Wie die Gemeinde Widnau schreibt, sind die Bewohner des Alterszentrums Augiessen laut einer Zufriedensheitsbefragung mit dem Haus sehr zufrieden.
Hand Senior
Jemand hält die Hand eines Senioren (Symbolbild). - DPA

Welches Alterszentrum kommt auf die Idee, eine Zufriedenheitsbefragung mitten in der Pandemie durchzuführen? Das Widnauer Haus Augiessen hat es gewagt – und bei den Bewohnenden ein ausserordentlich erfreuliches Resultat erzielt.

In den Altersheimen waren die strengen Schutzmassnahmen des Bundes zu befolgen. Nicht alle Angehörigen brachten dafür Verständnis auf. In Teilen der Bevölkerung gingen die Wogen hoch.

Trotzdem gab das Alterszentrum Augiessen Ende Juli 2020 eine Umfrage bei der unabhängigen terzStiftung in Auftrag. Befragt wurden die Bewohnenden, Angehörigen und Mitarbeitenden dann im ersten Halbjahr 2021 – mitten in der Krise also.

Diese Pandemie-Situation sei bei den Ergebnissen zu berücksichtigen, betonte der Präsident der terzStiftung, René Künzli, bei der Präsentation der Ergebnisse letzte Woche.

Fast bedingungslose Weiterempfehlungsquote

26 Bewohnende nahmen an der Umfrage teil. 96 Prozent von ihnen empfehlen das Haus bedingungslos oder mit gewissen Einschränkungen weiter. «Einen so hohen Wert habe ich noch nie gesehen», sagte Künzli.

«Ich freue mich für Sie, dass Sie sich so wohlfühlen in diesem Haus, dass Sie hier zu Hause sind und dass Sie die hohe Wertschätzung und Liebe spüren, die Ihnen entgegengebracht werden.» Und ans Personal gewandt meinte er: «Das ist eure Leistung, das ist die Anerkennung der Bewohnenden.»

Sehr gute fachliche und menschliche Qualität

Während alle Bewohnenden mit der Gruppenaktivierung und der Sauberkeit zufrieden sind, sind es beim Wäscheservice 92 Prozent und beim Essen 90 Prozent. Sehr gut bewertet wurde die fachliche und menschliche Qualität von Mitarbeitenden und Pflegenden.

Die Rechte der Bewohnenden blieben sehr gut gewahrt. Sehr gute Rückmeldungen an das Haus gab es von den Bewohnern auch zum Umgang mit der Pandemie. René Künzli: «Die gute Bewertung zeigt, dass in der Krisenzeit sehr viel Kraft investiert worden ist.» Dies sei vermutlich gegen aussen zu wenig kommuniziert worden, was die unterschiedliche Wahrnehmung von Bewohnenden und Angehörigen erklären könnte.

Unterschiedliche Einschätzungen der Angehörigen

Dass die Einschätzungen der Angehörigen und der Bewohnenden differieren, das gebe es in allen Institutionen, weiss der Präsident der terzStiftung als Branchenkenner. Die Bewohner finden oft auch ganz andere Aspekte wichtig als die Angehörigen. Doch ist die Differenz bei der Umfrage im «Augiessen» auffällig.

So sind die Bewohnenden ganz erheblich zufriedener als die Angehörigen. Bemängelt wurde vor allem die Information über wichtige Vorgänge im Haus. «Es kann durchaus sein, dass sich in der Corona-Zeit die Angehörigen mit Corona-Schutzmassnahmen und Einschränkungen im Haus Augiessen schwerer getan haben als die Bewohnenden selbst», vermutet der Präsident der terzStiftung.

Ziel der Umfrageergebnisse

Yvonne Naef, Leiterin Zentrum Augiessen, freut sich über die hervorragende Gesamtbewertung, nimmt aber auch die kritischen Voten ernst: «Die Befragung soll uns weiterbringen. Deshalb wollten wir wissen, wo wir uns verbessern können.»

Ein Coaching mit einem externen Berater und interne Weiterbildungen sollen die Fachlichkeit der Mitarbeitenden stärken. Ausserdem wird der Kontakt mit den Angehörigen intensiviert. Künftig werden die Ansprechpersonen der Bewohnenden einmal pro Monat schriftlich orientiert.

Darüber hinaus erhalten sie Gelegenheit, sich an jährlich zwei Informations- und Themenanlässen umfassend zu informieren. Um vermehrt nicht nur Gruppen-, sondern auch Einzelaktivierungen anbieten zu können, bildet das Haus Augiessen ab dem Frühjahr 2022 eine weitere Aktivierungstherapeutin aus.

«Dass Sie uns so gute Noten gegeben haben, macht mich stolz und ich freue mich sehr für das Augiessen-Team», bedankte sich Gemeindepräsidentin Christa Köppel bei den Bewohnern, bevor alle zum Apéro übergingen, um das gute Resultat zu feiern.

Qualitätsentwicklung als Daueraufgabe

Die unabhängige terzStiftung in Berlingen setzt sich seit 2008 als Interessenvertreterin für ein selbstbestimmtes, aktives Leben im Alter ein. Sie ermittelt Bedürfnisse, lanciert Kampagnen und führt Projekte zur Schaffung generationengerechter Lösungen durch.

Mit dem terzLabel zeichnet die terzStiftung Heimbetriebe aus. Mit dem Prozess zur Erreichung des Labels orientieren sich Heime an einem modernen Qualitäts­verständnis. Qualitätsentwicklung ist eine Daueraufgabe, das Erreichte wird an Ergebnissen gemessen.

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