Die Universität Freiburg informiert im November 2021 über die Covid-19-Impfung von Kindern unter zwölf Jahren.
uni fribourg
uni fribourg - Keystone

In mehreren Ländern wurde bereits damit begonnen, Kinder unter zwölf Jahren gegen COVID-19 zu impfen. Eine von der Universität Freiburg und dem Murdoch Children’s Research Institute (MCRI) in Melbourne durchgeführte Review hebt nun hervor, dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis der COVID-19-Impfung bei Kindern komplexer ist als bei Erwachsenen.

Eine der Gründe dafür ist, dass COVID-19 in dieser Altersgruppe häufig asymptomatisch oder gutartig verläuft. Die von einem internationalen Expertenteam für Impfungen bei Kindern geschriebene Review bezieht weder für noch gegen die Impfung Stellung, sondern zeigt einige sensible Punkte auf und unterstreicht, wie komplex die Entscheidungen über die Impfung von Kindern unter zwölf Jahren sind.

Professor Nigel Curtis vom MCRI und von der Universität Melbourne erklärt: «Ob Kinder gegen COVID-19 geimpft werden sollten, ist unter wissenschaftlichen Aspekten eine ungeklärte Frage.» Das Nutzen-Risiko-Verhältnis ist bei Kindern komplexer als bei Erwachsenen.

Dies liegt insbesondere daran, dass die Wirkung der Impfung und der Krankheit bei Kindern bisher weniger gut bekannt ist.

Was für die Impfung spricht

Dr. Petra Zimmermann von der Universität Freiburg erklärt: «Die Impfung von gesunden Kindern wird neben dem Schutz einiger weniger Kinder, bei denen COVID-19 einen schweren Verlauf nimmt, hauptsächlich damit begründet, dass die Kinder vor den Folgen von Long Covid und in seltenen Fällen auch vor dem multisystemischen Entzündungssyndrom geschützt werden sollen.

Weitere Nutzen der Impfung von Kinder, könnte eine potentielle Reduzierung von Quarantäne, Lockdowns, wiederholte Tests und Schulschliessungen, sein.»

Und weswegen eher Vorsicht geboten ist

Die Review betont jedoch auch, dass es sich eventuell als nicht notwendig erweisen könnte, Kinder unter zwölf Jahren zu impfen, solange COVID-19 bei Kindern keine schwere Krankheit ist – d.h., solange die überwiegende Mehrheit der infizierten Kinder asymptomatisch bleibt. Diese Option würde nicht nur die seltenen Nebenwirkungen der Impfung vermeiden, sondern auch zu einer besseren Bereitstellung des Impfstoffes in der Welt beitragen.

«Die Pandemie hat überall die Grundimpfungen der Kinder über den Haufen geworfen», unterstreicht Dr. Zimmermann. Sie fährt fort: «Durch ein allgemeines Impfprogramm gegen COVID-19 für diese Altersgruppe könnten sich diese Verzögerungen noch verschärfen, weil in manchen Ländern Ressourcen und Personal fehlen. Um dieses Risiko zu senken, wäre es jedoch vorstellbar, die Grundimpfung und die COVID-19-Impfung zu kombinieren.»

Zu wenig Erfahrungswerte

Laut der Studie sind noch nicht genügend solide Daten verfügbar, um sicher zu sein, dass die Vorteile der Impfung bei Kindern unter zwölf Jahren grösser sind als die möglichen Risiken. Ein Versuch in Phase zwei mit 2'500 Kindern im Alter von fünf bis zwölf Jahren legt nahe, dass die mRNA-Impfstoffe sicher sind, gut vertragen werden und eine starke Immunantwort bewirken.

Ergebnisse aus demselben Versuch mit Kindern unter fünf Jahren werden für das Ende des Jahres erwartet. Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat ihrerseits kürzlich eine Empfehlung für die Pfizer-Impfstoffe für Kinder von fünf bis elf Jahren ausgesprochen.

In der Schweiz scheinen die Behörden noch weitere Sicherheitsdaten abwarten zu wollen, bevor sie grünes Licht geben.

Impfpolitik je nach Bedarf

Die Verfasser der Studie sind der Ansicht, dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis kontinuierlich überprüft werden muss, und zwar insbesondere dann, wenn eine neue Variante auftauchen sollte, auf die Kinder sensibler reagieren.

In den benachteiligten Ländern könnte der Schritt zur Impfung der Kinder unter zwölf Jahren schneller vollzogen werden, denn dort verläuft COVID-19 aufgrund der häufigeren Grunderkrankungen bei Kindern schwerer.

Eine Option könnte sein, nur eine Impfstoffdosis oder eine geringere Impfstoffdosis zu verabreichen. Dies könnte insbesondere das Myokarditis-Risiko im Zusammenhang mit der zweiten mRNA-Impfstoffdosis verringern, welches allerdings gering ist.

Mehr zum Thema:

Pfizer Studie Daten