies verrät der Frontmann in einer neuen Doku. Es ist das zweite Kind für Campino, 2004 kam sein Sohn zur Welt.

Im Interview mit Nau.ch winkt der Frontmann ebenfalls ab: «Pension insofern nicht, als dass ich nie wirklich eine ordentliche Arbeit hatte», sagt er. In Rente gehen könne er deshalb auch nicht richtig. «Da gibt es auch keine Rente, die mir ausgezahlt wird.»

Campino will CDs sortieren

Langweilig werde es ihm ohne Studioalben aber nicht. Der Buchverlag warte darauf, dass er «nochmal in die Tasten haue». Auch Reisen mit Kollegen könne er sich vorstellen.

Und dann gibt es noch ein sehr irdisches Projekt: die CD-Sammlung.

Die Toten Hosen
Die «Die Toten Hosen» wie sie sich heute präsentieren. - Donata Wenders

«Ich bin mehrfach umgezogen in den letzten Jahren und habe alle Platten in Kisten», sagt Campino. «Es ist ein grosses Durcheinander und ich finde auch nichts mehr wieder.» Darum müsse das unbedingt mal alphabetisch sortiert werden.

Auch Punkrock wird irgendwann praktisch.

Ganz so ordentlich war es früher allerdings nicht immer. Vor allem nicht in der Schweiz.

In Winterthur krachte es richtig

Eine Schweizer Konzertgeschichte ist Campino bis heute besonders geblieben. Sie spielte sich 1992 bei einem Open-Air in der Winterthurer Altstadt ab.

Campino kletterte auf einen Lautsprecher-Turm und sprang von da auf ein Fenstersims vom zweiten oder dritten Stock eines nahen Gebäudes. Dort merkte er: Festhalten geht nicht. Zurück auch nicht.

Campino
Ein Moment für die Ewigkeit: Campino stieg an den Musikfestwochen Winterthur in die Pfarrerswohnung ein. Danach warf er Bücher aus dem Fenster. - Facebook/musikfestwochen

«Ich hatte kurz die Wahl: Ich stürze ab oder suche den Weg nach vorne», sagt er.

Also trat er eine Fensterscheibe ein. Dabei riss er sich eine Vene auf. «Das hat stark geblutet.» Trotzdem stieg Campino in die fremde Wohnung ein.

Unten johlte das Publikum, die Band spielte weiter. Campino stand im Zimmer und fragte sich: «Was machst du jetzt hier?»

Einfach wieder rauszugehen, sei ihm blöd vorgekommen. Also warf er ein paar Bücher und Gegenstände aus dem Fenster, sprang zurück auf die Lautsprecher und kehrte auf die Bühne zurück.

Warst du schon mal an einem Konzert der Toten Hosen?

Später stellte sich heraus: Die Wohnung gehörte dem örtlichen Pfarrer. Campino entschuldigte sich und spendete als Wiedergutmachung «100 Gesangsbücher für die Kirche».

So einen Stunt würde Campino heute nicht mehr machen. «Ich denke, ich bin aus dem Alter raus», sagt er. Es gehe aber nicht nur ums Alter.

Nach dem Tod eines Mädchens bei einem Konzert der Toten Hosen habe sich der Blick der Band verändert. Früher sei vieles «Achterbahn» gewesen, heute sehe man die Verantwortung gegenüber dem Publikum viel bewusster.

«Das hat gestunken»

Nicht nur Winterthur war wild. Auch die frühen Hosen waren es.

Campino redet darüber nicht verklärt, eher mit diesem trockenen Blick auf den eigenen Irrsinn. Manche Dinge von damals brauche er heute nicht mehr.

Zum Beispiel Plastikklamotten. Und den Spass daran, «dass ich stinke».

Früher wurde das bei den Toten Hosen sogar zum Wettbewerb. «Wir haben Preise ausgerufen für die, die am längsten ihre Hemden und Hosen anbehalten haben, ohne sie zu waschen.»

Das ging nicht nur einen Abend. Sondern über eine ganze Tournee.

Campinos Bilanz: «Das hat gestunken.»

Heute nennt er das «juvenile Blödsinnigkeiten». Damals sei es lustig gewesen. Jetzt müsse er weder auf jede Party noch zu den Letzten gehören, die heimgehen.

Auch neue Sauf-Lieder könne er nicht mehr schreiben. Die alten spiele er noch, aber als Zitat von früher. «Wohlwollend», sagt Campino.

Das Feuer brennt noch

Ruhig geworden ist Campino trotzdem nicht.

Die Energie sei noch da. Nur müsse sie heute zu ihm passen. Er singe keine Songs, mit denen er sich inhaltlich fremd fühle.

Themen gebe es genug: gesellschaftliche Risse, fehlendes Zuhören, Streitkultur. Campino fragt sich, warum Menschen nicht mehr öfter sagen können: Wir sind nicht gleicher Meinung, aber wir können trotzdem einen guten Abend verbringen.

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Campino über den Todesfall am Konzert und wie sie nun mehr aufs Publikum achten. - Nau.ch

«Das Feuer brennt in mir noch», sagt er. Die Toten Hosen seien auch heute «durch und durch Tote Hosen».

Nur eines will Campino nicht mehr: in anderer Leute Wohnungen einbrechen.

«Ich denke, ich bin aus dem Alter raus.»

Neues Album, Bonusalbum und letzte Party

Zum letzten regulären Album erscheint auch ein Bonusalbum «Alles muss raus!» mit 25 Liedern, die die Toten Hosen lieben.

Darauf singt die Band unter anderem mit Vicky Leandros und Wolfgang Niedecken der Band BAP. Für Campino ist diese Platte fast noch näher am Kern der Band. «Da sind wir nicht die Musiker, sondern die Fans von Musik und Kolleginnen und Kollegen.»

Die Toten Hosen beschreiben das Bonusalbum als Verneigung vor Freunden, Vorbildern und Menschen, deren Werk sie verehren. Campino nennt es einen «Abenteuerspielplatz».

Kommentare

User #3736 (nicht angemeldet)

Die Punks von früher, die Spiesser von heute.

User #6485 (nicht angemeldet)

Campino ist ein Zeltli. Darum geht er gerne auf der Alp zelten ⛺️

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