Liebe

    Liebe, Tanzen, Pop pur: «Love Goes» von Sam Smith

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    Grossbritannien,

    Eigentlich wollte Sam Smith schon zu Jahresbeginn eine neue Platte herausbringen. Wegen der Corona-Krise wurde die Veröffentlichung verschoben. Mit neuem Titel und neuen Songs erscheint nun «Love Goes», das vielseitige Album eines facettenreichen Popstars.

    Vielseitig und facettenreich: Sam Smith. Foto: El Universal via ZUMA Wire/dpa
    Vielseitig und facettenreich: Sam Smith. Foto: El Universal via ZUMA Wire/dpa - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • Mit einem tiefen Atemzug und einer A-cappella-Nummer beginnt Sam Smiths drittes Album «Love Goes».

    Ganz ohne Instrumente präsentiert sich Smith mit der Ballade «Young» quasi schutzlos, offen und zerbrechlich.

    Ein beinahe symbolischer Auftakt. «Die letzten zwei Jahre waren die experimentellste Zeit meines Lebens, persönlich und musikalisch», schrieb Smith in einem offenen Brief zum Album. «Jedes Mal, wenn ich ins Studio gegangen bin, habe ich mir geschworen, auf die Sterne zu zielen und mir keine Grenzen zu setzen.»

    Das gilt mittlerweile auch für das Privatleben des 28 Jahre alten Popidols. Im Februar hatte Smith öffentlich erklärt, nicht-binär zu sein, sich also nicht auf eine Geschlechteridentität festlegen zu wollen. Smith wünscht sich deshalb, nicht mehr mit männlichen Pronomen angesprochen zu werden, räumt aber ein, dass das gar nicht so einfach sei. «Es ist schwierig für die Leute, ihr Vokabular zu ändern», sagte Smith dem Radiosender Apple Beats 1. «Ich werde bis zu meinem Tod falsch gegendert werden.»

    Schon im Frühjahr, einen Tag nach der Oscar-Verleihung, hatte Sam Smith die neuen Songs in London vor kleinem Publikum bei Drinks und feinen Sandwiches vorgestellt, allerdings nur vom Band. «Es ist komisch, ein Album in voller Länge zu hören, oder?», meinte Smith und klang etwas unsicher. Für den James-Bond-Titelsong «Writing's On The Wall» hatte Smith 2016 selbst einen Oscar erhalten.

    «Ich hoffe, es gefällt euch. Es ist ein unterhaltsames Album», sagte der Popstar und schüttelte ohne Berührungsängste beinahe jedem Gast zur Begrüssung die Hand. Das war allerdings wenige Wochen, bevor die Coronavirus-Pandemie unser aller Leben veränderte. Schliesslich wurde auch die Veröffentlichung des anfangs als «To Die For» angekündigten Longplayers verschoben.

    «Es tut mir leid, dass es so lange gedauert hat», entschuldigt sich Smith jetzt. Seit jenem unbeschwerten Nachmittag in London wurde das Album noch einmal überarbeitet. Neue Songs kamen hinzu, der ursprüngliche Spassfaktor mit saftigen Disco-Beats und der Atmosphäre des Nachtlebens ist noch präsent, aber nicht mehr so dominant.

    Schon bekannte Songs - die Duette «Dancing With A Stranger» mit Normani und «I'm Ready» mit Demi Lovato, die Hitsingle «Promises» mit Calvin Harris und die Ballade «How Do You Sleep?» - wurden nun als Bonustracks hinten drangehängt. Eine gelungene Coverversion der Disco-Hymne «I Feel Love» - ursprünglich von Giorgio Moroder und Donna Summer - ist leider nicht mehr auf dem Album enthalten. Trotzdem kommt «Love Goes» mit Bonus auf stattliche 17 Songs.

    Vor einem Jahr hatte Sam Smith angekündigt, das Album werde «weniger Balladen und mehr poppigere Tracks» enthalten als die Vorgänger. «Love Goes» mangelt es trotzdem nicht an Schnulzen. Auch der Titelsong ist eine Pianoballade mit tieftraurigem Text. Smiths Duettpartner, der britische Sänger und Songwriter Labrinth, beginnt mit den Worten: «I hope that you will understand that I have to send you away.»

    Allerdings steuert das Lied nach dem Tränenstart auf ein erhebendes Finale mit mitreissenden, orchestralen Fanfaren und Hip-Hop-Beat zu. Neben den erwähnten eingängigen Bonustracks gibt es auf «Love Goes» weitere hervorragende, tanzbare Popsongs. «Diamonds», «Another One» und das ausgesprochen coole «Dance (Till You Love Someone Else)» - der Name ist Programm - sind potenzielle Singles. Zu den wenigen lahmen Ausnahmen zählt «My Oasis» mit dem Sänger Burna Boy, das wohl als Modeerscheinung abzuschreiben ist.

    «Ich habe versucht, mich selbst nicht zu ernst zu nehmen, als ich einige dieser Songs geschrieben habe», erklärt Smith. Auf dem dritten Album seien «guilty pleasure» zu «pleasures» - heimliche musikalische Laster zu unbeschwertem Vergnügen - geworden. «Keine Schuld, keine Schande, nur die Liebe für das Singen, die Kreativität und das Tanzen.» Eine ziemlich gute Umschreibung für ein vielseitiges und kurzweiliges Popalbum.

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