Mit oft kritischen Texten schafften sie es in der DDR in die Hitparaden - und auch nach dem Mauerfall blieb die Band sehr erfolgreich. Jetzt überraschen Toni Krahl und Kollegen mit einer Ankündigung.
Die Musiker Manfred Hennig (l-r), Toni Krahl, Fritz Puppel und Georgi Gogow von der Band City. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa
Die Musiker Manfred Hennig (l-r), Toni Krahl, Fritz Puppel und Georgi Gogow von der Band City. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine weitere erfolgreiche Band mit DDR-Biografie löst sich bald auf: Über ein Jahr nach dem Tod ihres Schlagzeugers hat die Berliner Band City («Am Fenster») ihren Abschied von der Bühne angekündigt.

Doch zuvor feiern die vier Musiker im kommenden Jahr noch den 50. Band-Geburtstag.

«Wir wollen's mal versuchen, wenn's am schönsten ist, aufzuhören. Und nicht die Sache zu verplempern», sagte Gitarrist Fritz Puppel (76) bei einer Pressekonferenz am Dienstag im Berliner Kesselhaus. Sänger Toni Krahl (71) sagte scherzend: «Wir müssen unsere Tabletten einnehmen und denn ab ins Heim.»

Das Jubiläumsjahr feiern die Musiker, die eigentlich schon im typischen Rentenalter sind, mit der Veröffentlichung eines Doppel-Albums mit neuen Songs, einer Fernseh-Dokumentation, einem Buch - und vielen Konzerten. Zunächst soll es mit den DDR-Grössen Silly und dem Sänger der Puhdys, Dieter «Maschine» Birr, auf «Rocklegenden»-Tour gehen.

Am 23. Juli wollen City dann gemeinsam mit den Berliner Symphonikern in der Berliner Wuhlheide spielen. Den allerletzten Auftritt soll es am 30. Dezember 2022 in der Mercedes-Benz Arena geben. «Richtig auf den Putz hauen, gross machen, Gäste einladen, unserer Hymne noch Sternenstaub draufsetzen mit Orchester und dann am 30. Schluss machen!», sagte Fritz Puppel.

Im Mai vergangenen Jahres war der City-Drummer Klaus Selmke überraschend an Krebs gestorben. Er hatte die Gruppe 1972 mit dem Gitarristen Puppel in Ost-Berlin gegründet: Die City Rock Band, wie sie zunächst hiess, sang anfangs Songs von Santana, den Rolling Stones und Jimi Hendrix nach. Auch weil ihnen die englische Sprache nicht lag, stiegen die Musiker schnell auf Deutsch um.

Die geplante Auflösung der Band kommt überraschend, denn Sänger Toni Krahl hatte wenige Wochen nach Selmkes Tod mitgeteilt: «Nach all den Jahrzehnten, die wir mit Klaus musizierten, haben wir beschlossen, dass wir unser gemeinsames Ziel weiter verfolgen. City wird es also weiterhin geben und wir werden, auch im Sinne von Klaus, unsere Botschaften, unsere Lieder in die Welt tragen.» Auf der Internetseite der Band hiess es dieser Tage: «City ist wieder da. Ein Fels in der Brandung, zuverlässig wie ein Uhrwerk und trotzdem neu.»

Dass nach 50 Jahren nun doch Schluss sein soll, hat nicht nur mit dem Alter zu tun, sondern auch mit dem Tod des Schlagzeugers. «Es gab so gesehen keine Zahl», sagte Gitarrist Puppel. Aber der Tod und die Krankheit des Schlagzeugers hätten dazu geführt, dass man darüber nachgedacht habe. Ein Teil der Therapie sei es gewesen zu sagen: «Wir schaffen es gemeinsam über die Ziellinie.» Und deshalb sei plötzlich die Zahl ins Spiel gekommen, sagte Puppel. Ziel sei es gewesen, gemeinsam zum 50. Geburtstag aufzuhören.

Das Quintett, das einst wegen der Glatzköpfe mit dem Slogan «Ohne Bass und ohne Haare - mit City durch die 80er Jahre!» für sich warb, befand sich mit den kritischen Texten im sozialistischen Staat oft am Rande des Erlaubten. Ob «Casablanca», «Gläserner Traum» oder «Von Wand zu Wand»: Die Zahl der Hits aus DDR-Zeiten ist gross. 

Westlich der Mauer bekam City als erste DDR-Rockband eine Goldene Schallplatte - mit einem siebenminütigen Stück mit ausgiebigen Geigensoli: «Am Fenster». Der Mega-Hit stand für die Sehnsucht der Jugend nach Freiheit.

Auch nach dem Mauerfall von 1989 füllten die fünf Glatzköpfe mühelos grosse Hallen - und sprachen immer wieder davon, noch lange auf der Bühne stehen zu wollen. Eine Zeitlang war City unter anderem gemeinsam mit den Puhdys auf «Rocklegenden»-Tour - bis diese sich vor fünf Jahren auflösten.

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