Hitzeminderung: Kühleres Klima dank entsiegelter Böden
Durch gezielte Entsiegelung entstehen im Sonnenhofquartier in der Gemeinde Emmen kühlere Aussenräume. Der Kanton unterstützt solche Projekte finanziell.

Weniger Hitze, weniger Hochwasser und mehr Leben: Im Emmer Sonnenhofquartier zeigt ein Projekt unter Mitwirkung der Asphaltknackerinnen, wie sich Mikroklima und Lebensqualität vor der eigenen Haustüre verändern lassen und wie daraus Inspiration für andere entsteht, berichtet die Gemeinde Emmen.
Brütende Hitze am Tag, tropische Nächte in Emmen: Selbst wenn man die ganze Nacht das Fenster offen lässt, kommt kaum noch spürbare Abkühlung in die Wohnung. Was viele im Alltag als unangenehm erleben, hat einen klaren Ursprung.
Asphalt als Wärmespeicher
«In stark versiegelten Gebieten entstehen sogenannte Hitzeinseln», erklärt die in Emmen wohnhafte Michelle Kohler Jiménez. Asphalt speichere Wärme. Für Menschen, Tiere und Pflanzen sei das problematisch und mit gesundheitlichen Risiken verbunden.
Auch der Wasserhaushalt gerät in urbanen Gebieten zunehmend unter Druck. Regenwasser verschwindet oft direkt im Gulli. Bei Starkniederschlägen führt das vermehrt zu überlasteten Kanalisationen und überfluteten Kellern. «Das geht auch anders», sagt Kohler Jiménez.
Lebloser Platz
Wie das anders aussehen kann, zeigt ein Beispiel im Emmer Sonnenhofquartier: Dort haben Esther Ammann und Christian Hunn ein sichtbares Zeichen gesetzt. 156 Quadratmeter Asphalt wurden im Juni 2025 vor ihrem Haus entfernt.
«Der Asphaltplatz hat mich seit Beginn gestört», erinnert sich Ammann. «Er war einfach da. Praktisch vielleicht, aber leblos.»
Den entscheidenden Impuls gab die Initiative «Asphaltknackerinnen» der Zürcher Umweltkommunikationsfirma Plan Biodivers, mit Michelle Kohler Jiménez als Projektleiterin. «Als ich von dem Angebot im Kanton Luzern hörte, dachte ich: Jetzt ist unsere Gelegenheit, das endlich anzugehen», erzählt Ammann.
Natürliche Hitzeminderung
Heute wirkt der Vorplatz auf den ersten Blick vertraut, doch seine Funktion hat sich grundlegend verändert. «Jetzt gibt es Bereiche mit einheimischen Pflanzen, einen Sitzplatz mit Pflastersteinen und für die Zufahrt eine Kiesstrasse – alles aus natürlichen Materialien», so Ammann. «Das Wasser kann versickern. Das ist der grosse Unterschied.»
Michelle Kohler Jiménez betont die Wirkung solcher Flächen: «Jeder Quadratmeter zählt.» Entsiegelte Böden speichern Regenwasser, geben Feuchtigkeit wieder ab und kühlen dadurch die Umgebung. «Je nach Grösse kann das bis zu sechs Grad ausmachen. Unter Bäumen spürt man sogar 10 bis 15 Grad weniger Hitze», erklärt sie.
Natürliche Böden als Wasserfilter
Auch der Umgang mit Materialien spielt eine Rolle. «Im Asphalt stecken Schadstoffe, und er wird oft im Ausland entsorgt», sagt Kohler Jiménez. Freigelegte Böden aus natürlichen Materialien hingegen reinigen das Wasser beim Versickern wie ein natürlicher Filter. «Es gibt Orte, wo Asphalt sinnvoll ist, wie etwa auf Autobahnen. Aber im Privaten gibt es bessere Lösungen», ist sie überzeugt.
Zudem wurde eine Vielzahl an heimischen Pflanzen gesetzt. Auch für die Biodiversität leistet dieses Projekt einen wichtigen Beitrag. Am heutigen Frühlingsmorgen sind schon zahlreiche Insekten hier erfolgreich auf Nahrungssuche: Aus toter Fläche wurde ein Lebensraum.
Lebendiger und persönlicher
Die Umsetzung gemeinsam mit den Asphaltknackerinnen sei unkompliziert, erklärt Kohler Jiménez: «Wir geben den Anstoss, beraten und vernetzen kostenlos. Die Umsetzung übernehmen Gartenbauunternehmen. Wir dokumentieren die Projekte, damit andere sich inspirieren lassen können.» Aktuell und noch bis mindestens Ende 2026 übernimmt der Kanton Luzern mit Fördergeldern einen Teil der Entsorgungskosten.
Für Ammann hat sich der Aufwand gelohnt: «Es fühlt sich kühler an, lebendiger und irgendwie auch persönlicher», sagt sie. Besonders schön sei die Wirkung im Quartier gewesen: «Die neuen Nachbarn haben umgebaut und ihren Platz auch entsiegelt. Wir hatten einen wertvollen Austausch.»
Michelle Kohler Jiménez sieht genau darin den grössten Effekt: «Hier, wo ich selber lebe, etwas anzustossen bedeutet mir viel. Denn Veränderung beginnt vor der eigenen Haustür und oft schon bei einem einzigen Quadratmeter.»






