Hans Denzler, SVP Uster, schreibt in seinem Gastbeitrag über Fragen und mögliche Lösungen rund um das Thema Bevölkerungswachstum.
Hans Denzler SVP Uster Bevölkerungswachstum
Hans Denzler sitzt für die SVP im Gemeinderat Uster. - ZVG

Verdichtetes Bauen wird momentan als Lösung für das Bevölkerungswachstum – ohne Land verbauen zu müssen – hochgehalten. Ob es aber wirklich die Lösung ist, wenn man verschiedene Aspekte genauer unter die Lupe nimmt, ist fraglich.

Der Mensch braucht Freiräume. Wenn er sie am Wohnstandort nicht hat, dann sucht er sie anderweitig. Das heisst, der Mensch braucht eine funktionierende Mobilität, um das Bedürfnis nach Weite und Erholung zu befriedigen.

Stadtpark - Uster - Uster
Stadtpark - Uster - Uster - Nau.ch/ManuelWalser

Wenn sich die städtische Bevölkerung immer mehr auf die Naherholungsgebiete um die Städte herum ausdehnt, ist das für die Landwirtschaft und die Natur nicht einfach. Mir ist aber auch bewusst, dass der «moderne» Mensch die Natur spüren möchte.

Teure Infrastrukturen

Es wird einem schnell klar, dass das starke Bevölkerungswachstum doch etliche Probleme mit sich bringt. Für eine Stadt wie Uster, die seit 1950 von 13`000 Einwohnern eine Zunahme bis 2017 auf 35`000 Einwohner verzeichnete, ist es eine grosse Herausforderung, die Infrastrukturen wie Schulhäuser, Strassen, Sportanlagen, öffentlicher Verkehr usw. laufend anzupassen.

Sportanlage Buchholz - Uster - Uster
Sportanlage Buchholz - Uster - Uster - Nau.ch/ManuelWalser

Diese Infrastrukturen sind aber nicht gratis zu haben. Trotz höheren Steuereinnahmen werden die Defizite in den Jahresrechnungen immer grösser.

«Qualitätsvolle Verdichtung»

In der Mobilität braucht es neue Konzepte wie auch in der Gestaltung der Innenstädte. «Qualitätsvolle Verdichtung» ist eines der neuen Schlagwörter bei städtischen Siedlungsplanungen. Ist «qualitätsvolle Verdichtung» überhaupt möglich? Diese Frage werden wir erst Jahre später beantworten können.

In der Mobilität braucht es ganzheitliche Lösungen für den Langsamverkehr, den Individualverkehr wie auch den öffentlichen Verkehr. Dabei ist es nicht förderlich, nur ein Verbot für den Motorisierten Verkehr in den Städten zu fordern, ohne ein funktionierendes Verkehrskonzept um die Städte herum zu haben.

Stau
Stau auf der Autobahn. (Symbolbild) - Keystone

Damit alle Verkehrsteilnehmer zufrieden sind, braucht es Parkhäuser mit genügend Parkmöglichkeiten sowie gute Zu- und Wegfahrtmöglichkeiten. Nur so kann sich auch der Langsamverkehr entfalten.

Damit eine Stadt funktioniert und lebt, braucht es aber auch das Gewerbe, das bei allen Massnahmen immer mit einbezogen werden muss.

Gründe für Bevölkerungswachstum

Weshalb wächst unsere Bevölkerung überhaupt? Einerseits werden wir immer älter. Die Lebenserwartung in der Schweiz ist eine der höchsten der Welt.

Andererseits verzeichneten wir in den letzten 30 Jahren eine starke Zuwanderung in die Schweiz sowie eine Abwanderung aus ländlichen Regionen in die Städte. Grosse Abwanderungen sind vor allem aus den Bergregionen zu verzeichnen.

Bergdorf Symbolbild
Die Zuwanderung aus Bergregionen in die Städte fürt dort zu einem Bevölkerungswachstum. (Symbolbild) - Thomas Warnack/dpa

In der Schweiz leben heute 85 Prozent der Leute in Städten. Im Jahr 1930 waren es erst ein Drittel.

Fazit: Verdichtetes Bauen ist für mich nicht die Lösung für das stetige Bevölkerungswachstum. Um die Städte nicht immer stärker zu belasten, sollte man sich auf politischer Ebene überlegen, wie ländliche Regionen für die Bevölkerung interessanter gemacht werden könnten.

Wieder vermehrt dezentralisierte Arbeitsplätze, Ausbildungsplätze, Läden für den täglichen Bedarf, familienfreundliche Wohnmöglichkeiten usw. sind Lösungsansätze, damit wir auch in Zukunft noch lebenswerte Städte haben.

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