Jedes Frühjahr stehen die Eschenbacher Jagdgesellschaften im Einsatz, um Jungtiere vor dem Mähtod zu retten.
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Ein Reh in der Natur. (Symbolbild) - keystone

Wie die Gemeinde Eschenbach berichtet, stehen jedes Frühjahr die Eschenbacher Jagdgesellschaften im Einsatz, um Jungtiere vor dem Mähtod zu retten. Die Landwirtschaftsbetriebe, Jagdvereine und freiwilligen Helferinnen und Helfer blicken auf eine besonders intensive Saison zurück.

Rehe und Hasen legen ihre Jungen gerne im hohen Gras ab, wo sie von Füchsen oder Greifvögeln gut getarnt sind. Für die kleinen Tiere ist eine Flucht bei Gefahr nicht möglich. So ducken sie sich ins dichte Gras und bleiben auch unentdeckt, wenn die Mähmaschine kommt. Die Folgen sind verhängnisvoll, auch für am Boden brütende Vögel, Hasen, Füchse, Katzen.

Verschiedene Methoden kommen zum Einsatz

Insbesondere im Frühsommer (von Ende April bis Anfang Juli) sollen die Wiesen vor dem Mähtermin «verblendet» werden. Mit verschiedenen Mitteln werden die Muttertiere dazu gebracht, ihre in der Wiese abgelegten Jungen abzuholen und an einen sicheren Ort zu bringen. Dabei sind insbesondere Wiesen in Wald oder Waldrandnähe betroffen.

Teilweise hilft es schon, wenn die Landwirte die Felder mit der Handmaschine «aufmähen». Dabei wird am Vortag ein rund zwei Meter breiter Streifen rund um das besagte Feld gemäht. Dadurch fühlen sich die Muttertiere alarmiert und bringen ihre Jungen in Sicherheit.

Enge Zusammenarbeit mehrerer Stellen

Um Wildunfälle möglichst zu vermeiden, können die Bauern auf das kostenlose Engagement der Jagdgesellschaften zurückgreifen. Idealerweise geben sie der lokalen Kontaktperson (siehe Kasten) rechtzeitig vor dem geplanten Schnitt Bescheid und zeigen auf, welche Wiesen gemäht werden sollen. So können die Jagdgesellschaften die in der Saison knappe Zeit effizient planen.

Die Jagdgesellschaften unterstützen dann die Bauern, indem sie verschiedene Massnahmen einleiten. Ziel ist es auch hier, die Muttertiere zu stören, damit sie ihre Jungtiere von der zu mähenden Wiese entfernen. Dazu werden mehrere Stecken mit weissen Fahnen auf dem Gebiet verteilt, welche sich im Wind bewegen. Teilweise werden auch Duftsprays eingesetzt.

Drohnen die Leben retten

Immer öfter kommen bei der Rettung der Rehe auch Drohnen mit Wärmebildkameras zum Einsatz. Durch einen systematischen Abflug zeigt sich innert kurzer Zeit, ob sich in einem Feld noch Jungtiere aufhalten.

Wenn möglich werden die Drohnenpiloten bereits am Vorabend für einen «Kontrollflug» aufgeboten, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Am effektivsten ist jedoch ein «Ernstflug», der möglichst kurz vor dem Mähen stattfindet. Zeigen sich dabei noch Tiere im Gras, werden sie mit Schutzhandschuhen in Sicherheit gebracht und nach dem Mähen wieder in die Freiheit entlassen.

Intensive Saison 2021

Die vergangene Saison war für die Rehkitzrettung besonders intensiv. Dies hängt stark mit dem Wetter zusammen. Der Mai 2021 war regnerisch, sodass an den ersten schönen Tagen fast alle Landwirtschaftsbetriebe gleichzeitig ihre Felder mähen wollten. Zudem fiel dieses Zeitfenster ziemlich genau mit der «Setzzeit» der Rehe zusammen.

Entsprechend gefordert waren die Jagdgesellschaften und die Drohnenpiloten. Sie waren mit Hochdruck unterwegs, um möglichst viele Felder zu «säubern». Dank diesem Engagement konnten dieses Frühjahr besonders viele Tiere gefunden und vor dem Mähtod gerettet werden.

Grosser ehrenamtlicher Einsatz

Im Eschenbacher Gemeindegebiet wurden dieses Jahr schätzungsweise 800 HA Land durch diese moderne Drohnen-Technik abgesucht und dadurch konnten mehr als 50 Tiere deplatziert und vor einem qualvollen Tod bewahrt werden. Dabei geht es weniger um die absoluten Zahlen. Für die Beteiligten ist jede «saubere» Fläche ein Erfolg.

Durch ihren freiwilligen Einsatz leisten die Jagdgesellschaften und auch die Drohnenpiloten einen wichtigen Beitrag zum Tierwohl. Letztere investieren neben ihrer Zeit oftmals auch beachtliche finanzielle Mittel in die Anschaffung ihrer Ausrüstung. Doch auch das Engagement der Landwirte ist essentiell zum Schutz der Tiere.

Die Jagdgesellschaften danken den Landwirtschaftsbetrieben für die gute Zusammenarbeit und freuen sich, auch im nächsten Jahr wieder für sie im Einsatz zu stehen.

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