Thurgau

    «Alpstein-Meitli»: So erlebt Influencerin den Wander-Boom

    Wiesy Imhof
    Wiesy Imhof

    Münchwilen,

    Claudia Strässle erreicht als «Alpsteinmeitli» eine grosse Fangemeinde. Im Interview spricht die Influencerin über den Hype rund um den Alpstein.

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    Als «Alpsteinmeitli» bringt Claudia Strässle die Schönheiten der Bergwelt rund um den Säntis einer treuen Community näher. - zVg

    Seit bald sieben Jahren tritt Claudia Strässle unter dem Label «Alpsteinmeitli» in den sozialen Medien auf. Dass sie einmal eine solch grosse Anhängerschaft mit ihren Inhalten erreichen würde, hätte sie sich zu Beginn nicht vorstellen können.

    Die bekannte Influencerin äussert sich im Interview zum Hype rund um das Alpsteinmassiv.

    Redaktion: Sie bringen Ihren Followern auf Social Media die Schönheiten des Alpsteins näher. Welche Veränderungen gegenüber früher nehmen Sie wahr, wenn Sie rund um den Säntis unterwegs sind?

    Claudia Strässle: Das Interesse an der Bergwelt hat zweifellos zugenommen. Ob für einen Familienausflug, eine Sportaktivität oder einfach für ein schönes Foto: Die Berge bieten für alle den passenden Rahmen. Genau so vielfältig wie die unterschiedlichen Interessen sind auch die Menschen, welche sich dann am Berg treffen.

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    Claudia Strässle ist als «Alpsteinmeitli» seit fast sieben Jahren in den sozialen Medien präsent. - zVg

    Redaktion: Wo sehen Sie die hauptsächlichen Gründe für das gesteigerte Interesse an der Bergwelt?

    Strässle: Zum einen haben sicher die veränderten Rahmenbedingungen der Jahre 2020 bis 2022 einen gewissen Boom ausgelöst. Fernreisen waren eingeschränkt, man war wieder öfter von zuhause aus unterwegs und entdeckte die Natur mit ihren vielen Facetten neu.

    Zum anderen suchen heute immer mehr Menschen den Ausgleich zwischen schnelllebigem Alltag und finden in den Bergen eine Möglichkeit, zu entschleunigen und in Balance zu bleiben.

    Aber ganz bestimmt tragen auch die sozialen Medien dazu bei, dass man viel öfter Bilder zu sehen bekommt, welche einen «gluschtig» machen, Dinge zu erleben, die sonst vielleicht nicht so zum eigenen Repertoire gehören würden.

    Redaktion: Das öffentliche Teilen von Geheimtipps ist gerade in den sozialen Medien besonders populär. Wie halten Sie es mit dem Verraten Ihrer Lieblingsplätze?

    Strässle: Orte taggen, wie man das nennt, mache ich nicht. Bei mir ist alles einfach Alpstein oder Appenzellerland, was durch meinen Kanal so gegeben ist. Es gibt Ausnahmen, wenn sich eine Zusammenarbeit ergibt und dies explizit gewünscht ist. Aber meist ist dies nicht nötig.

    Gehst du gerne wandern?

    Redaktion: Wie geht ein gemeinsames Miteinander auch bei grösseren Mengen an Touristen?

    Strässle: Ich bin von Natur aus eine «Frohnatur» und genauso begegne ich auch meinen Mitmenschen, weshalb ich davon überzeugt bin, dass sich die Mehrheit der Menschen in den Bergen respektvoll verhalten.

    Aber egal wo, es gibt die schwarzen Schafe und die sind meist so auffällig und laut, dass sich alle danach umdrehen und noch lauter davon sprechen. Diese Entwicklung von Einzelnen macht mir schon Sorgen, aber das betrifft bei weitem nicht nur den Alpstein, sondern allgemein den Anstand und den gegenseitigen Respekt im Alltag.

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    Den Wanderboom begrüsst Claudia Strässle, mahnt aber zu Rücksicht, Verantwortung und Respekt. - zVg

    Redaktion: Inwieweit sehen Sie sich als Influencerin selbst in der Verantwortung?

    Strässle: Ich bin davon überzeugt, dass der erhobene Zeigefinger bei jenen, die ihn sehen sollten, nichts bringt. Ich glaube, man muss wieder verstehen lernen, welche Auswirkungen das eigene Verhalten haben kann, und auch Verantwortung dafür übernehmen.

    Es gibt bei mir immer wieder Posts die auf das eine oder andere hinweisen, aber Verantwortung und Respekt beginnen bei jedem selbst. Lernen wir wieder mehr, selber mitzudenken, statt die Verantwortung an andere abzugeben.

    Redaktion: Selfies an bekannten Hotspots und oberflächliche Kurzvisiten sind immer wieder ein grosses Thema. Wie erleben Sie das?

    Strässle: Ich verstehe, dass wir alle unsere Erlebnisse mit möglichst viel Inhalt füllen wollen. Ob es immer die richtig gewählten Inhalte sind, muss jeder für sich selber entscheiden.

    Redaktion: Sie verbinden Ihre Posts mit eingängigen Lebensweisheiten. Ist dies ein Versuch, der Oberflächlichkeit entgegenzuwirken?

    Strässle: Bei Oberflächlichkeiten schaltet mein Gehirn wahnsinnig schnell auf Durchzug, auch wenn ich mich da nicht immer ganz rausnehmen kann. Nach wie vor ist bei mir der positive Blick auf die kleinen Wunder, welchen mir jeden Tag begegnen, im Fokus. Einige haben verlernt, im grossen Trubel, der immer lauter und schneller wird, das Schöne in der Einfachheit zu sehen.

    Redaktion: Können Sie dem Wanderhype auch etwas Positives abgewinnen oder sehen Sie diesen eher kritisch?

    Strässle: Klar, mir sind alle Menschen lieber, welche rausgehen und sich bewegen, als solche, die zuhause in einer Negativspirale gefangen sind. Aber man muss sich immer vor Augen führen, wo die eigenen Grenzen sind und was man beachten muss.

    Redaktion: Gibt es ein Rezept, um die idyllische Bergwelt des Alpsteins zu erhalten? Wie lässt sich das Gleichgewicht wiederherstellen, wo es vielleicht schon etwas aus der Balance geraten ist?

    Strässle: Alles, was im Alltag auch gilt: ein respektvoller Umgang miteinander und gegenüber der Natur, Verantwortung übernehmen, mitdenken und seine eigenen Bedürfnisse auch mal hinten anstellen.

    Redaktion: Durch Wanderer ausgelöste Steinschläge stellen ein besonderes Risiko dar. Was gilt es diesbezüglich zu beachten?

    Strässle: Eltern sollten unbedingt darauf achten, dass keine Steine von Kindern den Hang hinuntergeworfen werden. Das erlebe ich leider öfter.

    Zudem ist es aktuell immer noch sehr trocken, das heisst, Gestein und Geröll kommen schnell ins Rutschen. Deshalb Querungen über Geröllfelder immer mit Bedacht vornehmen. Schlimmstenfalls laut rufen.

    Redaktion: Wie wirkt es sich auf die Sicherheit aus, wenn mehr Menschen in den Bergen unterwegs sind?

    Strässle: Auch hier gilt, was überall gelten sollte. Nehmt Rücksicht aufeinander und sprecht miteinander, wenn man an engen Stellen vorbei will oder das Gefühl hat, dass es jemandem nicht gut geht.

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst in den «Herisauer Nachrichten» erschienen.

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    Kommentare

    User #2124 (nicht angemeldet)

    Ich finde Berge gar nicht schön. Steinhaufen, die die Sonne verdecken...

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