Die Stadt Zürich schafft mit unkonventionellen Mitteln neuen Schulraum: Die reformierte Kirche Wipkingen soll als Verpflegungs- und Betreuungsraum für die Schulanlage Waidhalde genutzt werden. Zudem soll eine Bibliothek und ein Mehrzwecksaal im Gotteshaus Platz finden.

Mit dieser Umnutzung der Kirche könnten in der benachbarten Schulanlage Waidhalde drei bis vier Klassenzimmer freigespielt werden, teilten die Stadt Zürich und die reformierte Kirche Zürich am Mittwoch mit.

«So können wir mit einer kreativen Lösung den anhaltend hohen Schulraumbedarf im Schulkreis Waidberg entschärfen», wird Schulvorsteher Filippo Leutenegger (FDP) in der Mitteilung zitiert.

Da so auch keine zusätzlichen Pavillons aufgestellt werden müssten, bleibe der wertvolle Freiraum rund um die Schulanlage erhalten - er könne sogar rund um die Kirche erweitert werden.

Die reformierte Kirchgemeinde stimmte der Umnutzung am 18. Mai zu. Diese ist gemäss Vertrag vorerst auf eine Dauer von 15 Jahren ausgelegt, wobei eine Option auf eine zweimalige Verlängerung um je fünf Jahre besteht.

Ab Sommer 2026 soll die reformierte Kirche der Stadtzürcher Schule zur Verfügung stehen. Die bauliche Herausforderung sei dabei nicht zu unterschätzen, wird Hochbauvorstand André Odermatt (SP) zitiert. Gemäss Machbarkeitsstudien sei es aber möglich, die notwendigen Flächen mit dem Einbau von schwebenden Kuben zu schaffen.

Damit nur diese Kuben sowie die Räume im Erdgeschoss beheizt werden müssen, soll zwischen Erd- und Obergeschoss ein transparentes Folienkissen als Dämmschicht eingezogen werden.

Alle Um- und Einbauten sollen gemäss Mitteilung «die Anmutung des grosszügigen Kirchenraums möglichst wenig beeinträchtigten» und so vorgenommen werden, dass sie wieder rückgängig gemacht werden können. Die Details werden im Rahmen eines Architekturwettbewerbs erarbeitet. Über das Projekt und den Kredit wird dann das Stadtparlament befinden.

Seit der Fusion von 32 Kirchgemeinden zur Kirchgemeinde der Stadt Zürich im Jahr 2019 führten Kirchenpflege und Stadtrat einen regelmässigen Dialog, heisst es in der Mitteilung. Dies mit dem Ziel, «gemeinsam Projekte von allgemeinem Nutzen zu fördern».

Der Einzug der Schule in die Kirche Wipkingen sei ein Gewinn für beide Seiten, wird Michael Hauser, Ressortleiter Immobilien der Kirchenpflege, zitiert. «Während der Bedarf an Schulraum in Zürich wächst, bieten unsere Häuser Chancen für zusätzliche Nutzung.»

Die reformierte Kirchgemeinde dürfte weitere kirchliche Räume für neue Nutzungen öffnen, dies jeweils unter Berücksichtigung der lokalen Bedürfnisse und mit Einbezug der Mitglieder. Ein entsprechendes Immobilien-Leitbild hat die Kirchenpflege kürzlich zuhanden des Kirchgemeindeparlaments verabschiedet.

Die reformierte Kirche Wipkingen, die 1908 erbaut wurde, ist seit 2018 geschlossen. Zuvor war sie nur noch alle zwei Wochen genutzt worden, da sie immer weniger Besucherinnen und Besucher hatte. 2020 wurde sie dem Verein Klimastreikräume befristet zur Gebrauchsleihe übergeben. Diese Zwischennutzung endet spätestens mit Beginn des Umbaus Anfang 2025.

Mehr zum Thema:

Filippo Leutenegger Fusion