Im kommenden Jahr erarbeitet die Stadt Thun in einem partizipativen Prozess eine Klimastrategie.
Solarpanels Strandbad Thun
Solarpanels Strandbad Thun. - Foto: Stadt Thun / Peter Jost

Die Stadt Thun erarbeitet einen Prozess zur Klimastrategie. Darauf aufbauend sollen unter Einbezug der Bevölkerung und mit Unterstützung des Bundes drei smarte Klimaprojekte umgesetzt werden. Am 21. Januar befindet der Stadtrat über den Verpflichtungskredit für beide Vorhaben.

Der Thuner Gemeinderat betreibt eine aktive Klima- und Energiepolitik. Bereits zum Start der aktuellen Legislatur setzte er sich zum Ziel, das Label Energiestadt Gold zu erreichen. Im Juni 2019 rief der Thuner Stadtrat aufgrund eines Jugendvorstosses den Klimanotstand aus. Der Gemeinderat bekannte sich im Anschluss zum Ziel Netto-Null 2050. Dies führte zu zahlreichen Vorstössen und Vorschlägen der Stadtratsmitglieder für Klimaschutzmassnahmen. 2020 beschloss der Gemeinderat einen Verpflichtungskredit für die Erarbeitung einer Klimastrategie. Sie soll aufzeigen, wie die Stadt Thun das Ziel Klimaneutralität bis 2050 erreichen kann. Aufbauend auf dem Grundlagenbericht soll die Klimastrategie im kommenden Jahr unter Einbezug von Politik, Wirtschaft, Fachpersonen und der Bevölkerung erarbeitet werden. Als Smart City setzt die Stadt Thun dabei auch auf neue Methoden und Massnahmen.

Grundlagenbericht als Basis

Im letzten Jahr erarbeitete die Stadt Thun in Zusammenarbeit mit der Energie Thun AG unter externer Fachberatung den Grundlagenbericht für die Klimastrategie. Der Bericht zeigt den Absenkpfad zur Klimaneutralität für die Stadt Thun auf sowie deren Handlungsmöglichkeiten und Grenzen, z.B. in den Bereichen Gebäude, Mobilität, Energieversorgung, Reglemente. Durch eine Konsultation bei Politik, Wirtschaft und Verbänden wurde der Bericht einem Realitäts-Check unterzogen.

Partizipativer Prozess startet 2022

Für den Gemeinderat ist es zentral, dass nebst Verwaltung und Politik auch die Wirtschaft und die breite Bevölkerung die städtische Klimastrategie mittragen. Das Ziel Netto-Null 2050 kann nur gemeinsam erreicht werden. Daher ist die Stadt auf die Mitwirkung angewiesen – vom privaten Konsumverhalten, über wirtschaftliche Tätigkeiten der Unternehmen bis hin zu politischen Entscheiden.

Deshalb soll im Rahmen des partizipativen Prozesses unter Einbezug wirtschaftlicher und politischer Akteurinnen und Akteure eine Roadmap (ein chronologischer Zeitplan) erarbeitet werden, die den Absenkpfad bis 2050 und die zentralen Handlungsfelder aufzeigt. Ergänzend dazu wird ein erster Aktionsplan die Massnahmen für die Jahre 2023-2026 in den verschiedenen Handlungsbereichen festlegen.

Damit hat der Gemeinderat ein Instrument in der Hand, das in der ersten Periode konkrete Massnahmen vorgibt, für die längerfristige Planung aber Spielraum lässt, um auf Markt- und Umweltgeschehen agil zu reagieren. Die weiteren Aktionspläne folgen in einem Vierjahresrhythmus. Die klimapolitischen Vorschläge sowie die Rückmeldungen aus der Konsultation werden in die Klimastrategie mit einfliessen.

Thun gewinnt Zuschlag für Fördergelder

Zur Unterstützung der Gemeinden bei der Zielerreichung Netto-Null-2050 startete das Bundesamt für Energie (BFE) im Mai 2021 eine neue Projektförderung. Dieses Jahr bewarben sich gut 330 Gemeinden in verschiedenen Kategorien. Die Kategorie «Front Runner» ist auf die Ambitioniertesten zugeschnitten, die bereits eine Smart-City- und eine 2000-Watt-/Netto-Null-Strategie verfolgen. Die Stadt Thun gehört nebst Winterthur, St. Gallen, Burgdorf und Schaffhausen zu den Gewinnerinnen. Sie erhält für die Umsetzung der Klimastrategie und drei darauf aufbauender Klimaprojekte eine Unterstützung von 181'200 Franken.

Drei neuartige Projekte

Um die Bevölkerung in geeigneter Form zu involvieren und motivieren, entwickelte die Stadt Thun im Rahmen der «Front Runner»-Eingabe drei Projekte mit erweiterter Beteiligung:

1. Aufbau eines «Reallabors»:

Dies ist ein Forum für Innovationen, in dem verschiedene Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft, Behörden und Politik gemeinsam innovative, klimafreundliche Technologien, Produkte, Dienstleistungen oder Ansätze erproben können. Ziel ist es, die Bevölkerung einzubeziehen und unterschiedliche Akteurinnen zusammenzubringen.

2. Beratungsangebot zum Umstieg auf erneuerbare Heizsysteme

unter Einbezug der individuellen Bedürfnisse der Hauseigentümerinnen und -eigentümer und der Angebote der lokalen Partnerorganisationen (z.B. Banken, Versicherungen, Energieversorger).

3. Durchführung einer Projektausschreibung:

Die Bevölkerung kann konkrete Klimaprojektideen eingeben. Via Voting entscheiden die Thuner, welche Projekte umgesetzt werden. Alle drei Klimaprojekte verfolgen einen längeren Zeithorizont. Insbesondere das «Reallabor» soll institutionalisiert werden und längerfristig in ein selbständiges Gefäss überführt werden. Mit der Umsetzung der drei Projekte kann die Stadt Thun zur Vorreiterin im Kanton Bern werden, wo es noch keine vergleichbaren Projekte gibt.

Für die Erarbeitung der Klimastrategie und die Umsetzung der drei Klimaprojekte beantragt der Gemeinderat dem Stadtrat einen Verpflichtungskredit von 429'000 Franken. Das Parlament befindet am 21.Januar darüber.

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