Die Regisseurin Julia Ducournau gewinnt als zweite Frau eine Goldene Palme für den besten Film. Diese erhielt die Regisseurin für ihr Werk «Titane».
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Agathe Rousselle, Julia Ducournau und Vincent Lindon kommen zur Preisverleihung. Foto: Vianney Le Caer/Invision/AP/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Für den Film «Titane» gewann Julia Ducournau die Goldene Palme.
  • Im Interview verrät sie mehr Details zum Film und seiner Entstehung.

Mit ihrem Triumph beim Filmfest Cannes schrieb die Französin Julia Ducournau Festivalgeschichte: Sie war die erst zweite Frau, die die Goldene Palme für den besten Film gewann. Dabei war sie zudem die erste Frau, die den begehrten Hauptpreis alleine bekam.

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Nach Jane Campion («Das Piano») ist Julia Ducournau erst die zweite Frau, die eine Goldene Palme gewinnt. Foto: Sebastien Nogier/EPA/dpa - dpa-infocom GmbH

Darum geht es in «Titane»

«Titane» ist einer der ungewöhnlichsten Filme der vergangenen Jahre. Vieles von dem, was hier auf der Leinwand passiert, hat man so noch nie gesehen.

Alexia ist eine junge, selbstbewusste Frau, die sich nichts vorschreiben lässt. Sie ist aber auch eine Serienkillerin. Denn sie schaltet alle Menschen aus, die ihr in irgendeiner Weise im Weg stehen. Und sie hat Sex mit einem Cadillac und wird schwanger.

Doch das ist noch nicht alles: Auf der Flucht vor der Polizei gibt sich Alexia als vor Jahren verschwundener Sohn Adrien des Feuerwehrkommandanten Vincent aus.

Interview mit der Regisseurin

Mit dieser wilden Mischung ist «Titane» durchaus eine Herausforderung und Provokation – im besten Sinn. Wer aber ist diese Regisseurin? Und was treibt sie an? Das wollen wir im Interview mit ihr herausfinden.

Frage: In einer der ersten Szenen Ihres Films hat Alexia Sex mit einem Auto und wird schwanger. Wie sind Sie bloss auf diese Idee gekommen? Kam Ihnen dabei auch der Film «Crash» von David Cronenberg in den Sinn?

Antwort: Cronenbergs Arbeit hat mich sehr beeinflusst, weil ich sie in einem Alter entdeckte, als ich aufwuchs. Ich war ein Teenager und das war tatsächlich eine meiner ersten freien Entscheidungen als Zuschauerin.

Ich wollte seine Arbeit entdecken. Es hat mich intellektuell und künstlerisch erwachsen werden lassen. Aber das bedeutet nicht, dass alles, was ich tue, eine Hommage an ihn ist.

«Titane» steckt voller Überraschungen

Frage: Auch sonst hat mich «Titane» immer wieder überrascht: Eine Serienmörderin, die sich auf der Flucht vor der Polizei als junger Mann ausgibt. So eine Geschichte gab es wahrscheinlich noch nie. Was war Ihre Initialzündung für den Film?

Antwort: Mein erster Input war, dass ich über Liebe sprechen wollte. Das war eine grosse Herausforderung für mich, denn ich möchte dieses Gefühl nicht in Worte fassen. Deshalb gibt es in meinen Filmen auch so wenige Worte. Deshalb konzentriere ich mich auch sehr auf die Körper meiner Charaktere und meine Schauspieler.

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Alexia (Agathe Rousselle) geht in «Titane» über Leichen. Foto: Carole Bethuel/Koch Films/dpa - dpa-infocom GmbH

Die zweite Sache ist, dass ich jahrelang diesen wiederkehrenden Alptraum hatte, dass ich Teile eines Automotors zur Welt bringe. Dieser Alptraum hat mich traumatisiert. Aber dieses verrückte Bild war gleichzeitig auch sehr interessant. Die Koexistenz von etwas Lebendigem, dem Akt der Geburt, und dem Material Metall.

Es gab auch eine Art Wut meinerseits, die ich in Alexas Charakter gesteckt habe. Die Erfahrung des öffentlichen Raums ist für Männer und Frauen so unterschiedlich. Frauen haben Strategien, um sich zu schützen. Diese Vorstellung ekelt mich an und macht mich wütend und ich denke, dass ein Teil dieser Wut in Alexa steckt.

Alleinige Gewinnerin der goldenen Palme

Frage: Jane Campion gewann beim Filmfest Cannes 1993 eine der beiden Goldenen Palmen des Festivaljahrgangs. Sie aber haben nun als erste Frau in der Geschichte des Filmfestivals die Goldene Palme alleine gewonnen. Was geht in Ihnen vor, wenn Sie so einen Superlativ über sich selbst hören?

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Julia Ducournau (l.) erhält die Goldene Palme von Sharon Stone. - AFP

Antwort: Es ist immer noch schwer, es in Worte zu fassen, das muss ich zugeben. In dem Moment, als ich auf der Bühne stand, hatte das Gefühl, dass es über mich und meinen Film hinausging.

Ich hatte das Gefühl, Teil einer Bewegung zu sein, die vorwärts geht. Ich dachte viel an Jane Campion, weil sie die erste war. Und auf der Bühne fragte ich mich, was sie wohl in diesem Moment gefühlt hatte.

Julia Ducournau, 37, ist eine in Paris geborene Regisseurin und Drehbuchautorin. Die Französin drehte 2016 ihren ersten langen Film: das Horrorwerk «Raw». Im vergangenen Juli stellte sie dann beim Internationalen Filmfestival Cannes «Titane» im Wettbewerb vor – und gewann damit die Goldene Palme.

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