Kanton Glarus: Umfahrung Netstal–Glarus soll zehn Jahre früher kommen
Der Glarner Regierungsrat fordert in seiner Stellungnahme zur Bundesvorlage «Verkehr ’45», die Umfahrung Netstal–Glarus bis 2045 statt 2055 zu bauen.

Der Regierungsrat nimmt Stellung im eidgenössischen Vernehmlassungsverfahren zur Vorlage «Verkehr ‘45» und unterstützt grundsätzlich eine koordinierte Weiterentwicklung der Schweizer Verkehrsinfrastruktur. In der Vorlage «Verkehr '45» findet der Kanton Glarus jedoch zu wenig Berücksichtigung. Der Regierungsrat fordert neben der Weiterführung der Bahnprojekte insbesondere, die Umfahrung Netstal–Glarus dem Realisierungshorizont 2045 anstatt 2055 zuzuordnen.
Mit «Verkehr '45» bündelt der Bundesrat den Ausbau von Schiene, Nationalstrasse und Agglomerationsverkehr erstmals in einer gemeinsamen Vorlage. Der Regierungsrat hat im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens Stellung zur Vorlage genommen. Darin begrüsst er diesen Ansatz grundsätzlich, bringt aber auch Vorbehalte vor.
Die Auswahl der Projekte bleibt aus Sicht des Kantons Glarus regional unausgewogen: Vorgesehene Bahnvorhaben wie der Doppelspurausbau Tiefenwinkel oder die Kreuzungsstelle Glarnerland sollen entfallen, während die Umfahrung Netstal erst im Realisierungshorizont 2055 vorgesehen ist. Nachdem die Umfahrung Näfels bereits 2019 verbindlich beschlossen wurde, enthält die aktuelle Vorlage für den Kanton bis zum Realisierungshorizont 2055 kein neues Ausbauvorhaben.
Umfahrung N17 ist für den gesamten Kanton zentral
Die N17 ist die einzige durchgehende Haupterschliessungsachse des Glarnerlands und die zentrale Anbindung an die Autobahn. Sie führt mitten durch die Dorfzentren und ist mit täglich deutlich mehr als 20'000 Fahrzeugen sehr stark belastet. Es gibt einige Beispiele, in welchen der Bund Umfahrungsstrassen bei deutlich tieferen Verkehrsbelastungen umgesetzt hat.
Stau, Lärm, eingeschränkte Verkehrssicherheit und eine starke Trennwirkung beeinträchtigen Bevölkerung und Ortsentwicklung. Gleichzeitig verlieren die Buslinien an Fahrplanstabilität und Bahnanschlüsse können nicht zuverlässig gewährleistet werden. Zudem besteht ein erhöhter Handlungsdruck aufgrund des Umstandes, dass mit den bestehenden Frequenzen eine mittelfristig anstehende Sanierung der Hauptachse ohne redundante Verkehrswege nicht ohne starke Einschränkungen im Verkehrsfluss möglich wäre.
In Näfels hat der Bund das Umfahrungsprojekt mit dem Netzbeschluss (NEB) verbindlich übernommen und plant dieses mit Baustart 2030.
Neben Näfels sind auch die Ortschaften von Netstal und Glarus von der starken Verkehrsbelastung durch die Dorfzentren und deren Auswirkungen betroffen. Beide Ortschaften sind als Teil eines zusammenhängenden Korridors zu betrachten, welcher in einem Projekt gebündelt werden muss. Der Kanton Glarus fordert deshalb, dass der Umfahrungsperimeter neben Netstal auch Glarus umfasst.
Das Projekt wurde gut bewertet und soll in den Realisierungshorizont 2045 aufgenommen werden. Zur Weiterentwicklung des Vorhabens wird der Kanton Glarus in Vorleistung gehen, um mit einem Vorprojekt die notwendige Projektreife rechtzeitig zu erhöhen.
Auch Bahnprojekte weiterführen
Der Bahn kommt neben der Strasse eine zentrale Rolle bei der verkehrlichen Erschliessung des Kantons zu. Sie stellt attraktive und direkte Verbindungen innerhalb des Kantons sowie interkantonal sicher. Der Regierungsrat fordert deshalb, den Projektierungsauftrag für den Doppelspurausbau Tiefenwinkel weiterzuführen, damit zukünftig der einzige einspurige Streckenabschnitt auf der Strecke Hamburg–Chur beseitigt werden kann.
Ebenso soll die Kreuzungsstelle im Glarnerland optimiert und in einem der nächsten Ausbauschritte realisiert werden. Beide Projekte sind für die Entwicklung eines leistungsfähigen Bahnsystems im Glarnerland, aber auch regional bedeutend.











