St. Gallen

    St. Gallen: 112 Absolvierende der OST erhalten ihr Diplom

    101 Bachelor- und elf Masterstudierende der Pflege und Physiotherapie haben an der OST in St. Gallen am 29. Oktober ihr Diplom erhalten.

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    Blick auf die Stiftskirche St. Gallus und St. Otmar in der Stadt St. Gallen (Symbolbild) - Nau.ch / Simone Imhof

    Nahe am Menschen arbeiten, wissenschaftlich fundiert handeln und Verantwortung im Gesundheitswesen übernehmen – dieser Berufswunsch kann sich nun erfüllen: 101 Bachelor- und elf Masterstudierende der Ostschweizer Fachhochschule feierten am 29. Oktober 2026 ihren erfolgreichen Studienabschluss. Es gab viele Spitzenleistungen zu würdigen.

    «Wer kann von sich sagen, dass sein Beruf von Menschen dringend gebraucht wird – wenn es ihnen schlecht geht und sie Hilfe benötigen?». Diese Frage stellte Prof. Dr. Birgit Vosseler, Leiterin des OST-Departements Gesundheit, in ihrer Diplomansprache. Sie gratulierte den Absolventinnen und Absolventen zu ihrer Berufswahl: «Gesundheitsberufe eröffnen lebenslange Bildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten – und sind für die Gesellschaft nützlich».

    Pflege und Physiotherapie bleiben «systemrelevant» – unverzichtbar für die Bevölkerung und das öffentliche Leben. Beide Berufe lassen sich nicht ersetzen durch künstliche Intelligenz. Sie ermöglichen «Nähe, Sorge und Empathie auf wissenschaftlicher Grundlage. Es geht darum, Menschen forschungsbasiert zu betreuen, zu begleiten, und zu therapieren», so Birgit Vosseler.

    Sie ermutigte die Absolventinnen und Absolventen, selbstbewusst zu sein – und stolz auf ihren Beruf: «Denke Sie gross. Nutzen Sie die Chancen der Gesundheitsberufe, um sich so zu entwickeln, wie sie möchten. Das ist die schönste Motivation für Ihren Beruf – auch wenn es manchmal mühsam ist». Immer wieder gibt es Momente, die zeigen: Es lohnt sich – wenn im Gesicht der Patientinnen und Patienten Erleichterung und Freude sichtbar sind.

    Das Leben betroffener Menschen spürbar zu verbessern – dieser Ansporn zeigte auch in den Abschlussarbeiten.

    «Fremd im eigenen Körper»

    Wie erleben Männer ihren Körper nach einer chirurgischen Magenentfernung infolge einer Krebserkrankung? Dieser Frage ging Lëndine Mustafa in ihrer Masterarbeit nach. Sie befragte Betroffene nach ihren Erfahrungen.

    «Immer denkst du: Das ist nicht mein Körper. Irgendwie bist du fremd in deinem Körper», sagte ein Interviewpartner. Gewichtsverlust, Schwäche, Fatigue und veränderte Körperreaktionen – all das verändert die Beziehung zum eigenen Körper. Der Blick der Mitmenschen spielt eine grosse Rolle: Weicht der Körper von gesellschaftlichen Erwartungen ab, wird das soziale Umfeld aufmerksam: Warum bist du so dünn? Die Folgen der Krankheit bleiben nicht privat. Sie werden öffentlich sichtbar. Nicht immer ist die männliche Identität bedroht.

    Oft wird «Überleben» wichtiger als «Mann-Sein» im Sinne von Stärke, Leistungsfähigkeit, Kontrolle und Autonomie.

    Wie könnte eine patientenzentrierte Versorgung der Betroffenen aussehen? Lëndine Mustafa betonte:

    Sensible Themen sollten zur Sprache kommen: das Erleben des eigenen Körpers, die veränderte Identität und der 'Riss' im eigenen Selbstverständnis. Langfristige psychosoziale Begleitung ist wichtig. Peer-Support kann Orientierung, Verständnis und emotionale Entlastung bieten. Nicht nur den Körper verändert sich.

    Die gesamte Lebenswelt und Lebensgeschichte sind betroffen: «Man wird nie wieder so sein wie früher», sagte ein Betroffener.

    Wegweisende Wissenschaft

    Höhepunkt der Feier war die Übergabe der Diplome an die Absolventinnen und Absolventen. Anschliessend erfolgte die Prämierung herausragender Abschlussarbeiten. Fünf Bachelorthesen und eine Masterthesis hatte der Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (Sektion St. Gallen-Thurgau-Appenzell) als preiswürdig ausgewählt.

    Wie können Pflegefachpersonen Menschen mit Makuladegeneration bei der Therapie unterstützen? Wie lässt sich die Belastung von Angehörigen verringern, wenn ein Familienmitglied mit Demenz aggressiv, unruhig oder apathisch wird? Fragen wie diese standen im Zentrum der prämierten Arbeiten.

    Von Seiten der Dr. Hans Altschüler Stiftung zeichneten Irma Graf, Präsidentin des Stiftungsrates, und Dr. Urs Hess, Mitglied des Stiftungsrates, die Masterthesis von Lëndine Mustafa aus.

    Als Ratsmitglied der Stiftung Chirurgie prämierte Nicole Mösli zwei Abschlussarbeiten zum Thema «Leben mit einem Stoma». Anouk Wüthrich untersuchte in ihrer Bachelorthesis die Selbsthilfe als Ressource im Alltag mit einem Stoma. Menschen mit Darmkrebs und einer Stoma-Anlage standen im Zentrum der Masterarbeit von Sarah Bruderer. Sie erforschte den Informationsbedarf der betroffenen Personen: Wie erleben sie Edukation als Grundlage der Alltagsbewältigung?

    Alle prämierten Arbeiten machten deutlich: Pflegewissenschaft ist essenziell – ihre Ergebnisse können das Leben der Betroffenen spürbar verändern.

    Physiotherapie durch Forschung voranbringen

    Wie wirkt hochintensives Krafttraining bei jungen Frauen mit der Diagnose «Anorexia nervosa»? Verbessert sich dadurch die muskuläre Leistungsfähigkeit? Diese Frage untersuchte Chanel Brenner in ihrer Bachelorthesis.

    Achtzig Prozent der betroffenen Frauen zeigen exzessives Trainingsverhalten. Um weiteren Gewichtsverlust zu verhindern, wird oft Bettruhe verordnet. Dies kann jedoch kontraproduktiv sein.

    Eine Studienanalyse zeigte: Training verbessert die Kraftwerte – ohne das Gewicht weiter zu reduzieren.

    Bei Patientinnen in körperlich stabilem Zustand erweist sich das Training als umsetzbar. Um Leitlinien für die Praxis zu entwickeln, sind jedoch weitere Studien nötig. Diese Arbeit erhielt eine Auszeichnung durch «Physioswiss» – überreicht durch Christian Wild, Präsident des «Physioswiss»-Regionalverbandes St. Gallen-Appenzell.

    Er prämierte auch die Bachelorthesis von Lea Hiltbrunner. Sie untersuchte «High-Intensity Interval Training» (HIIT) als mögliche Therapiemethode bei Studentinnen mit menstruationsbedingtem Schmerz («primäre Dysmenorrhoe» ohne organische Ursache). In der Schweiz sind über 85% der jungen Frauen von starken Menstruationsschmerzen betroffen.

    Eine Literaturanalyse machte deutlich: HIIT ist als Trainingsform an Hochschulen in der Schweiz in angepasster Form potenziell praktikabel. Erforderlich sind jedoch weitere Studien.

    Die beiden ausgezeichneten Arbeiten zeigten: Forschung in der Physiotherapie kann Trainingsformen voranbringen – und Betroffenen neue Wege ermöglichen.

    Herzlichen Glückwunsch

    Die Diplomfeier endete erstmals mit einem «Poster Walk». Zehn Absolventinnen der-Bachelorstudiengänge stellten ihre Arbeiten in Form eines Posters vor. Die Vielfalt der Themen und Fragestellungen machte deutlich: Hier eröffnen mutige Vorreiterinnen neue Optionen in der Pflege und Therapie.

    Die Ergebnisse können nun in der Praxis zum Tragen kommen – zum Nutzen der betroffenen Personen.

    Das Departement Gesundheit gratuliert allen Absolventinnen und Absolventen zu ihren beeindruckenden Leistungen.

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