Winterthur: Stadtrat wehrt sich gegen Streichung von Grüze Nord

Der Stadtrat von Winterthur kritisiert die Streichungen des Bundes bei «Verkehr ’45». Er fordert die Haltestelle Grüze Nord und den 6-Spurausbau der A1.

Winterthur
Winterthur: Stadtrat wehrt sich gegen Streichung von Grüze Nord (Symbolbild) - Nau.ch / Simone Imhof

Die Stadt Winterthur unterstützt das Vorhaben des Bundesrats und somit die Stossrichtung von Verkehr ’45 für eine koordinierte, verkehrsträgerübergreifende Weiterentwicklung der Schweizer Verkehrsinfrastruktur. Angesichts der beschränkten finanziellen Mittel ist eine Priorisierung notwendig und richtig. Die vom Bund vorgeschlagenen Streichungen und Repriorisierungen wichtiger Projekte im Raum Winterthur sind jedoch nicht nachvollziehbar.

Der Stadtrat fordert, dass zentrale Vorhaben weiterverfolgt und langjährige Planungen von Bund, Kanton und Stadt angemessen berücksichtigt werden.

Winterthur ist ein bedeutendes Zentrum des Lebens- und Wirtschaftsraums Zürich und zugleich ein zentraler Knoten im übergeordneten Verkehrsnetz. Mit dem Grossprojekt «MehrSpur Zürich-Winterthur» befindet sich ein langjährig geplantes Infrastrukturprojekt seit diesem Sommer im Bau. Es ist ein Schlüsselprojekt für Winterthur und den gesamten Grossraum Zürich.

Die damit möglichen Kapazitäten haben weitreichende verkehrliche, wirtschaftliche und räumliche Auswirkungen und eröffnen grosse Entwicklungschancen. Mit der vorliegenden Vorlage sollen entscheidende Elemente dieses komplexen Gesamtsystems nicht weiterverfolgt werden, was die Wirksamkeit entscheidend reduzieren würde. Nach jahrelanger Planung kurz vor dem Ziel stehen zu bleiben, ist vergleichbar mit einem Marathon, den man nach 40 Kilometern abbricht.

Der grösste Teil der Anstrengung ist geleistet, aber der entscheidende Gewinn bleibt aus.

Winterthur hat in den letzten Jahren seine Planungen konsequent mit der übergeordneten Verkehrsinfrastruktur abgestimmt. Gemeinsam mit Bund, Kanton, SBB und ZVV wurden gesamtheitliche langfristige Planungen erarbeitet, die Verkehr, Siedlung und Freiraum aufeinander abstimmen. Aus Sicht des Stadtrats wäre auch auf Bundesebene eine konsequente Gesamtbetrachtung von Schiene, Strasse und Siedlungsentwicklung erforderlich, was in der vorliegenden Vorlage leider nicht erkennbar ist.

Dadurch berücksichtigt die Vorlage den Gesamtnutzen einzelner Vorhaben sowie die Planungen im Raum Winterthur unzureichend und schlägt eine teilweise nicht nachvollziehbare Priorisierung vor.

Grüze Nord als Teil des Gesamtsystems muss Bestandteil des Bahnausbaus bleiben

Besonders kritisch beurteilt der Stadtrat die vorgesehene Streichung der Haltestelle Grüze Nord. Die Haltestelle ist Bestandteil des von der Bundesversammlung beschlossenen Ausbauschritts 2035 und ein wesentlicher Baustein der Entwicklung des Bahnhofs Grüze zu einer leistungsfähigen Verkehrsdrehscheibe. Rund um den Bahnhof wurden über viele Jahre Planungen vorangetrieben und Investitionen getätigt.

Mit der Leonie-Moser-Brücke, der Weiterentwicklung der Bahnhofplätze, der Neuorganisation des Busnetzes und der Entwicklung von Neuhegi– Grüze entsteht schrittweise ein abgestimmtes Gesamtsystem. Die Haltestelle Grüze Nord soll deshalb weitergeplant und umgesetzt werden.

Von besonderer Bedeutung für Winterthur ist zudem der Ausbau des Bahnhofs Stadelhofen.

Damit diese Grossinvestition «MehrSpur Zürich-Winterthur» ihre volle Wirkung entfalten kann, muss auch der damit funktional eng verbundene Ausbau des Bahnhofs Stadelhofen ohne weitere Verzögerung vorangetrieben werden. Der Stadtrat fordert deshalb, dessen Realisierung unabhängig von einer Verlängerung des MWST-Promilles sicherzustellen.

Beim Bahnhof Oberwinterthur fordert der Stadtrat ebenfalls die konsequente Weiterführung der laufenden Planungen. Der Bahnhof ist eine wichtige lokale Verkehrsdrehscheibe und von hoher Bedeutung für die Entwicklung des östlichen Stadtgebiets.

6-Spurausbau A1 weiterplanen

Auch der vorgesehene Verzicht auf den 6-Spurausbau der A1 im Raum Winterthur ist für den Stadtrat nicht nachvollziehbar. Die Pannenstreifenumnutzung verbessert die Situation kurzfristig, löst den langfristigen Engpass jedoch nicht. Gleichzeitig arbeitet die Stadt seit Jahren gemeinsam mit dem Kanton und dem ASTRA an einer langfristigen Lösung.

Die laufenden Planungen eröffnen zudem grosse Chancen für die Entwicklung von Winterthur Süd, die Aufwertung des Tössraums und eine bessere Abstimmung von Verkehr und Siedlungsentwicklung.

Der Stadtrat fordert deshalb, die Planung des Projekts weiterzuführen und den laufenden Planungsprozess nicht vorzeitig abzubrechen.

Langfristige Planung braucht Verlässlichkeit

Der Stadtrat anerkennt, dass die beschränkten finanziellen Mittel des Bundes eine Priorisierung der Verkehrsinfrastruktur erfordern. Diese muss jedoch auf aktuellen Grundlagen beruhen und die Wechselwirkungen zwischen Bahn, Strasse, Agglomerationsverkehr und Stadtentwicklung berücksichtigen. Bereits beschlossene Projekte und langjährige gemeinsame Planungen schaffen Verlässlichkeit für die Entwicklung von Stadt und Region.

Winterthur wird diese Anliegen mit einer eigenen Stellungnahme in die Vernehmlassung des Bundes einbringen.

Die Stellungnahme der Stadt Winterthur und die Fragenbeantwortung an den Bund können unter stadt.winterthur.ch heruntergeladen werden.

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