Am 19. Juli 1771 befand sich die Stadt Frauenfeld im Ausnahmezustand. Die Stadt brannte und zahlreiche Menschen verloren an diesem Tag ihr gesamtes Hab und Gut.
Frauenfeld
250 Jahre Stadtbrand - Frauenfeld

Mit einem Blaulicht-Fest und einem Freilicht-Hörspiel wollen die Feuerwehr, der Feuerwehr-Verein und das Amt für Kultur die betroffenen Menschen von damals auf besondere Weise würdigen.

Es war ein Freitagmorgen wie jeder andere: Die Menschen in Frauenfeld gingen ihrem Tagwerk nach, in der evangelischen Kirche fand ein Gottesdienst statt und von der Bäckerei Müller an der Vordergasse (heute ungefähr Zürcherstrasse 176) zog ein verführerischer Duft nach frischem Brot in die Gassen der Stadt. Doch plötzlich mischte dieser sich mit beissendem Qualm und kurze Zeit später stand das Haus in Flammen.

Ein stürmischer Wind fachte das Feuer zusätzlich an, so dass es sich ungehindert ausbreiten konnte. Aus duzenden Gemeinden von Nah und Fern – unter anderem aus Ermatingen, Elgg und Winterthur – eilten den Frauenfeldern andere Feuerwehren mit ihren bescheidenen Spritzen zu Hilfe. Es nützte nichts: 64 Häuser brannten bis auf die Grundmauern nieder und deren Bewohner verloren auf einen Schlag ihr gesamtes Hab und Gut.

Besondere Würdigung

«Wir können nur erahnen, wie schlimm dieses Ereignis für die damaligen Menschen der Stadt Frauenfeld war und wie die Feuerwehrleute und die Bevölkerung mit einfachsten Mitteln bis zur Erschöpfung gegen das Feuer ankämpften», betont Stadtpräsident Anders Stokholm anlässlich der Medienkonferenz «250 Jahre Stadtbrand Frauenfeld». Deshalb wolle die Stadt diese Menschen auf ganz besondere Weise würdigen. Einerseits mit einem Blaulichtfest, in dem eindrücklich das Thema «Feuerwehr einst und heute» beleuchtet wird. Andererseits mit einem Freilicht-Hörspiel, das den schicksalhaften Sommertag im Jahr 1771 nochmals lebendig werden lassen soll.

Feuerwehr einst und heute

Am 26. Juni 2021 findet von 10 bis 16 Uhr das Blaulichtfest statt. «Organisiert wird dieses von Angehörigen der Feuerwehr, dem Feuerwehrverein und der Jugendfeuerwehr Frauenfeld», erläutert Michael Burger, Chef des Organisationskomitees. Unter dem Motto «Feuerwehr einst und heute» zeige man in verschiedenen Vorführungen, wie sich die Hilfsmittel der Feuerwehr im Laufe der Zeit entwickelt haben. Festplatz ist die Altstadt von Frauenfeld.

Verschiedene Highlights sorgen nebst einer Ausstellung, die über die ganze Altstadt verteilt ist und in der die Feuerwehr sowie andere Blaulichtorganisationen erlebt werden können, den ganzen Tag für Abwechslung. «Am Fest sollen die Besucherinnen und Besucher zudem hautnah erfahren, warum ein gut eingespieltes Team früher wie heute zentral ist, damit man ein Feuer effektiv bekämpfen kann», ergänzt Feuerwehrkommandant Ursin Camenisch.

Der Eintritt auf das Festgelände ist frei, es gelte aber, die Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu beachten. Allerdings hoffe man, dass der Festbetrieb bis Ende Juni nicht mehr all zu gross eingeschränkt werde.

Einfühlsame Rückblende

«Das Freilicht-Hörspiel ‘Die Stadt brennt’ soll die Tragödie von 1771 auf eine ganz spezielle Weise erlebbar machen und aufzeigen, wie fragil unsere Lebensentwürfe zuweilen sind», erläutert Christof Stillhard, Leiter Amt für Kultur der Stadt Frauenfeld.

In Zusammenarbeit mit dem Theaterschaffenden Markus Keller und Stefan Fischer (Audiofish) sei eine dramatisierte Rückblende entstanden, die den Menschen und ihren tragischen Schicksalen gerecht werde.

Das Hörspiel wird in der Altstadt acht Mal abgespielt. Jeweils um 22 Uhr werden die Geschichten der Bewohnerinnen und Bewohner von damals erzählt – untermalt mit Lichteffekten. Im Hörspiel mitgewirkt haben vorwiegend Angehörige der Feuerwehr sowie des Feuerwehrvereins Frauenfeld und der Stadtpräsident, der in der Rolle als evangelischer Pfarrer den Bewohnern von Frauenfeld die Leviten liest.

«Die Stadt brennt» wird unterstützt von der Gebäudeversicherung Thurgau, der Raiffeisenbank Frauenfeld, dem TKB-Jubiläumsfonds, der Katholischen Kirche Frauenfeld, der Bürgergemeinde Frauenfeld und der IG FIT. Sehr wichtig ist den Organisatoren das Verständnis der Altstadt-Bewohnerinnen und Bewohner, die während der Aufführungen in ihrer Nachtruhe gestört werden können.

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