Würenlos AG: Kloster Fahr bringt Silja Walters Tagebücher auf die Bühne
Im Kloster Fahr in Würenlos AG feiert «Siljas Tagebuch» am 7. November 2026 Premiere – ein szenischer Dialog aus Tagebüchern und Gedichten der Silja Walter.

Manchmal führt der Weg des Menschen in die tiefe Dunkelheit, dorthin, wo er nicht mehr weiterweiss. Jedoch am tiefsten Punkt ist nicht das Ende. Gerade dort kann sich ein neuer Weg zeigen, der wieder ins Licht führt – zu Erkenntnis, Freiheit und einem neuen Verständnis des eigenen Lebens.
Priorin Irene Gassmann
«Siljas Tagebuch – oder der Tanz des Gehorsams» verbindet Auszüge aus den erstmals zugänglich gewordenen Tagebüchern Silja Walters mit ihrem lyrischen Zyklus «Die Strohmatte – oder der Tanz des Gehorsams». So entsteht ein eindrücklicher Dialog zwischen Leben und Dichtung, der ihre poetische Sprache in einem neuen Licht erfahrbar macht.
Die Tagebücher
2016 wurde auf dem Dachboden des Klosters Einsiedeln ein literarischer Schatz entdeckt: Die bislang unveröffentlichten Tagebücher der Schriftstellerin und Benediktinerin Silja Walter (Sr. Hedwig, 1919–2011). Ihre persönlichen Aufzeichnungen und Briefe geben Einblick in ihren inneren Kampf zwischen Gehorsam, Freiheit und ihrer tiefen spirituellen Berufung.
Nach Ansicht ihrer Priorin passte Silja Walter mit ihrer Bildung und ihren Gotteserfahrungen nicht in die Gemeinschaft. Für das Verbleiben im Kloster Fahr musste sie kämpfen. Es ist erstaunlich, wie man in solcher Not überleben kann, ohne aufzugeben.
Sie blieb, weil sie glaubte: «Ich bin nichts, was ins Fahr gehört. Aber ich muss hier bleiben. Gott will es.»
Sie brauchte einen Ansprechpartner und vertraute ihre Tagebücher und Briefe ihrem Abt an. Die darin entstandenen Texte zeigen, wie sie allen Schwierigkeiten zum Trotz kritisch und selbstkritisch ihren eigenen Weg suchte.
Der Tanz des Gehorsams
Jahre später blickt die erfahrene Nonne und Dichterin auf ihr jüngeres Ich zurück. Sie schreibt darüber – und daraus entsteht einer ihrer schönsten Lyrikzyklen, der uns bis heute berührt.
Was bleibt von einem schwierigen Anfang, wenn er Jahre später zu Dichtung wird?
Silja Walter erlebt ihre ersten Jahre im Kloster als eine Zeit des Ringens: mit sich selbst, mit dem Gehorsam, mit ihrem neuen Leben als Nonne. Sie hält diese Erfahrungen in ihrem Tagebuch fest. Jahre später verarbeitet sie dieselbe Lebensphase in ihrem lyrischen Zyklus «Der Tanz des Gehorsams».
Auf der Bühne füllen zwei Schauspielerinnen und eine Violinistin die Tagebuch-Aufzeichnungen der jungen Ordensfrau und die poetische Sprache der späteren Dichterin mit Leben. Sie zeugen von Zweifel und Hingabe, von Gehorsam und Freiheit – und vom Mut, das eigene Leben in Worte zu fassen.
Spiel: Christine Lather (Silja, die Dichterin)
Flurina Carla Schlegel (Silja, die junge Ordensfrau)
Violine: Laida Alberdi
Regie: Lilian Naef
Textcollage, Projektleitung: Christine Lather
Dialogpartnerin Kloster Fahr: Priorin Irene Gassmann
Produktion: Kloster Fahr, Priorin Irene Gassmann
Kostüme: Rudolf Jost, Licht und Ton: Walter Fuchs
Die Produktion entstand im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt der Universität Luzern «Silja Walter – eine Schriftstellerin und ihr Weckruf in Kirche und Gesellschaft». Die Projektleiterin Dr. phil. Esther Vorburger stellte uns die Texte aus den Tagebüchern Silja Walters zur Verfügung. Dank ihrer engagierten, grosszügigen Hilfe konnte die Textcollage zu «Siljas Tagebuch – oder der Tanz des Gehorsams» entstehen.







