Der Rothenburger Deckenspezialist Röösli AG nimmt die Herausforderung als Chance, um für die Zukunft gestärkt aus der aktuellen Situation herauszugehen.
Röösli AG
Zwei Mitarbeitende der Röösli AG erhalten auf der Baustelle – in gebührendem Abstand zueinander – aktuelle Informationen per Smartphone. - Gemeinde Kriens
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Die Röösli AG Rothenburg gehört zu den führenden Anbietern von Akustik- und Deckensystemen. Über 50 Mitarbeiter sind täglich in der ganzen Deutschschweiz unterwegs und installieren abgehängte Deckensysteme.

Das Unternehmen bewältigt täglich eine logistische Mammutaufgabe, um für die 400 Aufträge pro Jahr Material und Spezialisten rechtzeitig auf den Baustellen zu haben.

Viele Abhängigkeiten

Mit dem Beschluss von Notmassnahmen durch den Bundesrat zur Verlangsamung der Coronavirus-Verbreitung ist diese Aufgabe auch für die Röösli AG von heute auf morgen exponentiell gewachsen. «Wir stehen als Dienstleister in einer langen Kette von Abhängigkeiten», sagt Geschäftsführer René Röösli.

«Wir brauchen gesunde Mitarbeiter, verlässliche Verkehrssysteme, Liquidität, pünktliche Materiallieferungen und letztlich Kunden, die geplante Arbeiten nach Terminprogramm realisieren wollen – und auch realisieren können.» Verändert sich nur einer dieser Faktoren, hat das unmittelbar Einfluss auf alle anderen.

Heute ist er froh, dass er sich mit seinen Kollegen der Geschäftsführung schon früh mit dem Thema befasste. Anfangs waren es Massnahmen gegen eine sich anbahnende starke Grippewelle, die mit Blick auf andere Länder schon in den Fasnachtsferien ergriffen wurden.

Und René Röösli gibt zu: «Damals hielten wir es auch noch nicht für möglich, dass jemals ein Notstand ausgerufen würde wie in China.»

Der Chef meldet sich per Video

Doch die Röösli AG wollte früh für mögliche Entwicklungen gerüstet und für verschiedene Szenarien bereit sein. Im Zentrum der Überlegungen standen zuerst die eigenen Mitarbeitenden. Weil diese auf Baustellen in der halben Schweiz verteilt arbeiten, wurde die Kommunikation mit ihnen intensiviert – und dank moderner Kollaborationstools vereinfacht.

«Wir wollten, dass wir alle Mitarbeitenden schnell und einheitlich erreichen können», erinnert sich Fabio Walser, der bei der Röösli AG die Koordination aller Massnahmen der aktuellen Coronavirus-Einschränkungen übernahm.

Der Kanal wurde schnell ausgebaut: «Dass sich der Chef bei den Mitarbeitenden plötzlich per Video-Botschaft oder mit einer praktischen Anleitung per Video meldet, wurde sehr geschätzt», sagt Walser.

Mitarbeitende ziehen mit

Im gesamten Betrieb wurden umfassende Hygiene- und Vorsichtsmassnahmen eingeführt, mit denen Krankheitsfälle generell, insbesondere aber auch eine Ansteckung mit dem Coronavirus verhindert werden sollten. Dabei ging die Geschäftsleitung voran und schaffte quasi über Nacht die technischen Möglichkeiten für verschiedene Veränderungen.

Ein Teil der Administration arbeitet seither im Homeoffice, die Bürozuteilung wurde für konsequentes Abstandhalten im Alltag optimiert und alle Meetings wurden durch Videokonferenzen ersetzt. «Vieles, was davor undenkbar schien, liess sich angesichts der neuen Rahmenbedingungen plötzlich einführen», blickt Fabio Walser zurück.

Diesem Beispiel in der Umsetzung der Hygienevorschriften des Bundes folgte auch der ganze technische Betrieb. Zusätzliche Fahrzeuge etwa ermöglichten auf der Fahrt zur Baustelle das Abstandhalten der Mitarbeitenden.

Und auch andere Veränderungen wurden schnell umgesetzt: «Ja, unsere Mitarbeitenden haben sofort mitgezogen», sagt Walser. «Sie sind damit ein wichtiger Erfolgsfaktor, denn sie prägen mit ihrem Verhalten auch das Bild, das auf der Baustelle von der Röösli AG gerade jetzt vermittelt wird.»

Corona-Schreck im Team

Das ist auch nötig. Denn die Röösli AG ist weiterhin stark gefordert. Schon früh holte der CoronaSchreck das Rothenburger Unternehmen selber ein. Ein Mitarbeiter erfuhr, dass er in direktem Kontakt stand zu einer Person mit Corona-Befund.

«Wir hatten das als mögliches Szenario vorbereitet und wussten, was zu tun sei», sagt Fabio Walser. Dazu war bekannt und dokumentiert, mit wem der betreffende Mitarbeiter auf Montage unterwegs war.

Die Massnahmen konnten schnell und wirksam umgesetzt werden. Inzwischen konnte dort ebenso Entwarnung gegeben werden wie bei zwei Mitarbeitenden, die auf der Rückreise aus den Ferien blockiert waren.

Gemeinsam Lösungen finden

Schnell spürbar wurden für die Röösli AG auch die Auswirkungen der Corona-Einschränkungen bei Kunden. In engem Kontakt mit ihnen wurde versucht, sich anbahnende Veränderungen etwa wegen sich verschiebender Aufträge anzugehen.

Dazu wurde auch er Kontakt mit Lieferanten gesucht, um den geplanten Nachschub an Material sicherzustellen. «Wir sind gut gefahren damit, dass wir mit diesen Firmen klar und transparent kommunizierten», sagt René Röösli.

«Die Rahmenbedingungen sind für alle Unternehmen gleich. Wir versuchen jetzt, gemeinsam eine Lösung zu finden». Dabei gehöre es zur unternehmerischen Verantwortung, ein gesundes Gleichgewicht zu finden zwischen der Pflege bestehender Lieferantenkontakte und der frühzeitigen Suche nach Alternativen: «Wenn zum Beispiel alle Mitarbeiter eines Lieferanten in Quarantäne sind, müssen wir Ideen haben, wie wir auf einer Baustelle nicht den gesamten Betrieb zum Erliegen bringen», sagt Walser.

Chance zur Veränderung

Letztlich baut die Röösli AG auf vorausschauende Planung. «Wir versuchen, ruhig zu bleiben und gemeinsam mit allen unseren Partnern nach Lösungen zu suchen», sagt René Röösli.

Die laufende Analyse und das Entwickeln möglicher Szenarien ermögliche oft schnelles Reagieren: «Wir setzen lieber schnell etwas Brauchbares um, als dass wir auf die beste Lösung warten, die dann aber vielleicht zu spät ist». Primäres Ziel sei immer, das Unternehmen sicher durch die aktuellen wirtschaftlichen Turbulenzen zu bringen.

«Wir wollen die aktuelle Situation aber auch als Chance zur Veränderung sehen», sagt CEO René Röösli. «Was sich von den jetzt eingeführten Veränderungen bewährt und auch später noch Sinn macht, werden wir sicher beibehalten.»

Diesen Optimismus vermittelt die Röösli AG im Hinblick auf das verlängerte Osterwochenende nun auch bei der Belegschaft: Ein spezielles Ostergeschenk soll bei den Familien der Mitarbeitenden für Kurzweile sorgen und das Einhalten der «Bleib zu Hause»-Aufforderung erleichtern.

Dass damit auch einer regionalen Druckerei ein Produktionsauftrag vermittelt werden konnte, zeigt, dass eben Not tatsächlich oft erfinderisch macht.

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