Schweiz: 166'300 Menschen mit Demenz – zwei Drittel sind Frauen
In der Schweiz leben 166'300 Menschen mit Demenz. Zum Welt-Alzheimer-Tag am 21. September 2026 fordert Alzheimer Schweiz mehr Prävention und Entlastung.

In der Schweiz leben heute rund 166'300 Menschen mit Demenz, rund zwei Drittel davon sind Frauen. Für sie zeigt sich dabei mitunter eine doppelte Betroffenheit: Sie erkranken häufiger selbst und übernehmen nach wie vor einen grossen Teil der Betreuung und Pflege von Angehörigen mit Demenz; zugleich stellen sie die Mehrheit der Beschäftigten in Gesundheits- und Pflegeberufen. Die Erkrankung betrifft nicht nur Frauen, aber sie betrifft diese oftmals in besonderem Masse.
Was unser Demenzrisiko beeinflusst, wirkt bereits lange vor dem Alter. Neben biologischen und gesundheitlichen Faktoren spielen auch gesellschaftliche Bedingungen und Ungleichheiten über den Lebensverlauf eine Rolle. Anlässlich des Welt-Alzheimer-Tags fordert Alzheimer Schweiz deshalb, Prävention und Früherkennung konsequenter zu stärken, pflegende Angehörige besser zu entlasten und eine bedarfsgerechte Demenzversorgung für alle in der ganzen Schweiz sicherzustellen.
Mehr als eine Frage der Lebenserwartung
Heute versteht die Forschung immer besser, weshalb Frauen häufiger von Demenzerkrankungen betroffen sind. Neben biologischen Faktoren spielen auch gesellschaftliche und gesundheitliche Bedingungen eine Rolle. Die höhere Lebenserwartung von Frauen allein erklärt den Unterschied nicht.
Bildungsbiografien, Care-Arbeit, chronischer Stress, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder finanzielle Ungleichheiten können das Risiko zusätzlich beeinflussen. Viele dieser Faktoren wirken über Jahre oder Jahrzehnte – die Gesundheit unseres Gehirns wird nicht erst im Alter geprägt. Gleichzeitig sind einige davon beeinflussbar.
«Deshalb lohnt es sich, früh in Prävention, Gesundheitsförderung, aber auch in die Chancengleichheit und die Unterstützung pflegender Angehöriger zu investieren. Gleichzeitig sollten gerade Frauen, die häufig viel Verantwortung für andere übernehmen, die eigene Gesundheit und ihre Bedürfnisse nicht aus dem Blick verlieren. Damit stärken wir die Hirngesundheit der gesamten Bevölkerung», sagt Dr. Martine Bourqui, Direktorin von Alzheimer Schweiz.
Demenz betrifft Frauen anders
Demenz ist kein Frauenthema, auch Männer sind als Erkrankte ebenso wie als betreuende Angehörige betroffen. Die gesellschaftliche Rollenbilder verändern sich: Männer übernehmen Verantwortung in der Betreuung ihrer Partnerin oder ihrer Eltern, während Frauen heute häufiger erwerbstätig sind als frühere Generationen. Dennoch leisten Frauen in der Schweiz nach wie vor deutlich mehr Haus- und Betreuungsarbeit.
Umso wichtiger sind Rahmenbedingungen, die Betreuung und Erwerbsarbeit für alle besser vereinbar machen. Prävention, Früherkennung und eine gute Versorgung kommen deshalb Frauen und Männern gleichermassen zugute. Heute gelten rund 45 Prozent der bekannten Risikofaktoren für Demenz als beeinflussbar.
In der Schweiz leben Stand September 2026 166'300 Menschen mit Demenz, jährlich kommen mehr als 35'800 Neuerkrankungen hinzu, die im Schnitt ein bis drei Angehörige mitbetreffen. Dabei ist Demenz eine der teuersten Krankheiten der Schweiz mit geschätzten 11,8 Milliarden Franken jährlich. Die darin versteckten Kosten tragen mit rund 5,5 Milliarden Franken die pflegenden Angehörigen – überdurchschnittlich viele von ihnen Frauen.
Ein gesunder Lebensstil, die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ausreichend Bewegung, soziale Kontakte oder gutes Hören können beispielsweise dazu beitragen, das Risiko zu senken oder den Krankheitsbeginn hinauszuzögern.












