Berg TG: Wiedervernässtes Feuchtgebiet trotzt der Trockenheit
Im Gebiet Gampen gibt der Kanton Thurgau einem entwässerten Feuchtgebiet das Wasser zurück – mit Hilfe des Bibers. Der Boden bleibt selbst nach Wochen ohne Regen feucht.

In den vergangenen 200 Jahren sind in der Schweiz fast 90 Prozent der Moore verschwunden. Viele Flächen wurden mit Drainageröhren oder Gräben entwässert, um sie für die Land- sowie Forstwirtschaft nutzbar zu machen. Als Folge verloren seltene Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum. Im Rahmen des Massnahmenplans Biodiversität will der Kanton Thurgau mehrere dieser Gebiete wiedervernässen. Eines davon ist der Gampen. Hier zeigt sich, wie wertvoll Feuchtgebiete sind – besonders in Phasen extremer Trockenheit.
Es ist heiss, es ist trocken und das schon seit Wochen. Die Folge: Im Kanton Thurgau besteht aktuell grosse Waldbrandgefahr. Während vielerorts die Blätter der Bäume bereits gelb verfärbt sind, ist im Gampen nichts von derlei Stresssymptomen zu sehen. Im Gegenteil, trotz extremer Trockenheit ist der Boden hier Feucht. Der Grund: Beim Gebiet, das in der Gemeinde Berg liegt, handelt es sich um ein ehemaliges Feuchtgebiet, das seit 2022 durch den Kanton wiedervernässt wird.
«Ende des 19. Jahrhunderts war der Boden hier zu nass, um Holz zu produzieren», sagte Ruedi Lengweiler, Förster Waldbiodiversität des Thurgauer Forstamtes, am Donnerstag im Rahmen einer Sommermedienfahrt. Es folgte eine planmässige Bodenverbesserung, sprich: Das Gebiet Gampen wurde entwässert und aufgeforstet.
Übrig blieb am Ende ein kleines Feuchtgebiet, das wegen der tiefen Entwässerungsgräben regelmässig austrocknete. «Damit hatte es eine seiner wichtigsten Funktionen verloren», sagte Tobias Schmid, Teamleiter in der Abteilung Natur und Landschaft, «denn bei Starkniederschlägen dienen Feuchtgebiete als Schwämme, die das Wasser aufnehmen.» Dadurch sinke nicht nur die Gefahr für ein Hochwasser, das Wasser werde danach auch gleichmässiger wieder an die Umgebung abgegeben. «Das ist in extremen Trockenperioden, wie wir aktuell eine haben, besonders wertvoll.»

Mithilfe tierischer Unterstützung
2022, über 100 Jahre nach der Trockenlegung, entschied der Kanton, dem Gampen das Wasser zurückzugeben. Möglich war das auch dank der Grundeigentümer und Bewirtschafter der betroffenen Parzellen, mit denen Lösungen gefunden werden konnten. In einem ersten Schritt wurde der Kernteil des Gebiets mithilfe von zwei Absperrschiebern eingestaut. «Ein Jahr später erhielten wir tierische Unterstützung», sagte Lengweiler. Der Biber sei eingezogen und habe den Wasserstand nochmals um rund 30 Zentimeter angehoben. «Seither ist das Feuchtgebiet von 3.6 auf 8.4 Hektare angewachsen und nie mehr ganz ausgetrocknet.»
Der Biber ist nicht der einzige Bewohner im Gampen. Dank der Wiedervernässung sind zwei sehr seltene Libellen im Gebiet aufgetaucht: Beide wurden im Thurgau erst ein- respektive zweimal gesichtet. Und auch der Laubfrosch ist zurückgekehrt. «Das zeigt, dass die Massnahmen der Biodiversitätsstrategie Wirkung entfalten», freute sich Matthias Künzler, Leiter der Abteilung Natur und Landschaft.
Massnahmenplan Biodiversität 2023 – 2028
Seit Juli 2023 hat der Kanton Thurgau eine Biodiversitätsstrategie . Sie wird in Etappen umgesetzt. Für die erste Etappe wurde der Massnahmenplan 2023 – 2028 erarbeitet. Er enthält 26 Massnahmen – darunter die Wiedervernässungen ehemaliger Feuchtgebiete. Damit fördert der Kanton intakte und vielfältige Lebensräume sowie ein breites Spektrum an Arten und genetischer Vielfalt.
Die erste Umsetzungsetappe der Biodiversitätsstrategie Thurgau hat die Halbzeit erreicht – drei von sechs Jahren sind vergangen. Derzeit beträgt der Umsetzungsstand 37 Prozent (Vorjahr: 16 Prozent). 14 Massnahmen sind auf Kurs, wobei 25 Prozent der vorgesehenen Mittel eingesetzt worden sind. Insgesamt flossen bislang 13.1 Millionen Franken in die erste Umsetzungsetappe der Biodiversitätsstrategie, 5.6 Millionen Franken davon stammen vom Bund.










