Rapperswil SG: Schriftsteller Gerold Späth kurz vor 87. Geburtstag gestorben
Der Schriftsteller Gerold Späth ist am 14. Oktober kurz vor seinem 87. Geburtstag gestorben. Der in Rapperswil SG geborene Erzähler galt als markante Stimme der Schweizer Literatur.

Der Lenos Verlag trauert um Gerold Späth. Der gefeierte Schriftsteller ist am 14. Oktober kurz vor seinem 87. Geburtstag gestorben, wie uns die Familie mitgeteilt hat.
Gerold Späth wurde am 16. Oktober 1939 als Spross einer Orgelbauerdynastie in Rapperswil am oberen Zürichsee geboren. 1968 begann er mit dem Schreiben. Sein Debütroman Unschlecht (1970), die Geschichte eines kauzigen Erben, dessen Vermögen samt Insel im See die Begehrlichkeiten seiner Mitbürger weckt, knüpfte an den barocken Schelmenroman an.
Das Buch machte den jungen Autor weit über die Schweiz hinaus bekannt und brachte ihm noch im selben Jahr den Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis ein.
In den Siebziger- und Achtzigerjahren wurde Späth zu einer der markantesten Stimmen der Deutschschweizer Literatur. Auf Stimmgänge (1972), Die heile Hölle (1974) und Balzapf oder Als ich auftauchte (1977) folgte Commedia, für deren Manuskript er 1979 als Erster den von Günter Grass gestifteten Alfred-Döblin-Preis erhielt. Das 1980 erschienene Buch, ein an das barocke Welttheater erinnerndes Zeitpanorama aus über zweihundert Selbstporträts von Menschen aller Gesellschaftsschichten, das in einem imaginären Museumsrundgang mündet, gilt als sein Hauptwerk und wurde in Köln und Zürich auch auf die Bühne gebracht.

Mit Sindbadland (1984) und Barbarswila (1988), einer grotesken Chronik seiner kaum verhüllten Heimatstadt, setzte er diese Reihe grosser Prosawerke fort.
Späth war ein Fabulierer von barocker Fülle, voller Sprachlust, derber Komik und abgründiger Melancholie. Wie Gottfried Keller in Seldwyla fand er in der Kleinstadt am See die ganze Welt: Rapperswil ist der Raum, in dem meine Geschichten wohnen, sagte er. Mit unbestechlichem Blick und unbändigem Vergnügen am Grotesken spürte er der Enge, der Selbstgerechtigkeit und der Doppelmoral der heilen Schweizer Welt nach und hielt in einer Zeit, in der die Literatur vielfach zur nüchternen Selbsterkundung neigte, unbeirrt an der Lust am Erzählen fest.
Leiser wurde sein Ton im Spätwerk, etwa in den Aufzeichnungen eines Fischers, die seit 2006 im Lenos Verlag erschienen sind.
Der Autor wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1992), dem Kulturpreis des Kantons St. Gallen (2002) und dem Gottfried-Keller-Preis (2010). Sein umfangreiches Werk umfasst Romane, Erzählungen, Hörspiele und Theaterstücke. Er lebte in Italien, Irland und in Rapperswil. Mit Gerold Späth verlieren wir einen grossen Erzähler.










