Stadt setzt auf artenreiche Dachbegrünung
Das neue Baureglement von Kreuzlingen verlangt bei grossen Flachdächern teilweise hochwertige Begrünungen, um die Biodiversität im Siedlungsraum zu stärken.

Wie die Stadt Kreuzlingen schreibt, sind in Kreuzlingen erst wenige Flachdächer hochwertig begrünt – doch zeigen bereits Wirkung: Seltene Orchideen wachsen dort, auch Vögel und Kleintiere finden einen neuen Lebensraum.
In der Schweiz sind rund 56'000 Pflanzen-, Pilz- und Tierarten bekannt. Doch diese Vielfalt ist bedroht: Gemäss Bundesamt für Umwelt (BAFU) gelten ein Drittel der Arten und die Hälfte der Lebensräume als gefährdet. Umso wichtiger sind gezielte Massnahmen im Siedlungsraum.
«Ohne zusätzliche Anstrengungen droht langfristig ein massiver Verlust der Artenvielfalt», sagt Rafael Schneider von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Gemeinsam mit Stefan Braun, Umweltschutzbeauftragter der Stadt Kreuzlingen, und dem Energiebeauftragten Andreas Signer möchten sie die Bevölkerung für hochwertige, artenreiche Dachbegrünungen sensibilisieren.
Für Schneider steht fest: «Flachdachbegrünungen sind eine zentrale Chance, Biodiversität im urbanen Raum zu fördern.» Seine Forschungsgruppe Stadtökologie der ZHAW baut seit über 20 Jahren ökologisch hochwertige Dachbegrünungen und untersucht ihren Wert für die Biodiversität. Besonders für den gesetzlich geforderten ökologischen Ausgleich bei Bauprojekten gewinnen sie zunehmend an Bedeutung.
Baureglement stärkt Biodiversität auf Dächern
Währenddem herkömmliche Dachbegrünungen meistens keinen Nutzen für die Biodiversität bringen, können mit vergleichbarem Aufwand hochwertige Dachbegrünungen geschaffen werden, die einen wertvollen Lebensraum für bedrohte und seltene Tiere und Pflanzen bilden. Die neuen gewonnenen Erkenntnisse der hochwertigen Dachbegrünungen sind Teil des neuen Baureglements der Stadt Kreuzlingen.
Es verlangt, dass grosse Flachdächer teilweise hochwertig begrünt werden müssen. Die Stadt unterstützt Bauherrschaften und Unternehmen mit einem umfassenden Merkblatt zur Umsetzung von hochwertigen Dachbegrünungen. Im Idealfall wird lokaler Aushub wiederverwendet und durch eine Direktansaat mit Heu aus der Umgebung ergänzt.
Auf der mindestens zehn Zentimeter dicken Vegetationsschicht entstehen nährstoffarme Standorte – ideale Bedingungen für artenreiche Magerwiesen. Neben verschiedenen anderen Orchideenarten gedeiht auf Kreuzlinger Flachdächern nun beispielsweise auch die Hummelragwurz (Ophrys holoserica).
Die Dachbegrünung ist Teil eines breiteren Engagements der Stadt für mehr Biodiversität. «Wir setzen auf ein Bündel von Massnahmen – von der Förderung von Grünkorridoren über Aktionen wie ‹Jeder Strauch zählt› bis hin zu finanziellen Beiträgen für naturnahe Elemente in Privatgärten», erklärt Stefan Braun. Unterstützt wird der Stadtrat dabei von der Kommission Biodiversität, die Strategien entwickelt, Projekte begleitet und die Bevölkerung sensibilisiert.










