Die Rechnung 2020 schliesst bei einem Umsatz von CHF 72,2 Millionen mit einem Überschuss von CHF 5'782'456.38 ab.
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Nach Bezahlung der Investitionen und Anlagetätigkeit sowie Rückzahlung eines langfristigen Darlehens reduzierten sich die flüssigen Mittel um CHF 387'000.00. Es bestehen keine Schulden bei Dritten mehr. Das operative Ergebnis hat sich gegenüber 2019 um CHF 4,3 Millionen verschlechtert. Die Leistungsfähigkeit hat stark abgenommen.

Die Gemeinde investierte brutto CHF 2,6 Millionen und generierte Investitionseinnahmen von CHF 2,5 Millionen. Die Nettoinvestitionen betragen somit nur CHF 134'000.00. In den Investitionseinnahmen ist eine Mehrwertabgabe von CHF 1,3 Millionen enthalten. Einige Projekte konnten wegen zeitlicher Verzögerungen nicht wie geplant umgesetzt werden. Ein Vorhaben wurde unter der Aktivierungsgrenze realisiert und der Erfolgsrechnung belastet.

Den deutlich tieferen Steuererträgen stehen ebenfalls tiefere Ausgaben für Personal- und Sachaufwand, Abschreibungen und Lastenverteilungsbeiträge gegenüber. Höhere buchmässige Finanzerträge aus Marktwertanpassungen und Entnahmen aus Vorfinanzierungen und der Neubewertungsreserve haben zu einem gegenüber dem Budget um CHF 1,2 Millionen besseren Ergebnis geführt.

Die Jahresrechnung im Detail

Die Rechnungslegung der Gemeinde soll möglichst ohne Glättungseffekte durch Vorfinanzierungen erfolgen. Das Finanzvermögen wird zu Marktpreisen bewertet. Je nach Anlagetätigkeit, Entwicklung der Liegenschafts- und Aktienmärkte sowie Veränderungen bei den Bewertungen per Stichtag können grosse Abweichungen zwischen Budget und Rechnung entstehen. Folglich sind diese Abweichungen eine Auswirkung der Transparenz und nicht der Qualität der Budgetierung oder Rechnungslegung. Massgebend für die Leistungsfähigkeit und finanzpolitische Steuerung ist nicht das Rechnungsergebnis, sondern die Geldflussrechnung und die Entwicklung der Liquidität sowie des Fremdkapitals.

Per 1. Januar 2020 wurde die ehemalige Gemeinde Schwendibach in die Gemeinde Steffisburg eingemeindet. Als Folge des Coronavirus wurden verschiedene Massnahmen im Umfang von rund CHF 200'000 getätigt, die direkt der Bevölkerung, den Gewerbetreibenden oder Mietern zu Gute kamen.

Dem Ertragsüberschuss von CHF 5,8 Millionen steht ein negativer Geldfluss von minus CHF 387'000 gegenüber, welcher aus den flüssigen Mitteln gedeckt wurde. Ein Darlehen von CHF 5,0 Millionen wurde aus der Liquidität amortisiert. Das Finanzvermögen ist höher als das Fremdkapital. Pro Einwohner besteht ein Nettovermögen von CHF 3'235.

Der Steuerertrag fällt CHF 1'689'000 oder 4,1 % tiefer aus als budgetiert. Bei den natürlichen Personen betragen die Mindererträge CHF 346'000 und bei den juristischen Personen CHF 1'776'000. Die einmaligen Steuern (Vermögensgewinne, Erbschafts- und Schenkungssteuern) übersteigen das Budget um CHF 430'000.

Der Aufwand für die Verbundaufgaben (Lastenverteilungssysteme) für Gehaltskosten der Volksschule, Ergänzungsleistungen, den öffentlicher Verkehr, die Familienzulagen Nichterwerbstätige, Sozialhilfe und Neue Aufgabenteilung beträgt CHF 21,8 Millionen und beansprucht 55,1 % des Steuerertrages. Der Aufwand ist CHF 712'000 tiefer als erwartet.

Der Gemeinderat hat sich mit dem Rechnungsergebnis auseinandergesetzt. Steffisburg verfolgt seit mehreren Jahren eine bewusste Steuerung über die Selbstfinanzierung sowie die Geldflussrechnung und damit verbunden über eine tiefe Fremdverschuldung bzw. Zinsbelastung. Nur diese ist nachhaltig und sichert den erforderlichen Handlungsspielraum. Positive Ergebnisse und somit Bilanzüberschüsse sind keine zuviel bezogenen Steuern, da sie geldmässig nicht zur Verfügung stehen. Sie stellen das Nettovermögen der Gemeinde dar.

Mit dem Hochwasserschutz an der Zulg, dem Neubau einer Schul-, Kultur- und Sportanlage sowie dem Erhalt der bestehenden Schulinfrastrukturen stehen grosse Investitionsprojekte an. Sie werden die Erfolgsrechnung entsprechend mit hohen Folgekosten belasten. Das Coronavirus hat eine grundlegend neue Situation geschaffen. Die Steuererträge aber auch erwarteten Ertragsausfälle sind kaum abzuschätzen. Der aktuelle Finanzplan weist ein nicht tragbares Ergebnis aus. Der Gemeinderat ist dankbar für die solide Ausgangslage. Er steht aber vor der anspruchsvollen Aufgabe, mit verschiedenen Massnahmen eine vertretbare Neuverschuldung sicherzustellen, die sowohl die notwendigen Investitionen wie auch die Auswirkungen des Coronavirus berücksichtigen.

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