Die Erfolgsrechnung sieht einen rekordverdächtigen Ertragsüberschuss von Fr. 7'048'617.34 vor.
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Das abgelaufene Jahr stand ganz im Zeichen der COVID-19-Pandemie. Sie hat das Gemeindeleben grundlegend verändert und stellte auch den Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung vor grosse Herausforderungen und viele Ungewissheiten. Die Erfolgsrechnung sieht einen rekordverdächtigen Ertragsüberschuss von Fr. 7'048'617.34 vor. Das Budget 2020 rechnete mit einem Ertragsüberschuss von Fr. 694'400.00.

Am 14. Juni 2021 legt der Gemeinderat der Gossauer Gemeindeversammlung die Jahresrechnung 2020 der Politischen Gemeinde zur Abnahme vor.

Erfolgsrechnung

Die Erfolgsrechnung schliesst bei einem Gesamtaufwand von Fr. 60‘121‘945.69 und einem Gesamtertrag von Fr. 67‘170‘563.03 mit einem Ertragsüberschuss von Fr. 7‘048‘617.34 ab. Im Budget hat der Gemeinderat mit einem Ertragsüberschuss von Fr. 694'400.00 gerechnet.

Auf der Ertragsseite konnten bei den ordentlichen Steuern und den Grundstückgewinnsteuern im Vergleich zur Jahresrechnung 2019 nochmals Steigerungen verzeichnet werden. Die Verbesserung bei den ordentlichen Steuern ist sowohl auf natürliche als auch juristische Personen zurückzuführen. Ein allfälliger Rückgang durch die Pandemie dürfte sich erst in den Folgejahren zeigen. Bei den Grundstückgewinnsteuern werden nach wie vor hohe Gewinne bei Verkäufen von Liegenschaften besteuert. Ebenfalls massgeblich zum guten Ergebnis beigetragen hat die alle vier Jahre stattfindende Neubewertung der Liegenschaften im Finanzvermögen.

Durch die Zonenplanänderung im Gebiet Unterhofen wurde ein gemeindeeigenes Grundstück von der Landwirtschaftszone in die Wohnzone W2.4 umgeteilt. Diese Umzonung hat einen Bewertungsgewinn von rund 2 Millionen Franken zur Folge. Eine grosse Position auf der Ertragsseite ist nach wie vor der Beitrag aus dem Finanzausgleich. Mit rund 11.8 Millionen Franken macht er knapp 18% sämtlicher Erträge aus. Die Höhe des Beitrages aus dem Finanzausgleich ist jedoch bereits bei der Erstellung des Budgets bekannt und hat deshalb keinen Einfluss auf die Verbesserung gegenüber dem Budget.

Im Gegensatz zu den Ertragspositionen waren die Aufwandpositionen stärker von den Auswirkungen der Pandemie geprägt. So mussten beispielsweise Schulreisen, Klassenlager und verschiedene Anlässe abgesagt werden. Dies führte in der Totalsumme über sämtliche Bereiche zu ansehnlichen Minderkosten. Auch die Befürchtung über stark steigende Sozialkosten hat sich noch nicht bewahrheitet. Die zum Teil leicht höheren Ausgaben wurden durch höhere Kantonsbeiträge wieder kompensiert. Bei der Pflegefinanzierung ist bei der ambulanten Pflege eine Erhöhung, bei der stationären Pflege jedoch eine Reduktion der Kosten festzustellen. Diese Verschiebung dürfte auf die Zurückhaltung für einen Heimeintritt zurückzuführen sein.

Die direkten Kosten für die Umsetzung der Pandemie-Massnahmen im Schul- und Verwaltungsbereich belaufen sich auf rund Fr. 100'000.00. Die Kosten im Zusammenhang mit dem Einsatz des Zivilschutzes während der Lockdown-Perioden wurde mehrheitlich durch den Kanton getragen. Ebenso wurde ein Kantonsbeitrag in der Höhe der ausbezahlten à fonds perdu-Beiträge (Corona-Nothilfe) an Selbstständigerwerbende ausgerichtet. Für die ausbezahlten Darlehen im Zusammenhang mit der Corona-Nothilfe wurde jedoch kein kantonaler Beitrag geleistet. Diese Darlehen belasten die Erfolgsrechnung nicht und sind in der Bilanz ausgewiesen.

Investitionsrechnung

Vorgesehen waren Nettoinvestitionen im Verwaltungsvermögen von 7,032 Millionen Franken. Effektiv investiert wurden 4,935 Millionen Franken. Die Investitionssumme setzt sich vor allem aus den Kosten für den Neubau der multifunktionalen Sporthalle (Fr. 2'050'888.10), Strassensanierungen (Fr. 965'296.65), Sanierungen verschiedener Verwaltungs- und Schulliegenschaften (Fr. 1'031'327.40), Kanalisationssanierungen (Fr. 330'783.46), der Beleuchtung des Fussballplatzes (Fr. 190'695.85) und einem neuen Fahrzeug für den Werkhof (Fr. 152'114.30) zusammen. Im Rechnungsjahr 2020 wurden zudem Corona-Nothilfe-Darlehen über Fr. 110'650.00 gewährt, von denen Fr. 17'886.30 bereits wieder zurückbezahlt wurden.

Selbstfinanzierungsgrad

Mit den vorliegenden Rechnungswerten erreicht der Gesamthaushalt (steuerfinanzierter- und gebührenfinanzierter Teil) einen Selbstfinanzierungsgrad von 218%. Somit konnten sämtliche Investitionsausgaben aus eigenen Mitteln finanziert werden.

Bilanz

Der ausserordentlich positive Abschluss 2020 führt auch in der Bilanz zu einer Verbesserung. Die Positionen im Finanz- und Verwaltungsvermögen erhöhen sich gesamthaft um

3.6 Millionen Franken. Beim Fremdkapital ist eine Reduktion von 3.3 Millionen Franken zu verzeichnen. Besonders erfreulich dabei ist der Abbau bei den kurz- und langfristigen Darlehen um 5 Millionen Franken. Durch diese Bilanzveränderungen erhöht sich das Eigenkapital um 6.9 Millionen Franken auf rund 94.3 Millionen Franken.

Ausblick

Mit dem Abschluss 2020 hat sich die finanzielle Situation der Gemeinde stark verbessert. Der Abbau der kurz- und langfristigen Darlehen in den letzten 5 Jahren von 30 Millionen auf nun 16 Millionen Franken ist äusserst erfreulich, und auch der erstmalige Ausweis eines Nettovermögens (Finanzvermögen abzüglich Fremdkapital) seit dem Jahr 2011 zeigt, dass die in den vergangenen Jahren getroffenen Massnahmen finanziell greifen.

Dank dem stabilen Steuerfuss konnten die Ertragsüberschüsse für den Schuldenabbau verwendet werden, ohne dass Verkäufe von Aktiven (Grundeigentum im Finanzvermögen) getätigt werden mussten. Ebenso konnte dank der strikten Kostenkontrolle ein Abbau von Leistungen verhindert werden. Je nachdem, wie sich die aktuelle Situation auf die Ertragspositionen (Steuererträge, Finanzausgleich) und die Aufwandpositionen (z.B. Sozialkosten) auswirken, ergibt sich für die zukünftigen Budgets ein grösserer Spielraum als in den vergangenen Jahren.

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