SP-Gemeinderat Ivo Hasler erläutert im Gastbeitrag, wie man bezahlbaren Wohnraum in Dübendorf erhalten könnte. Dabei im Fokus: eine aktive Liegenschaftspolitik.
Ivo Hasler SP Dübendorf
Ivo Hasler sitzt für die SP im Gemeinderat Dübendorf. - ZVG

Mit dem vom Stadtrat vorgelegten Entwurf für ein Raumentwicklungskonzept für Dübendorf liegt endlich ein erster wichtiger Baustein für eine zukunftsgerichtete Weiterentwicklung unserer Stadt vor.

Zusammen mit der Totalrevision des kommunalen Richtplanes und der Anpassung der Bau- und Zonenordnung könnte damit die jahrelange Praxis einer Stadtplanung in Form eines Flickwerks mit Gestaltungsplänen oder Zonenplanteilrevisionen endlich überwunden werden.

Die von den Raumplanern vorgeschlagene, städtebauliche Würdigung des Glattraums oder der neu geschaffenen Freiraumachse machen das Stadtgefüge mit einfach verständlichen Elementen lesbar.

Um bezahlbaren Wohnraum zu erhalten, braucht es aber mehr: eine aktive Liegenschaftspolitik der Stadt und Wohnbauförderung.

Günstige Wohnungen verschwinden

Die Forderung der Verdichtung nach Innen aus der letzten Revision des Raumplanungsgesetzes zieht unweigerlich auch im vorliegenden Konzept ihre Kreise.

Gerade in Quartieren wie etwa dem Birchlenquartier, im REK eines der Quartiere, die in Zukunft verdichtet und umstrukturiert werden sollen, stellt sich damit die Frage, wie die bestehende Bewohnerschaft davor geschützt werden kann, im Zuge von Sanierungen und Neubauprojekten einfach mit einer zahlungskräftigeren Bevölkerungsschicht ausgetauscht zu werden.

Schon der blosse Entwurf einer solchen Verdichtungsabsicht an gewissen Stellen im Stadtkörper setzt einen Mechanismus auf dem Immobilienmarkt in Gang, den es im Zaum zu halten gilt.

Dübendorf könnte hier zukünftig eine Vorreiterrolle in der Stadt- und Raumplanung einnehmen, indem es diese Entwicklung rechtzeitig – sprich jetzt – mit den nötigen flankierenden Massnahmen in den Planungsinstrumenten unterlegt. Es braucht schon in der Konzeption Ansätze, wie eine gute soziale Durchmischung erhalten und gefördert werden kann.

Ein Blick über den Tellerrand hinaus in die Gemeinde Nyon zeigt, wie positiv ins Preisspektrum des Wohnungsangebotes eingewirkt werden kann: Nämlich mit Massnahmen wie beispielsweise einem minimalen Anteil von preisgünstigem Wohnraum bei Baurechtsvergaben oder die Vorgabe von mindestens 15 Prozent gemeinnützigem plus 10 Prozent preisgünstigem Wohnraum im Rahmen von Gestaltungsplänen.

Stadt muss selbst aktiv werden

Die im Entwurf des REK angeschnittene «sozial und umweltverträgliche Verdichtung» muss in der Weiterentwicklung präzisiert werden. Neben dem bereits geleisteten Fokus auf Baumasse und Freiraum muss im REK auch die bestehende und neue Bevölkerungsstruktur und deren Bedürfnisse mit einbezogen werden.

Selbst bürgerlich dominierte Gemeinden wie etwa Küsnacht ZH haben erkannt, dass ein funktionierendes Gemeindeleben nicht zuletzt von der Frage abhängt, ob auch Einwohnerinnen und Einwohnern mit mittleren und tiefen Einkommen ein angemessenes Wohnraumangebot zur Verfügung steht.

Dübendorf macht mit der Revision seiner Raumplanungsinstrumente einen wichtigen Schritt. Um den jetzigen und zukünftigen Bewohnern unserer Stadt nicht nur eine hohe Lebensqualität, sondern auch einen erschwinglichen Lebensraum zu bieten, braucht es aber mehr.

Die Stadt muss eine aktive Bodenpolitik betreiben, um die Baulandspekulation einzudämmen und den Anteil an städtischem Bauland zu erhöhen, um so preisgünstiges Bauen für Wohnraum und Gewerbe zu ermöglichen.

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