Gemeinderat hält an neuen Kinder-Betreuungstarifen fest
Trotz Petition mit 500 Unterschriften sieht Flawil von einer Sistierung der neuen Tarife für Kinderbetreuung ab, stellt jedoch weitere Anpassungen in Aussicht.

Wie die Gemeinde Flawil informiert, haben am 12. Februar 2026, initiiert von Peter Hartmann etwas über 30 Personen, darunter viele Eltern mit Kleinkindern, dem Gemeinderat die Petition «Flawil: Neue Tarife für Kinderbetreuung sistieren» mit 536 Unterschriften von Flawilerinnen und Flawilern eingereicht.
Der Gemeinderat hat mit Anerkennung zur Kenntnis genommen, dass die Tagesstrukturen und insbesondere deren Tarife einer beachtlichen Zahl von Flawilerinnen und Flawilern wichtig sind und deren Anliegen ausführlich besprochen.
Der Gemeinderat ist auch nach erneuter Diskussion überzeugt, dass ein einkommensabhängiger Tarif gerechter und zukunftsgerichteter ist sowie mehr Vorteile hat, als die bis Ende des letzten Jahres praktizierte «Flate Rate» im Sinne des Giesskannenprinzips.
Einkommensabhängige Tarife
Dies unterstreichen auch die Empfehlungen «Kinderbetreuung finanzieren und Elterntarife gestalten» der Eidgenössischen Kommission für Familienfragen EKFF, wonach sich die finanzielle Belastung der Familien proportional am Familienbudget ausrichten und gleichwertige Leistungen auf Kantons- oder Gemeindeebene mittels gleichwertiger Tarifmodellen abgerechnet werden sollen, unabhängig von der Betreuungs- und Rechtsform der Trägerschaft.
Zudem ist der Gemeinderat gegenüber der Bürgerschaft verpflichtet, das Defizit der Tagesstrukturen, welches durch die öffentliche Hand zu tragen ist, im Rahmen zu halten. Dieser Rahmen wurde ihm bereits mit dem Gutachten zum Aufbau flächendeckender Tagesstrukturen vom 31. Januar 2008 abgesteckt.
Dort heisst es: «Die Eltern leisten nach Ablauf der Anschubfinanzierung einen Kostendeckungsbeitrag von etwa 55 Prozent».
Gemeinde trägt weiterhin Grossteil der Kosten
Dieser Rahmen wurde von der Bürgerschaft beziehungsweise mit dem von ihr genehmigten Budget 2026 und den darin aufgeführten Elterneinnahmen in der Tendenz bestätigt, wobei der Deckungsbeitrag trotz des neuen Gebührentarifs mit rund 40 Prozent immer noch deutlich unter dem damals im Gutachten genannten Umfang liegt.
Die Gemeinde finanziert so auch nach der Tarifanpassung noch rund eine halbe Million Franken mit rund 2,5 Steuerprozenten. Der Gemeinderat ist der Meinung, das sei nach wie vor familienfreundlich.
Und schliesslich ist der Gemeinderat der Überzeugung, dass die Verbesserungen bei den Anstellungsbedingungen des Tagesstrukturpersonals (Ausbildung FaBe, Gewährung von Vor-, Nachbereitungs- und Teamarbeitszeit, Festanstellungen von Betreuungsassistentinnen statt im Stundenlohn) sich im Preis ausdrücken dürfen.
Keine Sistierung aber Anpassungen
Aus all diesen Gründen kommt es für den Gemeinderat nicht in Frage, mit einer Sistierung die Umsetzung des neuen Gebührentarifs zu stoppen. Mit einer ersten Überarbeitung und Anpassung der Tarife im Interesse der Familien, Frauen und Kinder hat der Gemeinderat aber bereits reagiert und darüber informiert.
Der Gemeinderat hat die Kritik ernst genommen und gehandelt. Und er wird den Gebührentarif der Tagesstrukturen auch weiterhin im Auge behalten, Erfahrungen sammeln und wenn nötig, Anpassungen vornehmen.
Der Gemeinderat ist zudem bereit, die Diskussion über den Wert und die Bedeutung der schulergänzenden Kinderbetreuung zu führen. Das soll im Rahmen der nächsten Budgetdiskussion im Herbst 2026 mit Parteien und interessierten Gruppen, namentlich einer Delegation von Petitionärinnen und Petitionären, geschehen.










