Wil berichtet über den gleichbleibenden Steuerfuss bei einem Defizit im Budget 2022. Die Entwicklung ist jedoch schwierig abschätzbar.
Eingang der Gemeindeverwaltung Rickenbach bei Wil (SG).
Eingang der Gemeindeverwaltung Rickenbach bei Wil (SG). - Nau.ch / Simone Imhof

 Bei Ausgaben von 172 Millionen Franken budgetiert die Stadt Wil für das Jahr 2022 einen Aufwandüberschuss von 8,5 Millionen Franken. Der Stadtrat möchte den Steuerfuss dennoch bei 118 Prozent belassen. Die Diskussion über eine allfällige Erhöhung des Steuerfusses sei aufgrund der hohen Investitionen im nächsten Jahr zu führen.

Der Stadtrat rechnet im Budget 2022 im Vergleich zum Vorjahresbudget mit leicht höheren Steuereinnahmen. Die Hochrechnungen lassen darauf schliessen, dass die staatlichen Corona-Hilfsprogramme die Schwächung der Konjunktur abgefedert haben. Dennoch ist die Entwicklung schwierig abschätzbar.

Die budgetierten Nettoinvestitionen betragen im kommenden Jahr 32 Millionen Franken. Dies entspricht dem höchsten Wert seit dem Bau des Sportpark Bergholz. Bei einem Realisierungsgrad von 70 Prozent resultieren Nettoinvestitionen von 22 Millionen Franken. Ende 2022 verbleibt ein Eigenkapital von voraussichtlich 70 Millionen Franken.

Kaum beeinflussbare Mehrausgaben belasten den Haushalt

Der Gesamtaufwand erhöht sich gegenüber dem Vorjahresbudget um 4,6 Millionen Franken. Während der Sachaufwand zurück geht, steigen besonders die Transferaufwände weiter an. Die zusätzlichen Ausgaben sind mehrheitlich auf Lastenverschiebungen von Seiten des Kantons und auf Kantonsratsbeschlüsse zurückzuführen.

Namentlich auf höhere Schulgelder für Sonderschulen, die vollständige Übernahme von Krankenkassen-Verlustscheinen durch die Gemeinden und weiter ansteigende Pflegefinanzierungskosten. Weiter kommt ein coronabedingter Unterstützungsbeitrag an die Wiler Sportanlagen AG (WISPAG) zum Tragen sowie die kürzlich durch das Stadtparlament beschlossenen Leistungsausbauten bei den Kindertagesstätten.

Steuerfusserhöhung ab 2023 möglich

Im Finanzplan ist mit Defiziten und einer ansteigenden Verschuldung zu rechnen. Der Steuerfuss soll auf 123 Prozent erhöht werden. Ohne zusätzliche Erträge können die Ausgaben nur durch Abbau bestehender Leistungen oder durch eine anhaltend hohe Neuverschuldung aufgefangen werden.

Beide Optionen erachtet der Stadtrat weder als gangbar noch als nachhaltig. Die Steuerfusserhöhung ab 2023 ist angesichts der anstehenden Investitionen und der Defizite in der Erfolgsrechnung moderat und notwendig.

TBW investieren weiter in Erneuerung und Energieeffizienz

Das Budget der Technischen Betriebe Wil (TBW) weist bei einem Aufwand von 77,5 Millionen Franken einen Ertragsüberschuss von 1,8 Millionen Franken aus, nach vorgängigem Abzug des Abgeltungsbetrags an die Stadt Wil.

Damit liegt das prognostizierte Ergebnis 0,6 Millionen Franken unter dem Vorjahresbudget. Die momentane wirtschaftliche Entwicklung hat insgesamt nur einen unwesentlichen Einfluss auf die Ertragszahlen. 

Bei den Absatzprognosen und den Umsatzzahlen für das Jahr 2022 wird von mehrheitlich konstanten Werten ausgegangen. Die Marktpreise für Strom und Gas sind in den vergangenen Monaten massiv angestiegen; die Auswirkungen auf die Energiepreise 2022 der TBW halten sich aber in Grenzen.

Die Herausforderungen nehmen markant zu

Für das Jahr 2022 sind über 2,5 Millionen Franken für die Substitution von fossiler Energie, für Effizienzmassnahmen sowie für diverse ökologische Fördermassnahmen vorgesehen. Für die Erneuerung der Netze und Anlagen sind insgesamt 11,5 Millionen Franken vorgesehen. 5,3 Millionen Franken wurden für die Abgeltung an die Stadt budgetiert. 

Mit den bevorstehenden Marktöffnungen in den Bereichen Strom und Gas sowie aktuell markanten Veränderungen in der Energiewirtschaft hinsichtlich Preisentwicklungen, Ökologisierung des Energiesystems oder Verschärfung der Regulierung, steht die Energiebranche zunehmend unter wirtschaftlichem Druck.

Auch im volatilen, schnelllebigen Telekommunikationsmarkt nehmen die Herausforderungen markant zu. Vor diesem Hintergrund dient die stabile Finanzstruktur als Basis für eine kontinuierliche, zukunftsgerichtete Weiterentwicklung der TBW.

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