In St. Gallen wurden bisher rund 500 ukrainische Flüchtlinge in privaten Haushalten untergebracht.
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Geflüchtete aus dem Ukraine-Krieg in der Schweiz. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • St. Gallen unterstützt Gemeinden bei der Integration ukrainischer Flüchtlinge.
  • Insgesamt wurden bereits etwa 500 Geflüchtete in Privathaushalten untergebracht.

Der Kanton St. Gallen unterstützt die Gemeinden bei der Integration der ukrainischen Flüchtlinge. Der St. Galler Regierungsrat Fredy Fässler (SP) zeigte sich am Dienstag vor den Medien beeindruckt von der gewaltigen Solidarität in der Bevölkerung.

«Wir erleben eine humanitäre Katastrophe mitten in Europa», sagte der Vorsteher des Sicherheits- und Justizdepartements. Es werde gewaltig viel geleistet, um den Menschen zu helfen. Aus dem Kanton St. Gallen seien 110 Tonnen Hilfsgüter an die Grenzen der Ukraine geschickt worden.

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Fredy Fässler (SP), Präsident der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren und St. Galler Regierungsrat. - Keystone

Fässler erinnerte an das Jahr 2015, als die Schweiz 50'000 Schutzbedürftige aus Syrien und Afghanistan aufgenommen hat. «Eine solch gigantische Solidarität wie jetzt gab es damals aber nicht», sagt Fässler. Er vermutet, dass dies mit der Nähe der Ukraine zu tun habe.

60 Personen pro Tag

Nach Angaben des Staatssekretariats für Migration (SEM) wurden bis Montag 11'000 Flüchtlinge aus der Ukraine in der Schweiz registriert. Der Kanton St. Gallen wird davon proportional zur Wohnbevölkerung rund sechs Prozent aufnehmen.

«Wir rechnen mit rund 60 weiteren Personen pro Tag», sagte Fässler. Die Registrierung erfolgt im Kanton St. Gallen im Bundesasylzentrum in Altstätten.

Der Fluchtweg vieler Menschen führe über Buchs oder St. Margrethen, so Fässler: «Es ist alles noch etwas chaotisch.» Zur Vereinfachung der Abläufe habe der Kanton dem SEM angeboten, Registrierungen auch in Buchs vornehmen zu lassen.

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Geflüchtete aus dem Ukraine-Krieg warten am Grenzübergang. (Symbolbild) - dpa

Bisher seien 420 Geflüchtete aus der Ukraine im Kanton St. Gallen von Privatpersonen aufgenommen worden. Die meisten seien Frauen und Kinder, die bei Angehörigen untergekommen sind.

Weitere 60 Menschen aus der Ukraine werden in einem Durchgangszentrum in Kirchberg für die Erstunterbringung betreut. Dafür wurde am vergangenen Donnerstag das leerstehende Altersheim Rosenau geöffnet.

Kapazitäten werden erweitert

Das Zentrum bietet Platz für mindestens 120 Personen. Bis Ende Woche sollen die Kapazitäten auf 200 Plätze ausgebaut werden, sagte Claudia Nef, Geschäftsleiterin des Trägervereins Integrationsprojekte St. Gallen (TISG).

Das Zentrum biete eine optimale Infrastruktur. Einige Frauen hätten bereits den ehemaligen Coiffeursalon in Beschlag genommen. Im Zentrum Rosenau können die Ukrainerinnen und Ukrainer aber nur wenige Tage bleiben, danach werden sie auf die Gemeinden verteilt. «Wir setzen alles daran, dass die Geflüchteten so schnell wie möglich ein Zuhause in der Fremde haben», so Nef.

Die Gemeinden suchten mit Hochdruck nach geeigneten Plätzen. Es sei wichtig, sich registrieren zu lassen. Der Schutzstatus S gewähre den geflüchteten Personen ein weitergehendes Aufenthaltsrecht als das Touristenvisum. Zudem erhielten sie den Zugang zur Sozialhilfe, zu einer Krankenkasse und somit zur Gesundheitsversorgung.

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Flüchtlinge aus der Ukraine. - AFP/Archiv

Der Bund beteiligt sich mit 1500 Franken pro Monat an den Kosten, hiess es. Bei der Finanzierung von Sprachkursen stünden die Kantone mit dem Bund noch in Verhandlungen.

Jedes Kind habe das Recht auf Schulbildung, sagte Bildungschef Stefan Kölliker (SVP). Der Kanton wolle sicherstellen, dass die Flüchtlingskinder eine auf ihre Situation passende Förderung erhielten. In der ersten Zeit in der Schweiz bestehe für ukrainische Kinder noch keine Schulpflicht. «Sie brauchen jetzt erst einmal Schutz und Ruhe», so Kölliker.

Zuständig für die Beschulung sind die Gemeinden. Mit Blick auf die angestrebte Rückkehr in die Heimat sollen die Kinder soweit möglich in ihrer Sprache unterrichtet werden. Der Kanton prüft, ob allenfalls ein Fernunterricht aus der Ukraine funktioniert.

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