Depressive Störungen gehören zu den häufigsten Krankheiten. Trotzdem ist es ein Tabuthema Unter anderem Ronja von Rönne will dies mit ihrem Roman ändern.
Ronja von Rönne
Ronja von Rönne (Archivbild) - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Heute erscheint Ronja von Rönnes Roman «Ende in Sicht».
  • Die Autorin kämpfte selbst bereits mit Depressionen und will das Thema normalisieren.

Als sich Autorin Ronja von Rönne in eine psychiatrische Klinik einwies, machte sie das auf Instagram publik. Depressionen sollten nicht tabuisiert werden, sagt sie – und ist damit nicht allein.

Schon länger wächst das Bewusstsein für mentale Gesundheit gerade in den Sozialen Medien. Aber nicht nur dort. Auch eine ganze Reihe Bücher ist darüber in letzter Zeit erschienen. Nun hat auch Ronja von Rönne darüber geschrieben - ihr Roman «Ende in Sicht» erscheint diesen Mittwoch.

Der Roman ist nicht autobiografisch geprägt

Viele der jüngeren Veröffentlichungen über Depressionen oder Angststörungen sind autobiografisch geprägt und Sachbücher. Man denke etwa an die Influencer Cathy Hummels und Fabian Niessl. Oder an Kurt Krömer, der im März ein Buch darüber veröffentlicht. Ronja von Rönnes Roman ist aber fiktional.

«Ich hab' dieses Buch – auch wenn es um Depressionen geht – nicht wegen der Depression geschrieben, sondern trotzdem». Das erzählte die in Berlin lebende 29-Jährige vor kurzem in dem NDR-Talk «Deep und deutlich».

«Ende in Sicht» ist ein tragikomischer Roman, der von zwei Frauen erzählt, die beide ihrem Leben ein Ende setzen wollen. Die sich dabei zufällig über den Weg laufen und merken, dass in ihnen irgendwie doch noch ziemlich viel Leben steckt. (Das bedeutet aber nicht, dass alles in dieser Geschichte gut geht).

Ungleiches Duo

Die 69-jährige Hella war einst eine berühmte Schlagersängerin. Sie macht sich auf den Weg in die Schweiz, um dort Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen.

Auf der Autobahn fällt ein Mensch auf ihre Motorhaube. Die 15-jährige Juli, die sich von einer Brücke in den Tod stürzen wollte, ist aber jetzt nur leicht verletzt. Hella nimmt Juli mit, ein ungeplanter Roadtrip beginnt.

Ronja von Rönnes Buch ist kurzweilig, liest sich oft wie ein Drehbuch und könnte sich gut als Schullektüre eignen. Stilistisch ist die Lektüre vielleicht an der ein oder anderen Stelle etwas zu bemüht pfiffig. Der lakonische Erzählton tut dem schweren Thema auf jeden Fall gut.

Ronja von Rönne ist geschult darin, Dinge (als Autorin, Journalistin und Moderatorin) auf den Punkt zu bringen. So zum Beispiel auch in der «Zeit», für die sie regelmässig schreibt. Jüngst rief sie in der Wochenzeitung dazu auf, Depressionen nicht als künstlerische Voraussetzung zu romantisieren.

Ronja von Rönne thematisiert das Thema öffentlich

Immer wieder thematisiert Ronja von Rönne die Krankheit in der Öffentlichkeit. Schreibt etwa in der «Zeit» über ihre Empfindungen: «Ich liege im Bett, weil alles andere unmöglich ist, das Zimmer ist abgedunkelt. Kein Fernseher läuft, ich lese kein Buch. Ich starre an die Decke, und meine Hauptbeschäftigung besteht darin, zu hoffen, dass es irgendwann aufhört.»

«Depressive Störungen gehören zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen», informiert das Bundesgesundheitsministerium. Schätzungsweise 16 bis 20 von 100 Menschen erkrankten demnach irgendwann in ihrem Leben mindestens einmal an einer solchen Krankheit. Beispielsweise eine Depression oder eine chronisch depressive Verstimmung.

Trotzdem sprechen wir von psychischen Krankheiten nicht mit derselben Selbstverständlichkeit wie von körperlichen. Den meisten wird es leichter fallen, sich etwa bei ihrem Arbeitgeber wegen Grippe krank zu melden als wegen Depression.

Mehr zum Thema:

Depressionen Instagram Autobahn Grippe Tod