Anita Borer ist seit April 2021 höchste Ustermerin. Während ihrer Amtszeit möchte sie vor allem die offene Meinungsbildung weiter fördern.
Anita Borer Uster
Anita Borer bei der Ansprache der 1. Augustfeier 2021. Mit 35 Jahren ist sie die jüngste Ustermer Gemeinderatspräsidentin. - ZVG

Es ist kurz nach Mittag. Nach vielen regnerischen Tagen schaffen es die ersten Sonnenstrahlen durch die aufgelockerte Wolkendecke. Ein Grund für Anita Borer, ihren Kaffee im «Blaser’s» draussen zu geniessen. «Uster hat so viel zu bieten, da muss man gar nicht weit weg.»

Die SVP-Politikerin, die seit April 2021 das Präsidium des Gemeinderats innehält, ist eine Ustermerin durch und durch. «Uster ist zwar die drittgrösste Stadt im Kanton, dennoch geht man umgangssprachlich ‹ins Dorf› einkaufen.» Der sympathische Dorfcharakter mache die Stadt zu etwas ganz Speziellem – auch politisch.

Weg in Lokalpolitik

Es ist nicht verwunderlich, dass Anita Borer ihren Weg in die Ustermer Lokalpolitik gefunden hat. Seit 2011 sitzt sie im Gemeinderat, dessen Präsidium sie im April 2021 für ein Jahr angetreten ist. «In der Gemeindepolitik fühle ich mich den Menschen näher. Ich habe das Gefühl, so direkter etwas bewegen zu können.»

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Anita Borer (3.v.l.) zeigt sich engagiert auf der Strasse am Vereinstag der Stadt Uster. - ZVG

Der politische Fokus sei durch die Grösse nochmals ein Spezialfall. «In einer Stadt hat man andere Herausforderungen als in einer kleineren Gemeinde. Durch das stetige Wachstum sind in Uster die Themen Infrastruktur und Verkehr sehr präsent und werden zunehmend anspruchsvoller. Da braucht es pragmatische Lösungen, ohne die Finanzen übermässig zu strapazieren. Denn schliesslich geht es bei allen Entscheiden auch um Steuergelder.»

Als Gemeinderatspräsidentin hat es sich die 35-Jährige zum Ziel gesetzt, die offene Meinungsbildung weiter zu fördern. «Als Präsidentin vertrete ich den Gemeinderat als Ganzes.» Wichtig sei, dass jeder frei seine Meinung äussern darf. Kontroverse Diskussionen seien wichtig, um einander besser zu verstehen und vielleicht auch um den eigenen Standpunkt mit neuen Inputs nochmals zu überdenken.

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Die aktuelle Gemeinderatspräsidentin bei der Vorrede am Ustertag 2009. - ZVG

«Ich schätze es, wenn Leute eine klare Meinung haben und diese auch äussern, ohne andere Meinungen zu verurteilen. Dies gehört zu unserer demokratischen Schweiz.»

Nahbarkeit als wichtige Eigenschaft

In ihrer Politikkarriere hatte Anita Borer nie grossen Ambitionen. Zu Beginn sei sie «einfach hineingerutscht». Heisse Diskussionen und Debatten über aktuelle Themen habe es am Esstisch bei Familie Borer schon immer gegeben.

Mit 18 Jahren und der damit neu erlangten Volljährigkeit wollte sich Anita Borer aktiv am politischen System beteiligen. «Schliesslich ist es ein Privileg, dass wir in unserem Land so viel mitbestimmen können. Wir alle sind die Schweizer Politik.»

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Angefangen hat Anita Borer (2.v.l.) 2005 in der JSVP. - ZVG

Über die Jahre hinweg hielt die SVP-Politikerin diverse Ämter inne. Sie war unter anderem Präsidentin der JSVP Kanton Zürich, acht Jahre lang Kantonsrätin und Präsidentin der SVP Uster. Jungen Frauen, die heute den Einstieg in die Politik suchen, empfiehlt sie vor allem eines: Offenheit.

«Die erste Hürde ist, jemanden kennenzulernen, der bereits in diesem System drin ist. Politiker – vor allem auf lokaler Ebene – sind grundsätzlich bereit, mit jemandem einen Kaffee trinken zu gehen und so gewisse Berührungsängste zu nehmen.»

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Velofahren für einen guten Zweck am Gentlemen-Grandprix. - ZVG

Diese Nahbarkeit gehöre für Anita Borer zu einer der wichtigsten Eigenschaften in der Politik. «Das macht unser System in der Schweiz aus und das sollte man pflegen, schliesslich repräsentieren wir das Volk und werden auch von ihm gewählt.»

Anita Borer: Nicht nur Politikerin

Anita Borer ist nicht nur als Politikerin, sondern auch als selbstständige Unternehmerin tätig. Genau in diesem Bereich möchte sie sich künftig noch weiter festigen. «Ich habe mir mit der Selbstständigkeit einen Traum erfüllt, in dem ich meine Bestimmung gefunden habe.»

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Anita Borer (rechts) beim Unterschriftensammeln für Tankstellenshops 2009. - ZVG

Doch auch politisch sei noch kein Karriereende in Sicht. Die 35-Jährige möchte weiterhin aktiv bleiben und Perspektiven offen lassen. Schliesslich gebe es diverse Möglichkeiten, sich zu engagieren.

«Man kann scheitern, aber man sollte es wagen. Uster und die Schweiz braucht Politikerinnen und Politiker, die mit beiden Beinen im Leben stehen und ihre Erfahrungen aus Beruf, Familie und Freizeit in die Politik tragen. Darum ist unser Milizsystem so wichtig und dass sich jede und jeder auch freiwillig für die Gesellschaft engagiert.»

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