Krimi

    Irlands Krimi-Autorinnen: «Wir kennen uns mit Angst aus»

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    Irland,

    Grosse Namen der irischen Literatur sind schnell gefunden: Die Herren Joyce, Yeats, Wilde und Co. kennt jeder. Nun machen auf der Grünen Insel aber vor allem Autorinnen von sich reden. Besonders bei einem Genre.

    In den Büchern der irischen Autorin Sam Blake («The Dark Room», «Keep Your Eyes on Me») gibt es immer starke weibliche Charaktere. Foto: Michael P Ryan/Sam Blake/dpa
    In den Büchern der irischen Autorin Sam Blake («The Dark Room», «Keep Your Eyes on Me») gibt es immer starke weibliche Charaktere. Foto: Michael P Ryan/Sam Blake/dpa - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • In Irland verbreiten Frauen Angst und Schrecken.

    Sie machen mit Kriminalität Geld - ganz legal: Es sind vor allem Autorinnen, die auf den Bestseller-Listen der Grünen Insel mit Krimis und Thrillern vertreten sind.

    Auch in Deutschland sind viele Fälle zu finden. Kein Wunder - schliesslich gelten die Menschen hierzulande als grosse Krimi-Fans.

    «The Nothing Man» von Catherine Ryan Howard erscheint im Sommer bei Rowohlt in Deutschland, drei der Thriller von Jo Spain wurden bei Bastei verlegt. Sam Blake und James-Joyce-Award-Gewinnerin Liz Nugent sind mit deutschen Verlagen im Gespräch. Die Liste der erfolgreichen irischen Krimi-Autorinnen ist noch viel länger, sie wird angeführt von Tana French («Der dunkle Garten») und Sinead Crowley («Er sieht dich»).

    Oscar Wilde, James Joyce, William Butler Yeats: Bisher waren vor allem männliche Schriftsteller von der Grünen Insel bekannt - vom jungen Literatur-Star Sally Rooney einmal abgesehen. Woher kommt nun die Thriller-Welle bei den Autorinnen? «Wir kennen uns mit Angst aus», sagt Catherine Ryan Howard im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Ihrer Meinung nach erleben Frauen die Welt anders als Männer. «Wir kennen Angst - leider - nur zu gut aus unserem täglichen Leben.» Einer Umfrage der Fundamental Rights Agency (FRA) zufolge gibt es in Irland im EU-Vergleich die zweithöchste Anzahl an Frauen, die aus Angst vor Übergriffen Orte oder Situationen meiden.

    Liz Nugent («Our Little Cruelties») denkt, dass Autorinnen ein besseres Gespür für Bedrohungen haben. Sie weiss, dass Frauen auf der Hut sind, wenn sie nachts alleine unterwegs sind, und seltener eine Abkürzung durch den Park nehmen. «Männer schreiben von Macho-Helden und Frauen aus der Sicht der Gestalkten», sagt sie. Valerie Bistany, Direktorin des Irish Writers Centre, ordnet den Trend ein: «Krimis und Thriller von Frauen sind in Irland seit etwa einem Jahrzehnt sehr angesagt, als Tana French die Welle lostrat und mit ihrem ersten Roman «Grabesgrün» international Erfolg hatte», sagt sie der dpa.

    Aber warum erst jetzt? Dass Frauen eher besorgt sind, ist schliesslich nicht nur ein Phänomen des neuen Jahrtausends. Liz Nugent hat eine Erklärung: «Frauen in Irland hatten dank der Schraubzwinge, die die katholische Kirche der Gesellschaft lange angelegt hat, bis in die 1990er Jahre kaum Rechte und keine Stimme. Scheidung, Verhütung, Homosexualität und Abtreibung - alles illegal.» 2015 stimmte Irland für die Gleichstellung der Ehe, 2017 für das Recht auf Abtreibung. «Endlich haben irische Frauen ihre Stimme gefunden», sagt Nugent.

    Dem kann Sam Blake nur zustimmen. In ihren Büchern («The Dark Room», «Keep Your Eyes on Me») gibt es immer starke weibliche Charaktere: «In Irland haben wir eine lange Tradition des Makabren und Kriminellen, die bis in die Zeit vor Bram Stoker's Dracula zurückreicht», sagt die Autorin. Auch Sherlock-Holmes-Erfinder Conan Doyle sei irischer Abstammung und habe als Kind viel Zeit in Irland verbracht. Dass es jetzt so viele Thriller-Autorinnen gibt, habe mit den technologischen Möglichkeiten und der neuen Generation zu tun, meint Blake. «Wir schaffen uns eigene Möglichkeiten durch harte Arbeit - oft schreiben wir in gestohlener Zeit, obwohl wir tagsüber arbeiten, uns um die Familie kümmern und einen Haushalt führen.»

    Alex Meehan von der Tageszeitung «Irish Independent» hat dieses Phänomen schon 2018 beobachtet, als drei Krimi-Autorinnen gleichzeitig für den An Post Book Award nominiert waren: «Während Krimis zwar Männer wie Frauen ansprechen, gibt es in Irland viele erfolgreiche Autorinnen in diesem Genre», sagt die Journalistin. Jo Spain («Das Tal der toten Mädchen») betont: «Ein gutes Buch ist ein gutes Buch, egal ob von einem Mann oder einer Frau geschrieben.» Doch sei es für Frauen oft schwieriger, ihre Bücher zu veröffentlichen. In Irland scheint das derzeit nicht der Fall zu sein: «Hier verbreiten die Frauen erfolgreich Angst und Schrecken», sagt Spain.

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