Tatort: Murot und das Murmeltier

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    Deutschland,

    Einen Filmkunstpreis gab es für den Hessen-«Tatort» mit Ulrich Tukur bereits. Nun kommt «Murot und das Murmeltier» ins Fernsehen. Ein Kommissar verzweifelt in der Endlosschleife. Damit er raus kommt, müssen endlich alle überleben.

    Ulrich Tukur arbeitet als LKA-Ermittler Felix Murot beim «Tatort». Foto: Bettina Müller/HR
    Ulrich Tukur arbeitet als LKA-Ermittler Felix Murot beim «Tatort». Foto: Bettina Müller/HR - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • Trotz Kaffeefleck auf der Hose ist der LKA-Ermittler Felix Murot (Ulrich Tukur) zunächst geradezu lässig souverän.

    Gerade erst aus einem Alptraum erwacht, muss er zu einem Banküberfall mit Geiselnahme.

    Noch von unterwegs weist er seine Assistentin an, einen Fluchtwagen zu besorgen. «Geiselnehmer - kennst du einen, kennst du sie alle», doziert er vor den Kollegen von Schutzpolizei und SEK. «Der will ein schnelles Auto, eine Menge Geld in kleinen Scheinen. Alles andere würde mich sehr überraschen.»

    Mit derselben Lässigkeit überredet Murot erst eine mit einer Armbrust bewaffnete Frau, dann den seltsam lethargischen Haupttäter zum Aufgeben. So weit, so gut. In der 14. Filmminute liegt er trotzdem tot vor der Bank, mit einer Kugel im Kopf. Da ein «Tatort» in der Regel 90 Minuten dauert, ist dies natürlich nicht das Ende, sondern der Anfang einer Endlosschleife, die das Leben des zunehmend verzweifelten Murot bestimmt. Stellt sich die Frage: Kommt er da je raus?

    Wer bei dem neuen Fall, den das Erste am Sonntag (17. Februar, 20.15 Uhr) zeigt, an Bill Murray in dem Film «Und täglich grüsst das Murmeltier» denkt, liegt nicht falsch. Schon mit dem Titel «Murot und das Murmeltier» erinnert der Hesssiche Rundfunk in an den Hollywood-Streifen aus dem Jahr 1993. Anders als der menschenfeindliche Wettermoderator der romantischen Komödie entwickelt sich für Murot allerdings keine Liebesgeschichte, sondern die Suche nach dem Ausweg aus dem Endlos-Loop.

    «Da draussen ist jeder Tag wie der andere», nuschelt der Bankräuber, dem Murot nun wieder und immer wieder gegenüber zu stehen hat. Wenn Murot den Kollegen von seinen Déja-vu-Erlebnissen berichtet, erntet er dagegen nur verständnislose Blicke.

    «Murot und das Murmeltier» lebt von der Präsenz Tukurs, dessen Murot in einem Dauer-Alptraum gefangen ist und der in zunehmender Verzweiflung auch schon mal im Schlafanzug auf den Geiselnehmer trifft oder in Rambo-Manier einem SEK-Polizisten die Maschinenpistole für ein fast Tarrantino-reifes Finale entreisst - nur um dann doch wieder aufzuwachen und zum Banküberfall gerufen zu werden.

    Auf dem 14. Festival des deutschen Films Ludwigshafen gab es für «Murot und das Murmeltier» im vergangenen Jahr bereits den Filmkunstpreis. In der Begründung der Jury hiess es, der Film zeige «in überzeugender und raffinierter Weise die Zeitschleife, in der das Überangebot der Krimi-Produktion des Fernsehens steckt.» Der von Tukur gespielte Murot mache Schluss mit der endlosen Mordmaschinerie des Genres: «Er kämpft für ein Ende ohne Tote, ein Tatort to end all Tatorts.»

    Dietrich Brüggemann führte dabei nicht nur Regie, sondern zeichnet auch für Drehbuch und Musik verantwortlich, die in dramatischem Crescendo die Gemütslage des gequälten Kommissars wiederspiegelt. Tukur darf dabei alle Variationen ausspielen, von verträumt bis tobend, verzweifelt bis hoffnungsvoll, entschlossen oder zaudernd.

    Fast schon philosophisch wird es bei Sätzen wie «Ich sterbe jeden Tag, und allein dadurch werde ich unsterblich.» Dass einer der vielen Showdowns ausgerechnet in einen Kreisel führt, ist da nciht verwunderlich. Doch um den Kreislauf zu durchbrechen, muss Murot nicht nur das eigene Leben retten. Ein typischer «Tatort» ist «Murot und das Murmeltier» sicher nicht. Sehenswert dank vieler ironischer Elemente und eines spielfreudigen Hauptdarstellers ist er allemal.

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