Zum 15-jährigen Jubiläum der Tagesfamilien-Vermittlung erzählt Liliane Elsener aus dem Arbeitsalltag der Tagesfamilien-Vermittlerin.
kinder
Zwei Kinder. (Symbolbild) - Keystone

Liliane Elsener war von Anfang an dabei: Als der Regionalverband zofingenregio im Jahr 2006 beschloss, eine Vermittlungsstelle für Tagesfamilien ins Leben zu rufen, übernahm die bis dahin in der Ausländerberatung tätige, gelernte Kauffrau die operative Umsetzung.

«Diese Aufgabe hat mich sehr gereizt, weil meine beiden Söhne damals noch klein waren und mir die Problematik einer adäquaten, externen Kinderbetreuung sehr bewusst war», erzählt Liliane Elsener. In der Schweiz bestehe bis heute ein grosser Mangel an guten Betreuungsplätzen für Kinder, weiss die 59-Jährige. Gesucht seien vor allem Teilzeitangebote und Betreuungsplätze für Babys und Kleinkinder.

In vielen Regionen böten Tagesfamilien die einzige Möglichkeit, Kinder ausserhalb der eigenen Familie betreuen zu lassen. «Einer der vielen Vorteile dieser Betreuungsform ist ihre Flexibilität – sie kann individuell an die Bedürfnisse der Beteiligten angepasst werden, das heisst, die Betreuung kann stunden-, halbtage- oder ganztageweise erfolgen, mit oder ohne Verpflegung, mit oder ohne Begleitung auf dem Kindergarten- oder Schulweg», erklärt Liliane Elsener.

Und so sei man damals, vor 15 Jahren, gleich ans Werk gegangen und habe die Vermittlungsstelle aufgebaut: «Zuerst habe ich mich weitergebildet und sowohl den Grundkurs für Vermittlerinnen als auch den Basiskurs für Tagesmütter absolviert», erzählt Liliane Elsener.

Gleichzeitig habe man das Angebot via Flyer, Website und in einer Informationsveranstaltung publik gemacht, administrative Vorbereitungen getroffen, Informationsmaterial und Merkblätter erstellt und die Finanzierung geklärt. Besonders sei, dass in der Region Zofingen der Regionalverband im Auftrag seiner Mitgliedsgemeinden die Vermittlung von Tagesmüttern und -kindern übernommen hat. In vielen anderen Regionen seien dafür Tagesfamilien-Vereine gegründet worden, so Elsener.

Bereits über 600 Betreuungsplätze vermittelt

Seitdem ist viel passiert: Über 600 Betreuungsplätze für Kinder bei Tageseltern in der Region Zofingen hat Liliane Elsener im Laufe der Jahre vermittelt. Die Nachfrage ist ungebrochen hoch, auch heute noch. Erst kürzlich konnte Liliane Elsener in Oftringen mal wieder eine Tagesmutter und eine alleinerziehende abgebende Mutter zu einem Kennenlern-Treffen zusammenbringen.

Die Tagesmutter hatte ihre Tochter bis vor Kurzem ebenfalls von einer Tagesmutter betreuen lassen. «Nun hat sich meine private und berufliche Situation geändert und ich möchte selbst als Tagesmutter tätig sein», erzählt die 30-jährige Z.H. Und auch die abgebende Mutter ist glücklich: «Ich habe lange überlegt, ob ich meine Tochter bei der Tagesfamilien-Vermittlung anmelden soll. Nun scheint sie sich hier bei Z.H. bereits sehr wohl zu fühlen.» Gleich nach Ankunft war das zweieinhalbjährige Mädchen mit Z.H.s Tochter im Spielzimmer verschwunden…

«Es ist wie ein Puzzle»

Bevor es zu solch einem Kennenlern-Treffen kommt, hat Tagesfamilien-Vermittlerin Liliane Elsener jedoch schon ganze Arbeit geleistet: Nachdem sich Tagesmutter Z.H. bei der Vermittlungsstelle angemeldet hatte, traf sie sich mit ihr zu einem ersten Gespräch. «Dabei versuche ich herauszufinden, warum sie Tagesmutter werden will und ob sie sich dafür eignet.

Dafür müssen ganz praktische Fragen geklärt werden: Wo und wie wohnt die Tagesmutter? Was hat sie bisher gemacht? Hat sie selbst Kinder? Wie alt sind diese? Welche Tage sind möglich? Ist sie mobil?», erklärt Liliane Elsener. Zurück im Büro, macht sie einen Abgleich mit den offenen Anfragen abgebender Eltern: Wo wird ein Betreuungsplatz gesucht? In welchem Umfang soll die Betreuung stattfinden? Passen das Alter der Kinder, die Betreuungszeiten und die Wege zu Schule und Kindergarten?

Die geeignetsten Vorschläge unterbreitet Liliane Elsener der Tagesmutter und bespricht mit ihr, wer am besten passen könnte. Ist die Wahl getroffen, kontaktiert sie wieder die abgebenden Eltern und informiert sie über ihren Vorschlag. Sind beide Parteien einverstanden, kommt es zu einem ersten Kennenlern-Treffen, das die Tagesfamilien-Vermittlerin begleitet. «Es ist wie ein Puzzle», meint Liliane Elsener. «Ich suche diejenigen heraus, die passen könnten.» Dabei treffe sie aber nicht die Wahl, sie mache lediglich Vorschläge, betont sie.

Grosser administrativer Aufwand

In diesem Fall war ihr Vorschlag mal wieder ein Volltreffer: Die beiden Frauen aus Oftringen verstehen sich auf Anhieb und beginnen sofort, sich über ihre Wohn- und Arbeitssituation, ihre Kinder, ihre Bedürfnisse und Tagesabläufe auszutauschen. Liliane Elsener begleitet das Gespräch, fragt nach und ermuntert mit Nachfragen zu weiterem Austausch. Zwischendurch kommen die beiden Kinder hinzu und spielen Versteckis.

Die Frauen tauschen ihre Kontaktdaten aus und vereinbaren sowohl ein weiteres Treffen ohne die Vermittlerin als auch eine Einführungsphase für die kleine Tochter der abgebenden Mutter. Inzwischen ist es bereits zur Vertragsunterzeichnung gekommen. Um die dazu notwendigen Formalitäten kümmert sich Liliane Elsener: «Mit der Tagesmutter wird ein Arbeitsvertrag abgeschlossen, mit den abgebenden Eltern gibt es eine Vermittlungsvereinbarung, und alle drei Parteien unterschreiben einen Tagespflegevertrag, der die getroffenen Abmachungen festhält», erzählt sie.

Tageseltern gesucht!

Früher wie heute mache es ihr Spass, für alle eine optimale Lösung zu finden, erzählt die Tagesfamilien-Vermittlerin. Insgesamt falle aber auf, dass es immer schwieriger werde, Tageseltern zu finden, die sich für eine bestimmte Zeit fest verpflichten. So sei es immer schwieriger, Angebot und Nachfrage in der Balance zu halten.

Anhaltend sei auch der Trend, dass Eltern sehr kurzfristig oder nur zeitlich befristet einen Betreuungsplatz für ihre Kinder suchen. «Die Fluktuation, aber auch der administrative Aufwand werden dadurch leider immer grösser», bedauert Liliane Elsener. Konträr dazu bestehe seit einiger Zeit die Tendenz, dass sich werdende Eltern bereits in einer frühen Phase der Schwangerschaft für einen Betreuungsplatz interessieren.

Auch Anfragen von Gemeinden, Sozialarbeitenden und Beiständen, die Tagesfamilienplätze für die Kinder von zu betreuenden Klienten suchen, seien heutzutage häufig, so Elsener.

Mehr zum Thema:

Schwangerschaft Mutter